Meine Katze, mein Babybauch und ich

Sie war die Allerinherrscherin in unserer Wohnung und wir liebten unsere Katze über Alles. Dann veränderte sich unser Fokus, denn ich war schwanger.

Das klingt jetzt erstmal krass und natürlich ist es nicht so, dass wir unsere kleine schwarz-weiße Kuschelkatze nicht mehr über Alles liebten. Aber sie musste sich die Aufmerksamkeit teilen und das, obwohl noch kein Baby da war. Es war einfach nur in meinem Bauch. Aber das Verhältnis zwischen ihr und mir änderte sich. Sie war nicht mehr mein einziges Baby und ich glaube sie spürte das auch. Außerdem hielt ich mich von ihrem Katzenklo fern – eine Aufgabe die ich bis dahin immer übernommen hatte. Mein Arzt klärte mich aber bereits bei meiner ersten Untersuchung über „Toxoplasmose“ auf.

Toxoplasmose – War die Katze eine Gefahr für mein Baby?

Die Parasiten werden durch den Kot von Katzen übertragen. Kommen Schwangere damit in Berührung, können sie sich anstecken und die Parasiten auf das Ungeborene übertragen. Fehlbildungen und Fehlgeburten können die Folge sein. Deswegen wird jede Schwangere auf Toxoplasmose-Erreger untersucht. Viele Menschen tragen den Erreger bereits in sich, haben Antikörper gebildet und sind somit immun. In der Schwangerschaft ist nur eine Neuansteckung für das Baby gefährlich. Später stellte sich heraus, dass ich immun war. Dennoch hielt ich mich vom Katzenklo fern. Es ist zwar unwahrscheinlich dass die Krankheit erneut ausbricht, dennoch gab es einige wenige Fälle. Nachdem ich bereits eine Fehlgeburt hinter mir hatte, war ich wohl übervorsichtig.

Treue Begleiterin für eine hormonige Schwangere

Außerdem hatte ich das Gefühl, dass sich meine leichte Tierhaar-Allergie mit fortschreitender Schwangerschaft verstärkte. Ich bekam schlecht Luft, meine Nasenschleimhäute schwollen an und meine Augen juckten wie irre. Ich hatte meine Allergie erst bemerkt, nachdem wir unser Fellknäuel aus dem Tierheim geholt hatten. Da war ich aber bereits so verliebt in unsere Katze, dass ich sie nicht mehr hergeben wollte. Zudem wusste ich, dass früher Kontakt mit Tieren das Allergierisiko bei meinem Baby senken würde. Also war es auch jetzt keine Frage, dass unser schnurrender Mitbewohner auch weiterhin bei uns leben würde. Dann kam der Tag, als mein Mann drei Wochen beruflich unterwegs war. Ich weiß gar nicht, wie ich das ohne unsere kleine Mieze überstanden hätte. Während meiner Schwangerschaft war ich nämlich hoch emotional und ständig den Tränen nahe. Wenn ich mich abends müde und allein aufs Sofa legte, kuschelte sich der Felltiger zu mir und ließ mich bis zum nächsten Morgen nicht aus den Augen. Ich war so dankbar, dass sie bei mir war. Wie schön stellte ich mir das Leben mit Katze, Mann und Baby vor: ein einziger großer Kuschelhaufen, die Mieze schnurrt friedlich neben dem Baby … Es kam anders. Leider.

Viel Vorbereitung: alles neu für das Baby

Bereits während der Schwangerschaft achteten wir darauf, dass unser Kätzchen sich in der Situation nicht fremd, sondern als Familienmitglied fühlen würde. Wir ließen sie alle Neuanschaffungen lange und ausgiebig beschnuppern. Sie durfte im Kinderwagen und in der Wiege Probe liegen und sie verliebte sich spontan in den Maxi Cosi, der zwei Monate vor der Geburt im Flur bereit stand. Ich verbrachte viel Zeit mit ihr im Kinderzimmer. So langsam gewöhnten wir sie daran, dass sie nicht mehr bei uns im Bett schlafen sollte. Ärzte, Freunde und auch unsere Hebamme hatten uns davon abgeraten, Baby und Katze in den ersten Monaten beieinander schlafen zu lassen. Würde sich eine ausgewachsene Katze auf ein kleines Baby legen, oder auch nur zu dicht daneben, kann es im Schlaf ersticken. Naja, also das ist jetzt natürlich der schlimmste Extremfall. Trotzdem fühlte ich mich wohler ohne Katze im Bett. Wir begannen etwa in der SSW 20 damit, sie abends auf der Couch liegen zu lassen, wenn wir in Bett gingen. Sie kam natürlich nach, aber die Tür blieb zu. Anfangs wurde ordentlich gekratzt, aber nach und nach gewöhnte sie sich daran. Nach vier Wochen war es überhaupt kein Problem mehr. Das lag vermutlich auch an dem neuen großen Katzenbaum, den wir für sie im Wohnzimmer aufbauten. Wir hatten ganz schön daran zu knabbern und unsere Mieze vermutlich auch. Sie wurde wählerischer was Futter und Streicheleinheiten angeht. Drei/vier Wochen vor Ende der Schwangerschaft hatte sich alles eingependelt. Sie war entspannt, fraß und kuschelte wie zuvor. Nur wollte ich nicht mehr, dass sie auf meinem Bauch lag. Es wurde mir einfach zu schwer.

Katze und Baby: keine große Liebe

Als wir aus dem Krankenhaus nach Hause kamen, begrüßte ich erstmal die laut miauende Fellfrau. Mein Mann brachte unser Baby ins Wohnzimmer und ließ unseren Sohn schlafend im Maxi Cosi stehen. Langsam entdeckte sie den Neuzugang. Wir ließen uns viel Zeit, unser Sohn schlief. Sie schnupperte und betrachtete. Sie war eindeutig skeptisch. Wir waren mit diesen ersten vorsichtigen Schritten voll zufrieden. In den nächsten Tagen, da waren wir uns sicher, würde aus der ersten Annäherung Zuneigung werden. Doch es kam ganz anders. Unsere Katze fand den Kleinen nicht gerade gut. Sein Schreien war zu laut, dass ich sie beim Stillen nicht auf meinem Schoss haben wollte nahm sie mir offensichtlich übel. Wir versuchten ihr so viel Aufmerksamkeit wie möglich entgegenzubringen, mit ihr zu Spielen und sie zu beschäftigen. Wenn unser Sohn schlief und sie allein mit uns war, war alles gut. Sobald er aufwachte, weinte oder gar länger schrie wurde sie extrem nervös. Sie sprang angriffslustig auf ihn zu. Ich ließ die beiden nicht allein. Mein Problem war, dass ich von null auf gleich in den Mamimodus schaltete und in erster Linie meinen Sohn beschützen wollte. Ich hatte tatsächlich nicht viel Verständnis für ihr Verhalten. Nach ein paar Wochen entspannte sie sich ein wenig. Aber all unserer Bemühungen zum Trotz – es war keine Liebe. Sie wich dem Kleinen so gut es ging aus, war fast nur noch draußen. Langsam machten sich erste Zweifel breit, die 15 Monate später, nach der Geburt unseres zweiten Kindes, noch größer wurden. Es war eindeutig: Sie war gestresst von den Kindern, der Lautstärke und ihren schnellen spontanen Bewegungen.

Ein neues Zuhause?

Doch was tun? Wir hatten sie aus dem Tierheim geholt und wollten sie niemals wieder dorthin zurück bringen. Allerdings war nicht nur die Spannung zwischen Tier und Kind anstrengend. Seit der Schwangerschaft war meine Allergie mittlerweile so schlimm, dass ich bei jedem Kontakt rote Augen bekam. Meine Nase lief quasi ständig. Dann kam die Rettung: Meine Schwiegermutter bot sich an, unseren pelzigen Schatz zu sich zu nehmen. Sie lebt allein, liebt Katzen über Alles und kam schon immer gut mit dem Tierchen aus. Nach vielen langen Gesprächen und schweren Herzens trennten wir uns von ihr. Wir wussten aber, dass wir sie jederzeit sehen konnten, da sie ja sozusagen in der Familie blieb. Es war wunderbar: Katze und Schwiegermutter verstanden sich prächtig. Sie waren sofort ein super Team, schwer verschmust und absolut verliebt. Wir freuten uns so sehr. Auch wenn wir traurig waren, dass wir uns verabschieden mussten. Letzten Endes war es für alle das Beste. Als wir sie damals aus dem Tierheim holten, wussten die Pfleger vor Ort nicht, was ihr passiert war. Jemand hatte sie halb verhungert in einem Keller gefunden. Vielleicht hat sie schlimme Erlebnisse mit anderen Kindern gemacht. Auf jeden Fall war klar, dass sie Kindern nicht traute und zwar nicht nur unseren, sondern allen. Auch heute noch flüchtet sie unter die Couch sobald wir zu Besuch kommen. Bei uns hat es also leider nicht geklappt mit Katze und Kindern. Ich kenne aber viele, die genau das Gegenteil erzählen können. Mittlerweile würde ich mich aber erst für ein Tier entscheiden, wenn die Kinderplanung schon abgeschlossen ist.

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Katze und Kind – es geht auch anders

"Ich bringe dir das Laufen bei!" Dass Katze und Kind auch ein ganz wunderbares Team sein können, zeigt dieses Video auf Schlappohr.de. Eine Katze kann ein wunderbares Haustier für Dein Kind sein. Warum das so ist, erfährst Du in unserem Artikel: 10 Gründe, warum eine Katze ein gutes Haustier für Dein Kind ist.