Meerschweinchen-Haltung: Das müsst ihr beachten

FREITAG, 30.03.2018

Nach wie vor sind Meerschweinchen als Geschenk für Kinder besonders beliebt. Leider ist vielen Eltern nicht bewusst, dass eine artgerechte Haltung der Tiere gar nicht so einfach ist. Deshalb möchten wir euch eine Übersicht über die Bedürfnisse der kleinen Nager an die Hand geben:

1. Für genügend Platz sorgen

Der natürliche Lebensraum von Meerschweinchen ist weit und ausgedehnt. In den Buschsteppen der Anden in Südamerika leben sie in Gruppen von drei bis 10 Tieren in Tunnelbauten und Höhlen. Ein kleiner Käfig wäre also viel zu wenig für sie. Mindestens 1,5 Meter Distanz sollten die Tiere zurücklegen können. Bei 2-3 Tieren empfiehlt der Tierschutzbund ein offenes Vivarium mit einer Grundfläche von mindestens 1,5 x 0,75 Meter. Der Ort sollte hell und gut belüftet, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Auch genügend Schlafhäuschen sollte es geben. Selbstbauten aus Holz, die mehrere Etagen bieten, können für Abwechslung sorgen.

2. Auf keinen Fall alleine halten

Ein Meerschweinchen alleine zu halten, ist Tierquälerei. Die geselligen Tierchen sollten mindestens zu zweit, besser aber mindestens zu dritt gehalten werden, um sich richtig wohlzufühlen.

3. Kaninchen und Meerschweinchen sind definitiv kein Traumpaar

Immer wieder werden Meerschweinchen mit Kaninchen gehalten. Doch die Unterschiede zwischen den beiden Arten sind drastisch. Kaninchen haben nichts gegen Körperkontakt, während dies Meerschweinchen eher meiden. Zudem sind Kaninchen nachtaktiv und verteidigen oft ihr Revier, wenn nachträglich Meerschweinchen hinzukommen. Anders als von vielen Hobby-Tierhaltern vermutet, können die beiden Tierarten nicht ihre jeweiligen Artgenossen ersetzen. Wenn sie unbedingt zusammen gehalten werden sollen, muss das Gehege für beide Tierarten angepasst werden und entsprechend groß sein. Zudem sollten mehrere Etagen und Schlupfwinkel vorhanden sein, so dass sich die Tiere aus dem Weg gehen können. Außerdem wichtig: Von beiden Tierarten sollten mindestens zwei Tiere vorhanden sein.

3. Nicht auf den Arm nehmen: Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere

Besonders für Kinder ist es wichtig zu wissen, dass Meerschweinchen nicht auf den Arm genommen werden sollten. Zwar halten die Tiere dann sehr still und lassen sich streicheln, doch das bedeutet nicht, dass sie es genießen. Im Gegenteil. In freier Wildbahn haben Meerschweinchen zwei Verhaltensmuster bei Gefahr: Entweder sie fliehen oder sie verfallen in Schreckstarre. Letzteres passiert häufig, wenn sie auf den Arm genommen werden. Einige Kinder realisieren die Panik der Tiere selbst dann nicht, wenn sich die armen Tiere nass machen. Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere.

Wenn sie für den Tierarztbesuch hochgehoben werden müssen, solltet ihr sie mit einer Hand unter dem Brustkorb nehmen, während die andere Hand das Hinterteil stützt. Wird der Brustkorb mit beiden Händen zu sehr gequetscht droht Erstickungsgefahr. Für Verletzungen durch Stürze sind Meerschweinchen sehr anfällig.

4. Zähne und Krallen sollten sich natürlich abreiben können

Den kleinen Nagern wachsen die Zähne ständig nach. Deshalb ist es wichtig, dass ihr ihnen ausreichend Gegenstände zur Verfügung stellt, an welchen sie nagen können. Dafür eignen sich unter anderem Äste und Holzstücke. Vorsicht: Eibenholz darf nicht verwendet werden, da es giftig ist. Sollten die Zähne zu lang werden, können sie von einem Tierarzt gekürzt werden. Damit sich auch die Krallen genügend abreiben können, sollte es einige Hindernisse oder Klettermöglichkeiten geben.

5. Keine ausgefallenen Zuchtformen unterstützen

Der Tierschutzbund rät davon ab, Meerschweinchen mit ausgefallenen Zuchtformen zu erwerben. Denn einige Zuchtformen wie Albino-Meerschweinchen, Nacktmeerschweinchen oder auch Meerschweinchen mit extremen Langhaar können in die Kategorie sogenannter “Qualzucht” fallen. Einige solcher Tiere leiden unter Missbildungen oder höherer Sterblichkeit bei Jungtieren. Tiere mit extremen Langhaar können zudem oft ihr Fell nicht mehr selbst pflegen.

6. Für ausgewogene Ernährung sorgen

Als reine Pflanzenesser sind Meerschweinchen üblicherweise immer mit der Nahrungssuche beschäftigt. Eine ausreichende Versorgung mit Heu ist gut, um ihnen den ganzen Tag über das Fressen zu ermöglichen. Auch frisches Trinkwasser sollte stets zur Verfügung stehen, am besten über Tränkeflaschen. Grünfutter wird vom Tierschutzbund als “natürlichste und gesündeste Nahrung” für Meerschweinchen empfohlen. Besonders Löwenzahn sollte häufig auf dem Speiseplan stehen. Neben einem Büschel Wiesenkräuter empfiehlt sich auch ein Stück Karotte, Apfel, und Fenchel. Für Meerschweinchen mit hohem Energieverbrauch kann getreidefreies Kraftfutter hilfreich sein. Dabei gilt immer: Achtet auf das Gewicht der Tiere, da sie schnell zu Übergewicht neigen.

7. Nicht nur eure Kinder sollten Freude und Interesse an den Tierchen haben

Ein wichtiger Punkt für alle Eltern. Denn die Verantwortung für die Gesundheit der Tiere können Kinder noch nicht alleine übernehmen.