Dackel Wasti hat furchtbare Angst vor dem Tierarzt. Doch die Routineuntersuchung muss eben sein, das macht ihm sein Frauchen eindeutig klar. Deswegen will sich Wasti dieses Mal zusammenreißen. Ob ihm das gelingt?

Der Typ im weißen Kittel

Ich bin noch recht junger Dackel. Manche Sachen kenne ich einfach noch nicht – das ist ja auch was Schönes, immerhin gibt es noch so viele Dinge für mich zu entdecken! Doch eines weiß ich ganz genau: Dieser Typ mit dem weißen Kittel, zu dem wir seit kurzem immer wieder mal fahren, ist mir echt unangenehm.

Eigentlich mag ich Autofahren. Da gibt es immer so viel zu sehen, wenn wir unterwegs sind. Außerdem riecht es darin immer so gut, ich darf auf eine meiner Lieblingsdecken, bekomme ein besonderes Spielzeug und in den Pausen darf ich mich richtig austoben. Aber wenn wir dann in diesen komischen Raum gehen, nachdem wir ausgestiegen sind, wird mir ganz mulmig zumute.

Dort riecht es ganz anders, die anderen Hunde sind irgendwie entweder total aufgeregt oder völlig schlapp und jammern die ganze Zeit. Manchmal höre ich dann von weiter weg sogar ein lautes Bellen oder Jaulen – unheimlich!

Die anderen verhalten sich auch komisch

Das letzte Mal habe ich mich schon im Raum mit den anderen Hunden so unwohl gefühlt, dass ich mich unter dem Stuhl meines Frauchens versteckt habe. Als es dann los gehen sollte, habe ich mich mächtig gewehrt, mein Frauchen musste schon einiges an Kraft aufwenden, um mich in den nächsten Raum zu bekommen – ich bin eben ein starker Dackel!

Doch heute soll alles anders werden. Als Frauchen Platz nimmt, lege ich mich ganz ruhig zu ihren Füßen. Dafür bekomme ich sogar ein Leckerli! Dann müssen wir ein wenig warten. Als ein Herrchen mit seinem großen Berner Sennenhund zu dem komischen Mann soll, stellt der sich ziemlich quer. Warum hat dieser große Hund so eine große Angst? So ein Theater mache ich heute nicht!

Er fängt mich an zu Kraulen!

Dann werden wir aufgerufen, mein Frauchen steht auf und ich folge ihr. Sie geht um die Ecke und dort hinten steht er schon – der Mann in dem weißen Kittel. Er hat sogar dieses komische Ding um den Hals, das so kalt ist, wenn er es auf meinen Bauch legt. Es durchfährt mich ein kleiner Schauer und ich zögere kurz. Frauchen sagt „Komm!“ und ich reiße mich zusammen. Ich will heute tapfer sein!

Ohne zu murren gehe ich also in den Raum, wo der Mann an einem langen Tisch steht. Frauchen hebt mich darauf und ich beschwere mich nicht. Ein leichtes Zittern überkommt mich, irgendwie kann ich meine Angst noch nicht ganz bändigen. Aber da ich mir wirklich Mühe gebe, bekomme ich ein Leckerli – und das sogar von dem Mann! Jetzt fängt er an mit mir zu reden, er krault mich hinter den Ohren. Das ist meine Lieblingsstelle, da komme ich sonst immer nicht so richtig hin! So langsam wird er mir sympathisch.

Beim letzten Mal war es unangenehm

Als ich anfange mich so richtig wohl zu fühlen, hört er auf. Jetzt geht es los. Ich bereite mich darauf vor – so langsam kenne ich das Prozedere ja. Ich denke an das letzte Mal, als ich ihn gar nicht an mich ranlassen wollte. Als er mich auf dieses Gerät hob und meinem Frauchen irgendwas über mein Futter fragte, war das ja noch kein Problem.

Doch dann fasste er mir an die Innenseite meines Hinterbeins, das war mir dann doch nicht recht. Damals zog ich mein Bein weg und wollte schon vom Tisch springen, aber Frauchen hielt mich zurück. Die war übrigens auch komisch. Sie hat mich gar nicht getröstet, obwohl ich so eine Angst hatte! Es nützt also alles nichts – ich muss da durch.

Und das letzte Mal hörte der Typ auch einfach nicht auf. Als er mein Hinterbein endlich losließ, steckte er sich sein Ding, dass er um den Hals hatte, in die Ohren. Daran baumelte so ein rundes Teil, dass er auf meine Brust drückte. Das fand ich ja auch sehr ungewöhnlich damals, ich bin richtig zurückgezuckt! Letztlich war es dann doch gar nicht so schlimm, aber ich wusste einfach nicht, was passiert.

Dann ging es an mein Maul. Er zog meine Lippen hoch, drückte in die Innenseite und sah sich ganz genau meine Zähne an. Was sollte das? Dann drückte er mir noch am Hals und Bauch herum – doch das Schlimmste kam zum Schluss. Er holte einen länglichen Stab heraus und steckte ihn in mein Hinterteil! Ich jaulte damals auf und wollte wieder vom Tisch fliehen – doch Frauchen ließ mich nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit war es vorbei. Da muss ich heute wohl die Zähne zusammenbeißen.

Heute ist alles anders

So, ich bin bereit. Ich habe mich vorbereitet. Der Kerl kann ruhig anfangen, ich werde nicht wieder ängstlich sein! Doch auf einmal passierte etwas Unerwartetes. Der Mann geht zu einem seiner Schränke – ich denke schon, er holt jetzt diesen Stab hervor – öffnete eine Tür, wühlte ein wenig herum und… holte ein Spielzeug heraus! Ich bin auf einmal aufgeregt, das kenne ich doch! Auch Frauchen hatte mir mal so eines mitgebracht, ich habe es geliebt, bis es eines Tages auf einmal verschwand. Ich freue mich, als der Kerl mit mir ein wenig spielt und ein paar Leckerli gibt es obendrauf. 

Dann geben sich die beiden Menschen die Hand und der Mann im weißen Kittel kraulte mir noch einmal hinter den Ohren. Frauchen hebt mich vom Tisch und wir gehen zur Tür. Verdutzt blicke ich sie an. „Das hast Du gut gemacht, Wasti!“, sagt sie und gibt mir vor der Tür noch ein Leckerli. Das soll alles gewesen sein? Nun gut, irgendwie mag ich den Kerl jetzt. Beim nächsten Mal werde ich wieder ganz brav sein. Auch wenn er dann wieder das tut, was mir so gar nicht gefällt.

 

WASTIS PLÄDOYER

Eine regelmäßige Untersuchung beim Tierarzt ist wichtig! Nur so kannst Du wissen, ob es uns auch richtig gut geht und Krankheiten vorbeugen. Manche von uns haben ein wenig Angst vor dem Doktor. Ihr solltet uns dann aber nicht trösten, das bestärkt uns und wir glauben, die Angst sei berechtigt. Bleibt ruhig!

Gewöhnt uns lieber an den Menschen im weißen Kittel und besucht ihn am Anfang mal zum gegenseitigen Kennenlernen. Dann verknüpfen wir auch etwas Positives mit dem Besuch. Ein paar der Untersuchungen könnt ihr mit uns auch Zuhause üben. Puls messen, den Körper ertasten, Zähne und Pfoten anschauen. So wissen wir schon, was von uns erwartet wird.