Einigen Haustierfreunden sind Hunde, Katzen und klassische Nager schlichtweg zu langweilig. Auf der Suche nach neuen possierlichen Mitbewohnern durchforsten sie das Netz und werden immer wieder fündig. Gerade erst ist der Hype um die zuckersüßen afrikanischen Weißbauchigel vorbei, da verzaubern uns bereits die nächsten putzigen Bilder von possierlichen Tierchen, die an ihren Pfötchen knabbern, nach Herzenslust in der Wanne planschen oder verschlafen ein Plüschtier umklammern.

Nein, es geht nicht um eine spezielle Katzenart, Streifenhörnchen oder Waschbären, sondern um Otter. Zwergotter, um genau zu sein. Wie bei jedem Haustier-Trend gibt es diverse Pro- und Contra-Argumente für die Haltung als Haustier. In Bezug auf die Zwergotter gelten jedoch ganz besondere Bestimmungen. Woher kommen Zwergotter? Welche Ansprüche stellen die Tiere? Und ist die Haltung von Zwergottern in Deutschland überhaupt legal? Diese und viele weitere Fragen möchten wir Dir im Folgenden beantworten.

Was macht Zwergotter aus?

Zwergotter sind anders, als viele Menschen es vermuten, keine Nagetiere. Es handelt sich um eine Unterordnung der hundeartigen Säugetiere, die zur Familie der Marder gehören. Wie es der Name bereits andeutet, sind Zwergotter etwas kleiner als die gewöhnlichen Otter. Dennoch bringen sie es auf eine Kopfrumpflänge von 45 bis 61 Zentimetern sowie eine Schwanzlänge von 25 bis 35 Zentimetern.

Mit einem Gewicht von einem bis zu fünf Kilogramm spielen sie in etwa in einer Gewichtsklasse mit unseren Hauskatzen. Gerade im Quervergleich zu unseren klassischen Haustieren weisen die Zwergotter aber einige Besonderheiten auf. Allem voran steht ihre außerordentliche Intelligenz sowie ihre exzellente Schwimmfähigkeit.

Info: Affen, Delfine, Krähen und Otter

Was haben Zwergotter mit Menschenaffen, Krähen und Delfinen gemeinsam? Zwergotter gehören durch ihre Geschicklichkeit und die mit fünf „Fingern“ ausgestatteten Vorderpfoten gemeinsam mit Delfinen, Menschenaffen und Krähen zu den Tieren, die Werkzeuge herstellen und benutzen können. Während andere Tiere die Werkzeugnutzung erst von ihren Elterntieren lernen, beherrschen Zwergotter diese Fähigkeit laut Forschern bereits von Geburt an. Verblüffend, oder?

Bedingt durch ihre fingerhaften Pfoten mit kurzen Krallen sind Zwergotter sehr geschickt. Ähnlich wie wir Menschen verfügen sie zudem über sehr feinfühlige Zehenballen, was ihnen das tasten erleichtert. Rein optisch haben sie durch die muschelförmigen Ohren, die rundliche Nase und die langen Fangzähne ein leicht marderartiges Aussehen. Ein besonderes Merkmal sind die bei geschlossenem Maul herunterhängenden Mundwinkel, die ihnen einen unheimlich putzigen, mürrischen Gesichtsausdruck verleihen – Grumpy Cat lässt grüßen.

Schon gewusst? – Eine haarige Angelegenheit

Zwergotter gehören zu den haarigsten Tieren im Tierreich. Auf jeden Quadratzentimeter Haut kommen etwa 50.000 Härchen. Zum Vergleich: Menschen mit blonden Haaren verfügen über etwa 150.000 Kopfhaare. Bei Rothaarigen sind es sogar nur 90.000. Das dichte Haarkleid sorgt bei den kleinen Schwimmern nicht nur für eine optimale Thermoisolation, sondern auch dafür, dass sie beim Schwimmen trocken bleiben.

Woher stammen die possierlichen Tierchen?

Zwergotter stammen ursprünglich aus dem südostasiatischen Raum. Dort sind sie vorwiegend im südlichen China, in Indien, auf der Malaiischen Halbinsel sowie auf Borneo, Java und den südlichen Philippinen zuhause. In ihrer Heimat leben die kleinen Räuber in dicht bewachsenen Gebieten in Gewässer-Nähe. Dabei bevorzugen Zwergotter insbesondere Flussmündungen aber auch Küstenstreifen.

In freier Wildbahn leben die vom Aussterben bedrohten Tiere in Familienverbänden von 12 bis 15 Tieren in ausufernden Tunnel-, Höhlen- und Bausystemen. Im Vergleich zu anderen Otterarten gelten die Zwergotter als besonders verspielt und gesellig. Ihren Weg als Haustier in die USA oder nach Europa finden die Tiere leider viel zu häufig über illegale Kanäle. Immerhin stehen die Wildtiere in vielen Ländern bereits unter strengem Schutz. Dennoch gibt es auch einzelne Zuchten.

Das sagt das Gesetz zu Ottern als Haustieren

Eines vorweg: Zwergotter sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzorganisation IUCN. Bedroht sind die Zwergotter vor allem deshalb, weil ihr Lebensraum im Bereich der Küsten und Flussmündungen in ihren Heimatländern durch verschiedenste Einflüsse zerstört wird.

In der Folge ist es kein Wunder, dass die Haltung von Ottern bzw. Zwergottern mit gewissen rechtlichen Beschränkungen bzw. Hürden und Empfehlungen verbunden ist. Gerade im Hinblick darauf, dass die Gesetzgebung etwa in den USA relativ lax ist, lohnt sich ein Blick auf die gesetzlichen Vorschriften in Deutschland:

  • Der aus Ostasien stammenden Zwergotter ist durch illegalen Wildfang stark gefährdet. Durch verschiedene Artenabkommen ist der Handel mit diesen Tieren, die aus einem Wildfang stammen, verboten.
  • Grundsätzlich erfordert der Handel mit Ottern bzw. Zwergottern eine Genehmigung. Diese Regelung gilt sowohl für das Ursprungsland als auch für das Zielland.
  • Beim Kauf eines Otters solltest Du also unbedingt auf die Vollständigkeit aller Papiere samt der notwendigen Genehmigungen achten. Wirf deshalb immer einen Blick in die Papiere des Tiers bzw. der Tiere. Sind keine Papiere vorhanden, solltest Du Abstand vom Kauf nehmen.
  • Hast Du den Verdacht, dass ein Tier vom Schwarzmarkt stammt, solltest Du unbedingt Anzeige erstatten. Häufig steckt dahinter nicht nur der illegale Handel. In vielen Fällen werden die Tiere auch nicht ansatzweise artgerecht behandelt oder sogar gequält.
  • Für die Haltung eines Otters (egal welcher Art) benötigst Du eine amtliche Genehmigung. Diese bekommst Du von der zuständigen Landesbehörde, wenn du entsprechendes Sachwissen und eine artgerechte Unterbringung nachweisen kannst. Aber Achtung: Die Anforderungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.

Diese Bedürfnisse muss ein angehender Otterhalter erfüllen

Zwergotter sowie alle anderen Otter-Arten sind Wildtiere! Dementsprechend stellen sie ganz besondere Anforderungen, wenn sie in Gefangenschaft gehalten werden. Ein Kleintierstall ist absolut tabu. Durch den hohen Bewegungsdrang sollte das Gehege schon mindestens 20 Quadratmeter groß sein. Das ist aber lediglich die Mindestempfehlung für ein Otterpaar.

Da Zwergotter sehr soziale Tiere sind, ist die Haltung von nur zwei Tieren aber bereits zu wenig. Ideal ist ein großes Außengehege im Garten, das nicht nur Platz, sondern auch Klettermöglichkeiten und permanent verfügbare Bade- bzw. Schwimmmöglichkeiten bietet. Optimal ist ein großes Bassin oder ein Gartenpool. Zudem möchten Zwergotter dauerhaft beschäftigt werden. Eine ganze Ladung an Katzen- und Hundespielzeug sollte es also schon sein, damit die Tiere sich nicht langweilen und Unsinn anstellen.

Auch in Sachen Ernährung sind einige Besonderheiten zu beachten. Zwar fressen Zwergotter auch typisches Trockenfutter für Katzen und Hunde. Unbedingt gut für die Tiere ist dies jedoch nicht. Eine deutlich bessere Option ist Nassfutter. Da es sich bei Zwergottern um Raubtiere handelt, die in der Natur Muscheln, Krebstiere und andere Kleintiere jagen, kommst Du um regelmäßige Fleisch- und Fischmahlzeiten nicht herum.

Fazit: Sind (Zwerg-)Otter als Haustiere geeignet?

Zugegeben, Zwergotter sind unheimlich putzige Tiere. Trotzdem sollte die Haltung nur absoluten Profis vorbehalten bleiben. Also solchen Menschen, die sich mit der Haltung ähnlicher Tiere auskennen und über entsprechende Außenflächen verfügen. Wer weder das eine noch das andere vorzuweisen hat, sollte sich den Gedanken gleich aus dem Kopf schlagen. Nicht nur, dass der arme Zwergotter mit der Zeit sicher eingehen würde.

Auch eine offizielle behördliche Genehmigung wird es in diesem Fall nicht geben. Kurz gesagt: Zwergotter sind trotz knuffiger YouTube-Videos keine geeigneten Haustiere, sondern Wildtiere. Und dort gehören sie auch hin. Auf der Suche nach einem passenden Mitbewohner für dein Zuhause wirst Du sicher auch anderweitig fündig.