Gruppenalarm

SAMSTAG, 18.05.2019 Simone Jung

„Hund, Katze, Maus“ – so lautet der Titel einer Fernsehsendung, die Tierfreunden so geläufig ist, wie der Generation 60-Plus „Rosamunde Pilcher“. Genau das ist aber auch die Reihenfolge, die bestimmte Haustiere auf der Beliebtheitsskala einnehmen. Während am besten Freund des Menschen nicht einmal die Katze vorbeikommt, rangieren auf dem dritten Rang verallgemeinernd gleich die Nagetiere. Das hat auch einen guten Grund:

Im Vergleich zur Katzen- und Hundehaltung ist die Haltung von Nagetieren günstiger und weniger aufwendig. Was Freunde der putzigen Nager dabei nur allzu oft vergessen, ist, dass die meisten Nagetiere wie wir Menschen soziale Rudeltiere sind. Während mancher Nager sogar allein gehalten werden sollte, benötigen andere Nager wiederum Gesellschaft für ein glückliches Leben. Also, wer liebt das Single-Dasein und wer braucht eine wuselige WG? Wir verraten es Dir.

Hamster – Vom verschrobenen Single bis zum Familienfreund

Wollen wir gleich mit dem Nagetier schlechthin anfangen, dem Hamster. Hamster gehören zu den Nagetieren, die einen Single-Haushalt bevorzugen, da sie auch in freier Natur über ein eigenes Revier verfügen. Hamster solltest Du daher einzeln im Käfig halten. Das gilt insbesondere für den eigenbrötlerischen Goldhamster. Andernfalls drohen lautstarke Revierkämpfe und Konflikte. Bei hauptsächlich nachtaktiven Tieren wie Hamstern besteht zudem höchste Gefahr für Deine Schlafqualität.

Eine Ausnahme bilden einige Zwerghamsterarten. Der Campbell- und der Roborowski-Hamster beispielsweise akzeptieren zumindest das Zusammenleben mit verwandten Tieren. Solltest Du Dich für eine solche Variante entscheiden, musst Du das Sozialverhalten der Nager dennoch im Auge behalten. Bei Konflikten musst Du ein auffälliges Tier vom Rest der Gruppe trennen.

Kaninchen sind Familientiere

Kaninchen sind typische Familientiere, die in der freien Natur in festen Familienverbänden leben. Ähnlich wie bei Enten handelt es sich zudem um monogame Tiere, die auf Dauer mit einem festen Partner zusammen sind. Kaninchen solltest Du artgerecht und zwar niemals als Einzeltier halten, da die Tiere ansonsten einsamkeitsbedingte Auffälligkeiten entwickeln können. Unruhiges oder lethargisches Verhalten ist die Folge. Halte daher immer mindestens zwei Kaninchen, wobei die Kombination aus einem Männchen und einem Weibchen die beste Option ist.

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Tipp: Lass zumindest das Männchen kastrieren, denn Kaninchen haben einen sehr ausgeprägten Fortpflanzungstrieb.

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Alternativ kannst Du auch eine WG aus zwei oder drei Hoppelbeinen bilden. Nicht zu empfehlen ist dagegen die Haltung von zwei Weibchen – außer Du stehst auf einen ausgewachsenen „Zickenkrieg“. Am besten funktioniert das Zusammenleben bei Kaninchen, die von klein an miteinander aufgewachsen sind. Bei erwachsenen Tieren ist eine oft mehrwöchige Eingewöhnungsphase nötig, bevor die Tiere in einem gemeinsamen Gehege einziehen.

Meerschweinchen – Echte Gruppentiere

Ein menschlicher Mitbewohner reicht den flauschigen Nagern als Familienersatz nicht aus. Selbst dann nicht, wenn Du Dich intensiv mit den Fellknäulen beschäftigst. Das zeigen Dir Meerschweinchen schnell anhand von lautem Fiepen und hektischem Herumnesteln im Streu. Meerschweinchen sind das Leben in großen Familienverbänden gewohnt und benötigen daher immer mehrere „Spielkameraden“. Drei Tiere sind hier das Minimum.

Je mehr Artgenossen ein Meerschweinchen hat, desto glücklicher ist es in seinem Zuhause. Reine Männchen- oder Weibchen-Gruppen sind zwar möglich, aber nicht optimal. Immerhin kommt eine solche Konstellation auch in der Natur nicht vor. Optimal ist dagegen eine Gruppe aus mehreren Weibchen mit einem Männchen, das sozusagen als Streitschlichter fungiert und „Zickenkriege“ verhindert. Achte aber auch hier darauf, dass das Männchen kastriert ist.

Optimale Haltung von Renn- und Farbmäusen

Auch Mäuse sind die Gesellschaft von Artgenossen gewohnt und können ohne den sozialen Kontakt sogar eingehen. Deine „Mäusefamilie“ sollte daher aus mindestens drei bis vier Tieren bestehen. Achte darauf, dass Du Dir möglichst junge Tiere zulegst, da sich diese leichter vergesellschaften lassen als gestandene Mäuse und Mäuseriche. Diese Empfehlung gilt sowohl für die beliebten Farbmäuse als auch für die etwas anspruchsvolleren Rennmäuse.

Während bei Farbmäusen eine Gruppenzusammensetzung aus mehreren Weibchen und einem kastrierten Männchen möglich ist, kannst Du Rennmäuse auch paarweise halten. In beiden Fällen sind auch Gruppen möglich, die nur aus Männchen oder Weibchen bestehen. Ideal ist diese Lösung aber nicht.

Chinchillas – Südamerikanische Familientiere

Da auch Chinchillas natürlicherweise in Familienverbänden leben, solltest Du sie auch bei Dir zuhause nicht als Einzeltier halten. Zwei Chinchillas sind das absolute Minimum – drei, vier oder fünf Tiere sind optimal. Bei Chinchillas musst Du allerdings auf die Zusammensetzung der pelzigen WG achten. Die Kombination aus einem Weibchen und einem Männchen funktioniert beispielsweise sehr gut. Auch mehrere miteinander aufgewachsene Weibchen harmonisieren recht gut.

Das Gleiche gilt für das Gespann aus Mutter und Tochter bzw. Mutter und Töchtern. Etwas problematischer ist die Haltung mehrerer Männchen und Weibchen. Hier kommt es häufig zu Machtkämpfen. Alternativ ist entweder eine WG aus einem Männchen mit mehreren Damen oder eine reine „Männer-WG“ möglich.

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Tipp: Ähnlich wie Kaninchen haben Chinchillas einen sehr ausgeprägten Fortpflanzungstrieb. Allerdings ist die Kastration für das Männchen ein recht gefährlicher Eingriff. Wenn Du die Gesundheit Deiner Nager nicht riskieren möchtest, solltest Du entweder auf gleichgeschlechtliche Gruppen setzen oder im Vorfeld überlegen, was Du mit dem putzigen Nachwuchs anstellen möchtest.

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Ratten – Die anspruchsvollen Mitbewohner

Im Gegensatz zur Mäusehaltung gestaltet sich die Haltung von den als Haustier beliebten Farbratten deutlich komplexer. Das liegt daran, dass Farbratten in der Natur in sehr heterogenen Gruppen leben, die aus vielen Tieren unterschiedlicher Altersstufen bestehen. Dementsprechend fühlen sich die Nager auch nur in solchen Gruppen wirklich wohl. Farbratten darfst Du also niemals als Einzeltiere halten, da diese an der Einsamkeit sogar eingehen können.

Halte Ratten daher immer in einem Rudel von mindestens drei Tieren. Die Paarhaltung führt (ähnlich wie bei uns Menschen) häufig zu lautstarken Streitereien, die auf Dauer zu einem auffälligen Verhalten führen können. Möglich sind sowohl gleichgeschlechtliche Rudel als auch Rudel aus mehreren Weibchen und einem kastrierten Männchen. Besonders stressig ist der Zukauf neuer Tiere, da die Hierarchie der Gruppe immer wieder aufs Neue festgelegt wird. Stell Dich also darauf ein, dass es in den ersten Tagen etwas unruhiger wird.

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Tipp: Farbratten sind recht anfällig für Krankheiten. Achte bei der Anschaffung daher auch auf dein Budget, um die fälligen Tierarztkosten decken zu können. Kleintierexperten empfehlen pro Tier und Monat eine Rücklage von 10 Euro.

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Lemminge – Gesellige Exoten im Wohnzimmer

Zugegeben, Lemminge sind in deutschen Wohnzimmern seltener anzutreffen als Hamster und Mäuse. Wenn Du Dir Dein Zuhause mit ein paar besonderen Nagern teilen möchtest, sind sie aber genau das Richtige für Dich. Beachte allerdings, dass Lemminge in freier Wildbahn in Verbänden von bis zu 50 Tieren leben. Ganz so viele Tiere musst Du natürlich nicht halten – was in einer Stadtwohnung sicherlich auch schwierig wäre.

Dennoch liegt die minimale Gruppengröße für eine artgerechte Haltung bei vier bis fünf Tieren. Ideal ist auch hier die natürliche Kombination aus Männchen und Weibchen. Reine „Männer-WGs“ funktionieren auch recht gut, wenngleich immer die Gefahr von Revierkämpfen besteht. Bei der Kombination aus mehreren Männchen und einem Weibchen ist dagegen Ärger vorprogrammiert.

Streifenhörnchen – Charakterstarke Einzelgänger

Ähnlich wie der Goldhamster ist auch das Streifenhörnchen von Natur aus ein Einzelgänger mit ausgeprägtem Revierverhalten. Wenn Du also keine Lust auf einen Allerwelts-Nager hast und dennoch nur ein einzelnes Tier halten möchtest, ist ein Streifenhörnchen eine interessante Alternative. Trotz der Einzelhaltung benötigen Streifenhörnchen einen großen und vielfältig gestalteten Käfig. Theoretisch ist es auch möglich, Streifenhörnchen paarweise zu halten.

Das geht aufgrund von Revierkämpfen oftmals aber mit heftigen Streitereien einher. Wenn Du die Kinderserie „Chip und Chap“ kennst, weißt Du, was wir meinen. Diese Warnung gilt im Übrigen sowohl für die Haltung von gleichgeschlechtlichen Paaren als auch für die Kombination aus Männchen und Weibchen. Möchtest Du mehr als ein Streifenhörnchen halten, muss der Käfig zudem deutlich größer sein und für beide Tiere ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bieten, um Konflikte zu vermeiden.

Kann ich auch mehrere Nagetierarten miteinander kombinieren?

Bisher haben wir uns nur um die Frage gekümmert, ob sich bestimmte Tiere am besten einzeln oder in Gruppen halten lassen. Wie aber sieht es mit Wohngemeinschaften aus verschiedenen Nagern aus? Grundsätzlich ist das keine gute Idee, da viele Nager einfach zu unterschiedlich sind. Einige Arten können sich zudem gar nicht riechen.

Das Aufeinandertreffen im gemeinsamen Auslauf endet für das eine oder andere Tier sogar tödlich. Würdest Du beispielsweise einen Hamster und eine Ratte gemeinsam halten, würde die Ratte den Hamster unmittelbar angreifen und im schlimmsten Fall töten. Bei Nagetieren ist also eine artenreine Lösung notwendig.

Fazit – Welcher Nager passt zu mir?

Wenn Du Deine Wohnung wirklich nur mit einem einzigen Nager teilen möchtest, dann sind Goldhamster und Streifenhörnchen eine gute Wahl. Für die paarweise Haltung sind Kaninchen, Meerschweinchen und Rennmäuse sehr gut geeignet. In allen anderen Fällen solltest Du genügend Platz für mindestens drei bis fünf Tiere haben.

 

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Simone Jung