Du liegst gemütlich auf Deinem Sofa und wirst unvermittelt aus Deinen Tagträumen gerissen. Aus der Küche kommen merkwürdige Geräusche, die klingen, als würde dort jemand um sein Leben röcheln. Als Du der Ursache auf den Grund gehst, siehst Du Deinen Stubentiger würgend mit vorgerecktem Hals auf dem Boden liegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt ein Schwall eines undefinierbaren Etwas hervor – klarer Fall von Erbrechen. Was klingt, als würde Deine Samtpfote ihr letztes Lebenslicht aushauchen, ist häufig weniger dramatisch, als es sich anhört. Manchmal steckt aber auch eine ernste Ursache dahinter. Wir verraten Dir, wann es ernst wird und wie Du Deiner Katze am besten helfen kannst.

Warum erbrechen Katzen überhaupt?

Das Erbrechen hat bei Katzen die gleiche Funktion wie bei uns. Es ist ein Schutzmechanismus, der dann greift, wenn im Körper etwas nicht im Lot ist. Sei es nun, weil Dein Stubentiger etwas Giftiges gefressen hat, beim Fressen zu gierig war oder sich erleichtern möchte. Allerdings erbrechen sich Katzen deutlich häufiger als Menschen oder andere Haustiere wie Hunde und Nager. Hintergrund ist, dass das Brechzentrum bei Stubentigern deutlich empfindlicher ist, da es eine natürliche Reinigungsfunktion des Magens übernimmt.

Erbrechen von Haarballen ist harmlos

Die angesprochene Reinigungsfunktion dient beispielsweise dazu, verschluckte Haare, die sich als Haarballen im Magen bilden, loszuwerden. Auf diese Weise verhindert die Katze, dass die verwobenen Knäuele im schlimmsten Fall einen Darmverschluss oder Verstopfungen provozieren. Und da Katzen sehr reinliche Tiere sind, verschlucken Sie beim regelmäßigen Putzen eine ganze Menge Haare.

Gerade in der Zeit des Fellwechsels in den Übergangsmonaten erbrechen sich Katzen daher besonders häufig. Auch bei Freigängern musst Du Dich mit der zugegebenermaßen ekelerregenden Geräuschkulisse anfreunden. Hier finden sich neben Haaren auch Federn und andere unverdauliche Teile der Beute im Erbrochenen. Würgt Dein Stubentiger ausschließlich Haare hoch, besteht kein Grund zur Sorge.

So unterstützt Du Deinen Stubentiger

Um das Los Deiner Katze etwas zu erleichtern und Deine Nerven zu schonen, kannst Du zu einigen Hilfsmitteln greifen. Als besonders hilfreich gelten Katzengras und Malzpaste. Alternativ kannst Du ab und an auch ein Stückchen Butter füttern. Diese verhindert, dass die Haare im Magen große Knäuele bilden. Somit können die verschluckten Haare den Katzenkörper ohne Würgen auf regulärem Weg verlassen.

Gierige Stubentiger erbrechen häufiger

Wenn ein waschechter Garfield durch Deine Wohnung tigert, kann das Erbrechen eine einfache Ursache haben: Deine Samtpfote war beim Fressen einfach zu gierig und erbricht nun das Futter. Wenn Katzen das Futter nicht ordentlich durchkauen und es zu hastig herunterschlingen, kann es der kleine Katzenmagen nicht vernünftig verdauen. Und was nicht verwertet werden kann, das kommt im hohen Bogen wieder heraus – Schutzreflex eben.

Besonders groß ist das Risiko auch bei gierigen Stubentigern, die Trockenfutter herunterschlingen. Trockenfutter quillt im Magen häufig stark auf und reizt so die Magenwand. Befindet sich nun eine zu große Menge an Trockenfutter im Magen, befördert der Katzenmagen das halb aufgequollene Futter wieder heraus – und schon wieder der Schutzreflex.

Was bei gierigen Garfields hilft

Glücklicherweise kannst Du hier einiges tun. Anders als der echte Garfield kann Deine Katze schließlich nicht einfach zum Kühlschrank tigern und sich eine Lasagne kredenzen. Du bist die Frau oder der Mann mit dem großen Futterlöffel. Also orientiere Dich am normalen Fressverhalten von Katzen und serviere Deiner Samtpfote mehrmals täglich kleine Portionen. Trockenfutter kannst Du zudem vorher aufweichen. So quillt es bereits vorher auf und nicht erst im Katzenmagen.

Erbrechen ist nicht immer harmlos – Ernsthaftere Ursachen für Erbrechen bei Katzen

Auch wenn Du Dir in der Regel keine Sorgen machen musst, wenn Du einmal wieder „Katzenkotze“ aufwischen darfst, gibt es auch ernsthafte Ursachen.

Futtermittelunverträglichkeit ist eine häufige Ursache

Zu den häufigeren Ursachen mit „ernsterem“ Hintergrund gehört die Futtermittelunverträglichkeit. Diese kannst Du daran erkennen, dass Deine Katze teilweise verdautes Futter hochwürgt. Hier zeigen Gegenmaßnahmen wie kleinere Portionen oder das Einweichen des Futters keine Wirkung. Verträgt Dein Stubentiger bestimmte Inhaltsstoffe nicht, kommen meist Begleitsymptome wie Durchfall hinzu.

Das kannst Du tun

Um herauszufinden, welches Futter bzw. welche Stoffe Deine Katze nicht verträgt, führst Du am besten ein Ernährungstagebuch. Zudem macht hier ein Besuch beim Tierarzt Sinn. Dieser kann die Übeltäter mit Hilfe des Ernährungstagesbuchs und einer Blutuntersuchung schnell ausfindig machen. Hast Du alle notwendigen Informationen, kannst Du das Futter entsprechend anpassen, sodass wieder Ruhe im heimischen Katzenrevier einkehrt.

Wurmbefall lässt Katzen erbrechen

Würmer sind für Katzen eine äußerst unangenehme Angelegenheit. Einen geringen Wurmbefall steckt Dein Stubentiger meist noch problemlos weg. Treiben es die Parasiten aber allzu bunt, erbrechen sich Katzen, um die Schmarotzer loszuwerden. Ein typisches Anzeichen für einen Befall mit Spulwürmern sind beispielsweise Wurmreste im Erbrochenen. Diese haben Ähnlichkeit mit dünnen Spaghetti. Die wirksamste Prophylaxe ist die regelmäßige Entwurmung Deiner Katze. Das gilt sowohl für Freigänger als auch für reinrassige Wohnungskatzen.

Psychische Ursachen für Erbrechen bei Katzen

Dir schlägt Stress auf den Magen? Bei Katzen ist es nicht anders. Häufig führt ein seelisches Ungleichgewicht damit auch zu Erbrechen. Hier kommen einige mögliche Ursachen wie etwa Stress durch Lärm, andere Katzen oder einen im Haushalt lebenden Hund in Betracht. Sind keine körperlichen Ursachen für das Erbrechen greifbar, solltest Du Dir aber auch folgende Fragen stellen:

  • Fühlt sich meine Katze vernachlässigt?
  • Ist meine Katze viel allein?
  • Kann meine Katze aus irgendeinem Grund unglücklich sein?

Kannst Du diese Fragen bejahen, musst Du das Problem Deiner Samtpfote lösen. Damit hat sich dann auch das Erbrechen meist erledigt. Hält der Zustand jedoch zu lange an, kann es durch die stark angegriffene Magenwand zu einem chronischen Verlauf kommen. Hier solltest Du unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.

Ernste Ursachen für das Erbrechen – Wann es höchste Zeit für den Tierarzt ist

Die meisten Ursachen für das Erbrechen bei Katzen sind vergleichsweise harmlos. In einigen Fällen können jedoch auch Diabetes, Nierenerkrankungen, Allergien, Darmkrebs, Herzerkrankungen oder echte Katzenseuchen dahinter stecken. Umso wichtiger ist es, dass Du das Erbrochene Deiner Katze genau unter die Lupe nimmst und auf Begleitsymptome achtest. Die folgende Checkliste hilft Dir dabei, abzuschätzen, wann Du mit Deinem Stubentiger zum Tierarzt musst:

  • Erbricht sich Deine Katze mehrfach in kurzen Abständen und handelt es sich beim Erbrochenen nicht um Haare? Kommt es zu häufigem Erbrechen, kann das ein Indiz für eine Vergiftung oder Infektion sein.
  • Hast Du den Verdacht, dass Deine Katze eine giftige Zimmerpflanze gefressen hat?
  • Ist das Erbrochene dunkel verfärbt und enthält beispielsweise Spuren von Blut?
  • Riecht das Erbrochene nach Fäkalien? Dies kann ein Hinweis auf einen Darmverschluss sein.
  • Verliert Deine Katze parallel deutlich an Gewicht?
  • Hat Deine Katze Fieber (Körpertemperatur über 39,2 Grad Celsius)?
  • Erbricht Deine Katze weißen Schaum? Letzteres deutet auf einen starken Befall mit Band- oder Spulwürmern hin.
  • Ist Deine ansonsten lebendige Katze plötzlich müde und abgeschlagen?
  • Wirkt Dein Stubentiger apathisch?

Schildere dem Tierarzt alle Einzelheiten. Diese helfen ihm dabei, möglichst schnell eine Ursache zu finden und den Katzenjammer zu beenden.

So handelst Du richtig, wenn sich Deine Katze erbricht

Unabhängig von der Ursache für das Erbrechen ist richtiges Handeln wichtig. Auch wenn Deine Fellnase gleich nach dem Würgkonzert wieder putzmunter ist, ist die Magenschleimhaut noch extrem gereizt. Wenn Du Deinen bettelnden Stubentiger jetzt zu schnell wieder fütterst, hat die Magenschleimhaut keine Zeit, um sich zu beruhigen.

Das Ergebnis ist häufig erneutes Erbrechen. Zudem kann Deine Katze im schlimmsten Fall eine Abneigung gegen ihr übliches Futter entwickeln. Immerhin bringt sie das unangenehme Erbrechen dann mit ihrem Futter in Verbindung. Die wirksamste Hilfe ist daher eine 24-Stunden-Diät, während der Du Deiner Samtpfote nichts zu fressen gibst. Hier heißt es stark bleiben und dem durchdringenden Katzenblick standhalten.

Eine Ausnahme gilt sowohl für chronisch kranke, übergewichtige und junge Katzen. Hier ist die Verabreichung einer magenschonenden Kost wichtig. Welche Kost die richtige für Deinen Stubentiger ist, solltest Du mit Deinem Tierarzt besprechen. Häufig tut es jedoch bereits der Klassiker: Reis mit Hähnchenfilet in einer leicht gesalzenen Brühe.

Weitere Tipps bei Erbrechen und präventive Maßnahmen

  • Achte darauf, dass Dein Vierbeiner genügend Wasser zur Verfügung hat. So verhinderst Du, dass Deine Katze durch das Erbrechen zu stark dehydriert.
  • Zur Unterstützung des Elektrolythaushalts bekommst Du beim Tierarzt spezielle Elektrolytmischungen für Katzen, die den Verlust von Mineralstoffen ausgleichen. Der eine oder andere Katzenhalter kennt die magische Wirkung ja selbst am Tag nach durchzechten Nächten.
  • Sobald die 24-Stunden-Diät vorüber ist, solltest Du langsam wieder mit dem Füttern beginnen. Auch hier ist für 2 bis 3 Tage eine magenschonende Kost ideal.
  • Verhindere, dass sich Deine Katze selbst an Nahrungsmitteln oder Essensresten bedienen kann. Lebensmittel vom Tisch sind ohnehin tabu.
  • Achte vor allem im Sommer darauf, dass das Nassfutter nicht verdorben ist. Riecht das Futter anders als sonst oder zeigt es optische Auffälligkeiten, solltest Du es entsorgen.
  • Bürste Deinen Stubentiger regelmäßig durch. So verliert er beim Putzen weniger Haare, die im Magen landen können.
  • Im Handel gibt es spezielles Katzenfutter, das Deinen Stubentiger dabei unterstützt, die Haare auf dem regulären Weg loszuwerden.
  • Wenn Du mehrere Katzen hast, kannst Du gieriges Schlingen durch Futterneid einfach verhindern. Lass Deine Katzen in getrennten Räumen fressen.
  • Um Vergiftungen durch Haushaltsreiniger und giftige Pflanzen zu verhindern, solltest Du Dein Zuhause katzensicher machen.