Wastis Welt: Was ist bloß so toll am Fernseher?

FREITAG, 01.02.2019 Martin Haase

Wenn Wastis Frauchen abschalten will, schaltet sie den Fernseher an. Ob Lieblingsserie, Krimi oder seichte Unterhaltung – flimmert die Kiste, blickt sie völlig gebannt in das Gerät. Wasti kann das nicht so richtig verstehen. Was soll daran nur so interessant sein?

Der Tag ist echt komplett versaut. Dabei hatte er so schön angefangen. Erst die wunderbar lange Gassirunde, dann diese neuen Leckerlis, von denen ich nicht genug bekomme und ausgiebige Krauleinheiten, die sie ruhig öfter mal einlegen könnte!

Als wir dann wieder Zuhause waren und ich ein wenig weggedöst bin, dachte ich, der Tag geht so weiter. Aber nein. Frauchen machte sich ihr eigenes Leckerli – dieses runde Ding mit lecker riechendem Zeug drauf – und setzte sich wieder mal vor diesen blöden schwarzen Kasten.

Mein Frauchen beachtet mich nicht mehr

Wenn sie den anmacht, werde ich erstmal immer ganz verrückt. Was mein Problem ist? Also erstmal werde ich gar nicht mehr beachtet. Da kann ich machen was ich will. Egal, ob ich herumspringe oder mich genau davor stelle und sie mit meinem süßesten Dackelblick anschaue – da ist einfach nichts zu machen. Ganz im Gegenteil! Ich werde noch bestraft und in mein Körbchen geschickt, obwohl ich doch nur ein bisschen kuscheln wollte.

Außerdem interessiert mich das auch gar nicht, was da kommt. Ab und zu ist mal eine Hündin zu sehen – aber ich komm da ja nicht rein und riechen kann ich erst recht nichts. Woher soll ich denn wissen, ob sie mir dann überhaupt gefällt?

Und auch dieses Flackern macht mich ganz verrückt. Dann beobachte ich lieber mein Frauchen. Und sie ist wie in einer ganz anderen Welt. Mal fängt sie auf einmal an zu lachen, dann erschrickt sie sich oder beginnt plötzlich zu weinen! Dann werde ich auch ganz traurig und lege mich zu ihr – mit ein wenig Glück bekomme ich dann sogar eine kleine Streicheleinheit ab.

Ich soll fernschauen?

Letztens hat sie was ganz Verrücktes gemacht. Bevor sie auf Arbeit gegangen ist, hat sie diesen blöden Kasten wieder angemacht! Und dann sagte sie auch noch: „Wasti, schau mal, das ist ein Sender nur für Dich!“ – und ging aus dem Haus.

Hm. Nun gut. Der Fernseher und ich. Allein. Ich garantiere für nichts! Die Tür fällt ins Schloss, hinter mir höre ich die Geräusche aus der Flimmerkiste. Erstmal schnüffel ich an der Tür. Vielleicht steht Frauchen ja noch dahinter und beobachtet mich? Vielleicht ist das alles ja nur ein Test?

Nein. Ich rieche nichts mehr, sie ist wohl tatsächlich fortgegangen und lässt mich hier mit diesem Teil allein. Hm, ich bin etwas durstig, also schlabbere ich ein wenig Wasser aus meinem Napf. Ich drehe noch ein paar Runden, dann geh ich doch mal zum Fernseher und schau mir an, was da so Besonderes laufen soll.

Es ist einfach nicht spannend

Also … Ja, es sieht irgendwie anders aus als Frauchens Sachen. Ich kann irgendwie mehr als sonst erkennen. Und es laufen fast nur Hunde durch das Bild. Aber riechen kann ich immer noch nichts. Die reagieren ja auch gar nicht auf mein Bellen.

Da fällt mir ein, dass ich doch letztens den einen kleinen Terrier kennengelernt hab, dessen Herrchen so ein riesengroßes Gerät hat, wie er mir erzählte. Er scheint den ja ziemlich zu mögen – wie er sagte, kommt er gar nicht mehr wirklich weg davon!

Mir ist das aber ziemlich egal. Ich wende mich dem Fernseher ab und gehe in mein Körbchen. Ein Nickerchen tut immer gut! Vielleicht ist Frauchen ja wieder zurück, wenn ich aufwache.

WASTIS PLÄDOYER AN DIE HERRCHEN UND FRAUCHEN DIESER WELT

Liebe Menschen, wir Hunde nehmen die Welt ganz anders wahr als ihr! So lange starren wir nicht auf den Fernseher, wir finden vielleicht nur ganz kurz etwas interessant. Selbst bei den Hundesendern, die extra für uns und unsere Augen gemacht wurden, fehlt einfach der Geruch – und der ist uns wichtig. Lasst uns doch besser zusammen einmal mehr Gassi gehen.

Einige Hunderassen, für die der Geruchssinn etwas weniger wichtig ist, können mit dem Fernseher vielleicht mehr anfangen als ich. Das Bild muss auf jeden Fall eine gute Qualität haben, denn dann stört uns das Flackern nicht mehr so stark. Und keine Sorge, falls einer meiner Kollegen doch mal gern und ausgiebig in das TV-Gerät starrt: Schädlich ist das Fernsehen nicht.