Degus - Alles zur richtigen Haltung und Ernährung

Nagetiere sind nach wie vor beliebte Haustiere. Gerade wer keine Zeit für einen Hund aufbringen kann, findet in Hamster, Chinchilla, Ratte, Rennmaus und Co. einen passenden Mitbewohner. Seit den 1980er-Jahren erfreuen sich auch Degus immer größerer Beliebtheit, auch wenn sie dem Hamster noch lange nicht den Rang abgelaufen haben. Bevor Du Dich für den kleinen Racker aus Chile entscheidest, solltest Du Dir jedoch Gedanken über die artgerechte Haltung machen. Degus sind nämlich recht anspruchsvolle Zeitgenossen.

Steckbrief – Der Einwanderer aus Südamerika

Ursprünglich stammen Degus aus den Steppenlandschaften Chiles am Fuße der Anden. Anders als bei uns käme man in Chile allerdings kaum auf die Idee, die kleinen Nager als Haustiere zu halten. Dort gelten Degus gemeinhin als Schädlinge, da sie in den Feldern der Bauern leben. Dort knabbern Sie natürlich auch alles an, was nicht niet- und nagelfest ist. Seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts werden Degus in Europa als Haustiere gehalten, was nicht zuletzt an ihrer Verspieltheit liegt.

Die Tatsache, dass es sich um zutrauliche und tagaktive Tiere handelt, macht die Haltung von Degus auch für Kinder interessant. Typischerweise erreichen Degus inklusive des 10 Zentimeter langen Schwanzes eine Körpergröße von 20 bis 22 Zentimetern und ein Gewicht von 250 bis 300 Gramm. Degus zeichnen sich durch ihr grau-braunes Fell mit hellem Bauch, große dunkle Augen sowie einen behaarten Schwanz aus. Im Durchschnitt erreichen Degus ein Alter von 5 bis 6 Jahren. Einzelne Tiere können mit etwas Glück und bei perfekter Pflege durchaus auch 8 bis 10 Jahre alt werden.

Wo kann ich Degus kaufen?

Hast Du Dich für die Anschaffung des exotischen Nagers entschieden, stellt sich die Frage: Wo kann ich Degus kaufen? Hier hast Du natürlich einige Möglichkeiten, da sich der Degu mittlerweile auch als Haustier etabliert hat. Die einfachste Möglichkeit ist der Kauf in einer gut sortierten Zoohandlung. Noch besser ist es, wenn Du die Tiere gleich bei einem Züchter kaufst.

Der Hausbesuch hat für angehende Degu-Halter einige Vorteile. Du bekommst nicht nur ausführliche Informationen zu den Tieren, sondern kannst Dir auch einen umfassenden Eindruck über die Haltungsbedingungen machen. Über das Internet, Kleintierbörsen oder Fachzeitschriften wie z.B. „Rodentia“ kannst Du Kontakt zu Züchtern herstellen.

Alternativ bekommst Du Degus auch in den meisten größeren Tierheimen sowie von Privatpersonen, da Degus einen recht ausgeprägten Fortpflanzungstrieb haben. Der Preis für die Anschaffung eines Degus liegt in der Regel zwischen 10 und 30 Euro. Einzelne Tiere können aber durchaus auch 100 Euro kosten.

Checkliste – Worauf muss ich beim Kauf achten?

Gerade, wenn Du Dich noch nicht mit Nagetieren und speziell mit Degus auskennst, musst Du beim Kauf einiges beachten. Die folgende Checkliste hilft Dir dabei, gesunde Tiere zu erkennen.

  • Erfrage das Alter der Tiere. Tiere, die vor dem Abschluss der achten Lebenswoche von ihren Eltern getrennt werden, können wissenschaftlichen Studien zur Folge schwere Entwicklungsstörungen entwickeln. Ideal sind Tiere, die mindestens sechs Monate alt sind.
  • Kaufe keine Tiere bei Züchtern oder Händlern, wenn das Gehege stark verunreinigt ist. Auch muffiges Einstreu ist ein eindeutiges Warnsignal.
  • Gesunde Degus sind äußerst neugierig und lebhaft. Beobachte die Tiere daher eine Weile. Wenn die Nager dauerhaft apathisch in einer Ecke herumliegen, ist das ebenfalls ein Warnzeichen.
  • Alte oder kranke Tiere erkennst Du daran, dass das Fell Lücken aufweist und sich Knochen deutlich abzeichnen.
  • Gesunde Degus zeichnen sich durch klare große Augen und ein glänzendes Fell aus. Trübe Augen dagegen sind ein Hinweis auf eine Diabetes-Erkrankung.
  • Achte darauf, dass die Afterregion trocken und nicht mit Kot verschmiert ist.

Was kostet mich die Degu-Haltung?

Viele Tierfreunde liegen dem Trugschluss auf, dass die Haltung von Nagern billig ist. Das gilt jedoch nur bedingt. Gerade Degus sind vergleichsweise anspruchsvoll, was beispielsweise ihr Zuhause angeht. Während die Tiere recht günstig sind, musst Du für die Erstausstattung schon ein bisschen Geld investieren. Ein guter Nagerstall schlägt hier bereits mit 200 bis 250 Euro zu Buche.

Hinzu kommen regelmäßig wiederkehrende Kosten für Einstreu, Futter und ab und an eine neue Käfigausstattung. Dieser Posten beläuft sich grob auf 30 bis 40 Euro pro Monat. Auch Tierarztkosten solltest Du nicht vergessen. Immerhin können auch Degus einmal krank werden. Plane hierfür einen finanziellen Puffer von 200 Euro ein.

So sieht das optimale Degu-Zuhause aus

Degus sind quirlige und erkundungsfreudige Tiere. Oder hättest Du gewusst, dass die kleinen Fellknäule am Tag rund acht Kilometer durch die Gegend flitzen? Zum Vergleich: Im Schnitt legt ein Mensch in Deutschland nur gut vier Kilometer am Tag zu Fuß zurück. Dementsprechend groß muss ein artgerechtes Degu-Zuhause sein. Experten empfehlen ein Gehege mit einer minimalen Größe von drei Kubikmetern.

Hier gilt die Regel: Je größer, desto besser. Ob Du Dich für einen speziellen Degu-Käfig aus dem Fachmarkt oder ein großes Terrarium entscheidest, bleibt Dir überlassen. Am meisten Spaß macht jedoch der Eigenbau, zumal Du kreative Ideen für den kleinen Abenteuerspielplatz einfließen lassen kannst. Ein artgerechtes Zuhause muss aber nicht nur genügend Bodenfläche für ausreichenden Auslauf bieten.

Die kleinen Klettermaxen legen auch höchsten Wert auf verschiedene Ebenen aus Brettern, Ästen und Röhren. Auch ein wenig Entertainment in Form von Laufrädern, Schaukeln oder Hängebrücken sowie einem Sandbad darf nicht fehlen. Da Degus nichts so sehr lieben, wie das Graben von Gängen, musst Du Deinem anspruchsvollen Mitbewohner eine ausreichend dicke Einstreuschicht von mindestens 15 bis 20 Zentimetern bieten.

Degus brauchen Auslauf

Wenn Du aus Platzgründen kein mindestens drei Kubikmeter großes Gehege aufstellen kannst, brauchen Deine Degus regelmäßig Auslauf. Die neugierigen Tiere freuen sich darauf, Deine Wohnung oder zumindest ein Zimmer als „neues Revier“ zu erkunden. Wichtig ist, dass Du die Degus ihr „neues Reich“ selbst erkunden lässt. Warte, bis die Tiere von selbst aus dem Käfig kommen.

So erkunden sie allein den Abenteuerspielplatz und finden von selbst den Weg in ihr Gehege zurück. Andernfalls kann das Wiedereinfangen zu einer echten Tortur ausarten. Wenn Du Deinen Degus zusätzlichen Auslauf gewährst, solltest Du zum Wohl Deiner Tiere und Deines Mobiliars auf einige Dinge achten:

  • Sperre einen Auslaufbereich ab, indem Du beispielsweise die Zimmertüren schließt.
  • Verschließe Öffnungen und Ritzen, in denen sich abenteuerlustige Degus verstecken können. Das gilt vor allem für die Ritzen hinter Schränken oder die Eingänge großer Lautsprecher.
  • Sichere Steckdosen mit Kindersicherungen.
  • Achte darauf, dass Du keine giftigen Zimmerpflanzen in Deiner Wohnung hast. Degus zerwühlen unheimlich gerne die Erde und knabbern alles mit Vorliebe an, was sich nicht wehrt.
  • Verlege Kabel in Kabelkanälen oder so hoch, dass Deine Degus nicht daran nagen können.
  • Achte darauf, wohin Du trittst und wo Du dich hinsetzt. So mancher Degu ist seinem Besitzer schon zum Opfer gefallen.
  • Schließe die Fenster.

Auf Nummer sicher gehst Du, wenn Du Deinen pelzigen Freunden einen zusammenklappbaren Auslauf baust. Diesen kannst Du bei Bedarf beispielsweise im Wohnzimmer aufstellen, ohne dass Du Angst um Deine Teppiche, Bilder oder Möbel haben musst.

Einzelhaltung oder Gruppenhaltung?

In der Natur leben Degus in kleinen Gruppen zusammen. In der Regel handelt es sich dabei um einen Zusammenschluss aus einem Männchen und zwei bis drei Weibchen. Das ist auch für die Degu-Haltung die optimale Kombination. Da die Tiere einen äußerst ausgeprägten Fortpflanzungstrieb haben, solltest Du das Männchen jedoch kastrieren lassen. Wenn Du Dir und den Tieren diesen Schritt ersparen willst, kannst Du auch gleichgeschlechtliche Gruppen halten.

Mehrere Männchen harmonieren beispielsweise recht gut miteinander. Bei mehreren Weibchen ist „Zickenkrieg“ in der Regel vorprogrammiert. Eine Ausnahme besteht meist jedoch bei der Haltung von mehreren Geschwistertieren aus einem Wurf. Halte immer mindestens zwei Degus. Einzelhaltung kommt bei den Familientieren nicht infrage.

Korrekte Pflege – So fühlt sich Dein pelziger Mitbewohner pudelwohl

Die richtige Pflege der Tiere beginnt schon beim Umgang. Auch wenn Degus sehr verspielt sind und Du die kleinen Nager häufiger aus dem Käfig holst, solltest Du es auch richtig tun. Degus haben die Möglichkeit, ihre Schwanzhaut bei Gefahr abzuwerfen. Halte oder trage die Tiere daher niemals am Schwanz. Im schlimmsten Fall kann dieser sogar komplett abreißen. Umfasse die Tiere stattdessen mit beiden Händen und setze sie ruhig ab.

Hygiene ist bei der Haltung von Degus besonders wichtig. Das gilt vor allem für sauberes Wasser. Stellst Du dieses in einem offenen Napf im Gehege bereit, musst Du es mindestens einmal pro Tag wechseln und den Napf säubern. Mindestens einmal pro Woche steht zudem ein kompletter Wechsel des Einstreus an. Entferne dazu das komplette Einstreu inklusive allen Unrats und ersetze es. Verwende beim Putzen des Geheges keine Putzmittel, sondern lediglich Essig und heißes Wasser.

Den Großteil der Körperpflege übernehmen Deine Degus ganz von allein. Stelle Ihnen dazu ein Sandbad zur Verfügung. Optimal ist eine 20 Zentimeter breite und mindestens vier Zentimeter tiefe Schale mit Chinchilla- oder Badesand. Zusätzliche Gegenstände aus Keramik helfen den Tieren zudem bei der Krallenpflege. Nichtsdestotrotz solltest Du immer ein Auge auf Deine Tiere haben und auf glänzendes Fell und klare Augen achten.

So ernährst Du Deine Degus richtig

Die Grundlage für die ausgewogene Degu-Ernährung ist Heu. Heu ist zwar trocken, aber dennoch Mineralstoffreich und bringt die Verdauung Deiner Nager auf Trab. Zudem ist es wichtig für die Zahnabnutzung, wodurch sich Zahnfehlstellungen verhindern lassen. Achte beim Kauf von Heu darauf, dass es aromatisch riecht und leicht grünlich aussieht. Staubig oder feucht sollte das Heu auf keinen Fall sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Aufnahme von Mineralien und Vitaminen ist Grünfutter. Dieses kannst Du entweder fertig abgepackt kaufen oder selbst heranziehen. Besonders geeignet sind unter anderem Petersilie, Gänseblümchen, Dill sowie Himbeer- und Löwenzahnblätter. Auch frisches Gemüse lernen die kleinen Nager nach einer Weile der Eingewöhnung zu schätzen. Hier eignen sich unter anderem:

  • Gurken
  • Sellerie
  • Petersilienwurzel
  • Zucchini
  • Paprika
  • Erbsen
  • Mais
  • Fenchel
  • Möhren
  • Chicorée

Achte darauf, dass Du das Grünfutter nur bei Zimmertemperatur servierst. Wasche es zudem gründlich ab, um eventuelle Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu entfernen.

Gesunde Snacks für zwischendurch

Rund 80 Prozent des Degu-Futters sollten aus Heu, Gemüse und Kräutern bestehen. Die restlichen 20 Prozent aus Nüssen, Samen und Getreide, wobei der Getreideanteil lediglich bei 1 bis 2 Prozent liegen sollte. Ideal sind beispielsweise Negersaat, Walnüsse, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Haselnüsse, Erdnüsse und Sesam. Von Nager-Snacks aus dem Handel lässt Du hingegen am besten die Finger, da diese oft viel Zucker und Fett enthalten. Insbesondere Zucker können Degus schlecht verstoffwechseln. Ebenfalls nicht auf den Degu-Speiseplan gehört daher auch Obst.

Fazit – Bist Du bereit für Deine neuen Mitbewohner?

Wie Du siehst, ist die Haltung von Degus nicht ganz anspruchslos. Wenn Du Dich jedoch für die putzigen Nager entscheidest, bekommst Du ein paar Mitbewohner, die Dir mit Sicherheit ans Herz wachsen. Auch für ältere Kinder sind Degus hervorragende Haustiere.

Degu auf Baumstamm pin