Etikettenschwindel bei neuem staatlichen “Tierwohl-Gütesiegel”?

Sehen wir für einen Moment von der Frage ab, inwiefern Tierschutz und Fleischverzehr überhaupt zusammenpassen. Laut Agrarminister Christian Schmidt (CSU) sind 88 Prozent der Deutschen bereit, mehr für Fleisch zu zahlen, wenn Tiere dafür besser gehalten werden. Für Fleisch von Tieren mit höherem Lebensstandard soll es zukünftig ein staatliches Tierwohl-Label geben. Doch bei dem Gütesiegel könnte es sich um eine Mogelpackung halten.

Laut Bayerischem Rundfunk und Süddeutscher Zeitung liest sich der Entwurf des Gütesiegels für Schweinehaltung, als würde man das Tier an die industrielle Haltung anpassen und nicht umgekehrt. Offenbar waren bei den vertraulichen Beratungssitzungen von Minister Schmidt vorwiegend Vertreter des Bauernverbandes, des Schlachtgewerbes, der Schweinelobby und des Lebensmittelhandels anwesend. Das Ergebnis der Sitzungen scheint laut Recherchen von BR und SZ unter dem Motto “Alte Standards, neu verpackt” zu stehen.

Wie gehabt dürften Schweine bei Schummerlicht auf Beton-Spaltenboden gehalten werden, der die Gelenke schädigt. Auch der Ringelschwanz könne weiterhin ohne Betäubung gekürzt werden. Statt der bisher vorgeschriebenen 0,75 Quadratmeter gebe es aber für ein 100 Kilo Mastschwein mehr Platz - und zwar 0,25 Quadratmeter zusätzlich. Bleibt also zu hoffen, dass die Kriterien für das Label noch drastisch zugunsten der Tiere verändert werden.