Nagetiere draußen halten: Darauf solltest Du achten

SONNTAG, 11.11.2018 Lisa Hummel

Du kannst Deine Nagetiere das ganze Jahr über draußen halten. Doch außerhalb einer kuscheligen Wohnung gibt es einige Gefahren für Kaninchen oder Meerschweinchen: Du solltest Deine Kleintiere vor Wildtieren, Wind und Wetter schützen. Hier erfährst Du, wie Du ein Gehege gestalten kannst, das Wärme und Sicherheit spendet.

Nicht alle Kleintiere verfügen über das richtige Fell, um die kühlen Temperaturen des Winters zu überstehen. Besonders Langhaarrassen sind anfällig für Kälte, da wegen der Scheitelung ihres Fells viel nackte Haut Wind und Wetter ausgesetzt ist. Zudem gibt es Rassen, bei denen das schützende Deckhaar weggezüchtet wurde. Deswegen solltest Du Dich unbedingt informieren und das Fell Deiner Lieblinge prüfen, ehe Du Deine Nager nach draußen setzt.

Der richtige Zeitpunkt

Ein Nagetier, das bisher nur in der Wohnung gehalten wurde, muss sich erst an den Rhythmus der Natur anpassen und Winterfell bilden. Deswegen ist es notwendig, dass die Umgewöhnung an das Außengehege zur passenden Zeit geschieht. Eine überstürzte Aussetzung im November kann Deinem Tier schaden, da es sich nicht auf den Jahreszeitenwechsel eingestellt hat. Es muss erst schützendes und wärmendes Winterfell bilden. Idealerweise beginnst Du mit der Eingewöhnung an das Draußen im späten Frühling, wenn die Temperaturen wieder wärmer sind. So hat Dein Tier genug Zeit, sich bis zum Winter an den natürlichen Rhythmus anzupassen.

 Der passende Standort

Sowohl Garten als auch Balkon eignen sich als Ort für ein Außengehege für Deine Nager. Wichtig ist, dass Du für Sicherheit und passende Voraussetzungen sorgst. Deine Kleintiere sollten zum Beispiel nicht schutzlos der prallen Sonne ausgesetzt werden. Finde ein schattiges Plätzchen für sie, das in kleinen Teilen von einer warmen, angenehmen Morgen- oder Abendsonne beschienen wird. Ein Sonnensegel, ein Schirm oder eine Markise können als künstliche Schattenspender dienen.

Auf dem Balkon solltest Du darauf achten, dass Deine Nagetiere nicht herunterfallen oder über das Geländer springen können. Sichere das Gehege an allen Seiten mit Schutzgittern oder hohen Wänden gut ab. Dein Balkon sollte dabei genug Platz für ein Gehege bieten. Zudem solltest Du sicherstellen, dass keine gefährlichen Räuber eindringen können. Gefahren gibt es viele: Katzen, Füchse, Raubvögel, Marder und Wiesel suchen auch in von Menschen bewohnten Gegenden nach Beute. Daher solltest Du darauf achten, dass alle Lücken verschlossen sind.

Das richtige Gehege

Gitter und Wände

Meerschweinchen und Kaninchen benötigen ein Gehege, in dem sie sicher sind und sich wohl fühlen. Es sollte mindestens zwei Quadratmeter groß sein, damit sie Platz zum Toben haben und sich mit Bewegung warmhalten können.

Bei der Wahl des richtigen Geheges kannst Du entweder auf verschiedene Gehege zurückgreifen, die es im Fachhandel zu kaufen gibt, oder Du baust selbst eines. Dabei ist die Auswahl des richtigen Materials wichtig. Die Wände sollten so beschaffen sein, dass die Nager nicht ausbrechen, aber auch keine Wildtiere eindringen können. Ideal sind also ein engmaschiges Gitter oder stabile Holzwände.

Es gibt unterschiedliche Gitterarten: Meerschweinchendraht, Volierendraht oder Sechseckdraht oder -geflecht. Dabei sollten die Löcher maximal 19x19 mm groß sein. Die Drähte des Gitters sollten mindestens 1,3 mm dick sein, damit sich Deine Nager nicht durchbeißen können. Verzinktes Metall ist widerstandsfähiger gegen Rost und Witterung. So musst Du das Gitter weniger oft wechseln. Zudem ist es ratsam, sich punktverschweißtes Material zuzulegen. Das verhindert weitere Schäden, wenn ein Strang doch mal beschädigt wird.

Wer auf Nummer sicher gehen will, legt sich ein besonders robustes, nicht verbiegbares Gitter zu. Durch dessen Stabilität hält es Wind und Wetter stand und Marder und andere Wildtiere draußen. Dabei sind auch Löcher mit einem Durchmesser von bis zu 3,5 cm noch sicher.

Willst Du lieber auf Holzwände als auf Gitter zurückgreifen, solltest Du auch hier auf ein stabiles Material achten. Die Spalten zwischen den Holzstreben sollten nicht größer als 4 cm sein. Zudem muss der Rahmen sicher und fest sein, damit gefährliche Marder oder Füchse nicht eindringen können.

Den Boden nicht vergessen

Egal, für welches Material Du Dich letztendlich entscheidest, wichtig ist, dass Du dem Gehege auch einen stabilen Boden verpasst. Sonst können sich Deine Nager rausgraben oder Wildtiere finden einen Weg nach drinnen. Du kannst beispielsweise Bodenplatten anbringen, die Du lückenlos zu den Seiten einsetzt. Hierfür kannst Du zu üblichen Gehwegplatten aus Beton greifen.

Alternativ kannst Du den Boden an den Gehegerändern ausheben und Draht oder Platten einsetzen. Je nachdem wie fest Dein Boden ist, sollte die Tiefe bei 30 bis 100 cm liegen. Ist dir das nicht sicher genug und Dein Gehege relativ klein, kannst Du auch den gesamten Boden mit einem stabilen Gitter absichern. Vergiss aber nicht, Erde, Gras, Mulch oder eine andere Schicht darüber zu legen, damit es Deine Nager auch angenehm und bequem in ihrem Gatter haben.

Isolation

Das Außengehege sollte zudem Schutz vor Kälte bieten. Die richtige Isolation ist entscheidend. Statte den Unterschlupf mit einem Häuschen aus, in dem sich die Bewohner bei Kälte aneinanderschmiegen und sich gegenseitig Wärme spenden können. Die Temperatur darin sollte nie unter den Gefrierpunkt fallen.

Abhilfe schaffen zum Beispiel für die Außenhaltung konstruierte Heizmatten, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Auch dicke Styroporplatten sind ein gutes Dämmmaterial. Es empfiehlt sich, unter dem Boden eine doppelte Isolierung zu verlegen. Darüber befestigst Du am besten noch eine Schicht, die Nässe abhält. Das geht zum Beispiel mit Holzbrettern oder Dachpappe.

Auch Zugluft und Feuchtigkeit können ein Problem sein, denn sie schaden nicht nur der Gesundheit Deiner Nager, sondern auch dem Material des Unterschlupfs. Platziere also das Häuschen Deiner Kleinen in einem windgeschützten Bereich. Ist Nässe ein Problem, kann es helfen das Häuschen Deiner Lieblinge auf Füßen zu platzieren, die einen erhöhten Standort ermöglichen. Mit einer kleinen Rampe oder Treppe erreichen Deine Nager das Häuschen dann trotzdem problemlos.

Extras im Gehege

Bei der Einrichtung des Geheges kannst Du Dich austoben und alles einbauen, was Deinen Lieblingen Spaß und Freude bringt. Neben den obligatorischen Elementen wie einer Futterstelle, Trinkwasserversorgung, gemütlichen Schlafplätzen und einer gepflegten Toilettenstelle kannst Du noch einiges zur Unterhaltung unterbringen. Kaninchen und Meerschweinchen genießen es, wenn sie auf Rampen, erhöhten Aussichtsebenen und in Häuschen und Tunneln herumtollen können.

Die richtige Ernährung

Hältst Du Deine Nagetiere im Garten, kommen sie auch an Gräser und Pflanzen, die Du nicht als Nahrung für sie vorgesehen hast. Sind Deine Nager frisches Grünfutter nicht gewohnt, kann zu viel des saftigen Grüns zu Verdauungsproblemen führen. Stelle also vorher die Ernährung entsprechend um. Auch giftige Pflanzen sollten nicht in der Reichweite Deiner Kleintiere wachsen. Rückstände von Schadstoffen wie beispielsweise Benzin aus dem Rasenmäher können Deinen Nagern außerdem schaden.

Beim Füttern im Außengehege kannst Du ruhig etwas großzügiger sein. Haben Deine Nager mehr Platz zum Toben, werden sie diesen auch nutzen und so mehr Kalorien verbrennen. Um bei niedrigeren Temperaturen die Körpertemperatur auszugleichen, benötigen Deine Kleintiere ebenfalls Energie. Füttere ihnen Kraftfutter wie zum Beispiel Getreidekörner und vitaminreiche Nahrungsmittel wie geschälte Zitrusfrüchte, Heu oder Rohkost. So stellst Du sicher, dass Deine Nagetiere ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Im Winter besteht die Gefahr, dass das Wasser gefriert und Deine Lieblinge nichts mehr zu trinken haben. Deswegen solltest Du bei kalten Temperaturen mehrmals täglich nach draußen und das Trinkwasser ersetzen. Abhilfe schafft die Isolation der Trinkwasserröhre, indem Du sie zum Beispiel mit Schaumstoff umwickelst. Auch wenn es nicht friert, solltest Du das Wasser mindestens einmal täglich wechseln.

Beachtest Du diese Dinge, steht einer Haltung im Außengehege nichts mehr im Wege. Sorgst Du dafür, dass es Deinen Lieblingen draußen gut geht und es ihnen an nichts fehlt, bietest Du ihnen ein gesundes und glückliches Leben unter freiem Himmel und in natürlicher Umgebung.

Nagetiere draußen halten pin

Nagetiere draußen halten: Mit dem richtigen Gehege kein Problem

Du kannst Deine Nagetiere bedenkenlos draußen halten, wenn Du darauf achtest, dass sie gut versorgt sind und dass sie genug Zeit haben, um sich an die Veränderung zu gewöhnen. Auch bei kühlen Temperaturen genießen Kaninchen und Meerschweinchen das Leben im Freien – sofern sie vor Raubtieren, Wind und Wetter geschützt sind.

Lisa Hummel