Katzenerziehung: Geht das überhaupt?

DONNERSTAG, 09.08.2018 Simone Jung

Es ist Feierabend und ich komme aus dem Büro nach Hause. Kaum schließe ich die Tür auf, da begrüßt mich der Kater bereits mit fröhlichem Maunzen aus dem Wohnzimmer. Als ich den Raum betrete, traue ich meinen Augen kaum. Sitzt der Kerl doch mitten auf dem Wohnzimmertisch! Dabei weiß er ganz genau, dass er das nicht darf, ignoriert das aber völlig. Ständig fege ich Katzenhaare vom Tisch, klaube vereinzelte Klosteinchen auf, und wenn ich einen Teller mit Essen dort abstelle, sollte ich das Zimmer am besten überhaupt nicht mehr verlassen. Ich muss ihm das unbedingt abgewöhnen. Doch wie erzieht man eine Katze? Und: Geht das überhaupt?

Wenn Mieze macht, was sie will

Um es vorwegzunehmen: Ja, Katzenerziehung ist möglich. Doch es ist nicht ganz einfach und Du brauchst viel Geduld. Zwar wirst Du Deinen Stubentiger nicht unbedingt dazu bringen, auf Kommando Pfötchen zu geben oder Dir Gegenstände zu holen. Aber wenn Du das wolltest, dann hättest Du vermutlich einen Hund. Katzen haben nun mal ihren eigenen Kopf. Und sie sind wie kleine Kinder: Sie testen aus, wie weit sie bei Dir gehen können. Viel wichtiger ist es, Deinem vierbeinigen Mitbewohner bestimmte Verhaltensweisen abzugewöhnen. Doch wenn Du folgende Regeln beherzigst, sollte auch das gar nicht so schwer sein.

Katzenerziehung: Früh übt sich

Natürlich lernen auch Katzen wie alle Lebewesen am besten in der Welpenphase. In diesem Lebensabschnitt ist es am wichtigsten, Vertrauen zu Deinem Katzenkind aufzubauen, um Eure Beziehung zu festigen. Wenn Du mit Deiner Samtpfote spielst und schmust, lernt sie, Dir zu vertrauen und Ihr habt sicher beide Spaß dabei. Spielerisch setzt Du ihr Grenzen – in was darf sie beißen, in was nicht und wann ist es genug mit dem Einsatz von Zähnchen und Krallen. Nebenbei tut Ihr auch noch etwas für Deine Gesundheit: Es ist medizinisch erwiesen, dass das Streicheln einer Katze beim Menschen Stress abbaut. Und Schnurren soll sogar den Blutdruck senken.

Mieze kann Befehle lernen

Die Welpenphase habt Ihr bereits hinter Euch? Keine Sorge: Grundsätzlich kannst Du Deiner Katze jederzeit einfache Kommandos beibringen, wie zum Beispiel "Nein" oder "Lass das". Dabei kommt es vielmehr auf den Tonfall an als auf das tatsächliche Wort. Sprichst Du es stets streng und mit ähnlicher Betonung aus, wird Mieze sich das sehr genau merken. Katzen sind sehr sensibel und wissen ganz genau, ob Du das, was sie gerade tun, billigst oder eben nicht. Ob sie am Ende auf Dich hören, steht auf einem anderen Blatt.

Spielregeln festlegen – und konsequent bleiben

Du musst von Anfang an klare Regeln vorgeben: Was darf Mieze in Eurem gemeinsamen Zuhause, was nicht? Sind die Fronten klar, bleibe konsequent. Darf Deine Katze nicht auf den Tisch springen, dann muss das Möbelstück für sie auch immer tabu bleiben. Selbst wenn ihr das Auf-dem-Tisch-Liegen in der größten Sommerhitze mehr Abkühlung verschafft als der Teppichboden – lässt Du das Verhalten ausnahmsweise einmal durchgehen, verwirrst Du das Tier und machst den Lernerfolg wieder zunichte.

Positiv bestärken in der Katzenerziehung

Mit Belohnung bringst Du Deine Katze viel wirkungsvoller dazu, etwas zu tun oder zu lassen als mit Verboten oder gar Strafen. Denn ähnlich wie der Hund lernt auch Deine Samtpfote Durch Verknüpfungen. Honorierst Du erwünschtes Verhalten unmittelbar mit Leckerlis oder Streicheln, wird sie sich merken, welches Verhalten ihr Belohnung einbringt. Verrichtet sie ihr Geschäft beispielsweise im Blumentopf, sag streng und deutlich "Nein", nimm sie hoch und trage sie in ihr Katzenklo. Macht sie ihr Häufchen erfolgreich dort, belohne sie mit Streicheleinheiten und Leckerli.

Erziehe Deine Katze OHNE Strafen

Hat Deine Katze etwas angestellt, bringt es nichts mit ihr zu schimpfen. Vor allem, wenn das "Vergehen" schon eine Weile zurückliegt, kann sie Deinen Ärger nicht mit ihrem Verhalten in Verbindung bringen. Dein Unmut verunsichert sie nur, und sie weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Auch solltest Du beim Schimpfen nie ihren Namen nennen! Ihr Name sollte nur positive Verknüpfungen besitzen. Deine Samtpfote weiß auch so, dass Du sie meinst.

3 No-Gos in der Katzenerziehung

  1. Nie, niemals darfst Du deine Katze schlagen oder treten. Wenn Du vor lauter Wut die Hand gegen sie erhebst, zerstörst Du ihr Vertrauen und Eure Beziehung!
  2. Auch Anschreien bringt Schmerzen: Da Katzen ein erheblich sensibleres Gehör besitzen als wir, tun ihr Deine lauten Worte weh.
  3. Ist Deinem Stubentiger ein Malheur passiert und Du findest ein Häufchen oder eine Pfütze in der Wohnung, tauche das Tier niemals mit der Nase hinein. Diese Methode belastet ebenfalls Euer Vertrauensverhältnis. Außerdem wird Deine Katze die Bestrafung nicht mit ihrer Hinterlassenschaft in Verbindung bringen und Dein Verhalten nicht verstehen können.

Wann Katzenerziehung wenig Sinn macht

Bevor Du losschimpfst: Bedenke immer, warum Deine Katze bestimmte Dinge tut. Erwischt Du sie dabei, wie sie ihre Krallen am Sofa wetzt, dann macht sie das nicht böswillig. Es liegt in der Natur der Katzen: Dort kratzt sie an Bäumen, um ihre Krallen zu stutzen. Du hast mehrere Stubentiger, und die bringen Dich um Deinen wohlverdienten Schlaf, weil sie ausgerechnet nachts ihre Kräfte messen und ausgelassen fangen spielen? Auch das liegt in der Natur der Tiere: Katzen sind nachtaktiv und schlafen lieber tagsüber. Es bringt also nichts, wenn Du ihnen ihr natürliches Verhalten abgewöhnen willst oder sie gar dafür bestrafst.

Hier kannst Du jedoch mit positiver Bestärkung arbeiten: Hängt Deine Katze bereits mit ihren Krallen in der Sofalehne, dann schnapp Dir das Tier, zeige ihr mit einem strengen "Nein!", dass Du das nicht möchtest und biete ihr eine Alternative, indem Du sie an ihren Kratzbaum setzt. Beginnt sie nun dort ihre Krallen zu schärfen, belohne sie mit Lob und einem Leckerli. Wenn Du das konsequent machst, wird sie womöglich den Umweg über das Sofa auslassen und zum Krallenwetzen direkt zum Kratzbaum gehen.

Wenn Du Dich an diese Regeln hältst und Deiner Katze mit Liebe und Konsequenz begegnest, solltest Du ihr das eine oder andere unerwünschte Verhalten ganz schnell austreiben können.

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Katzenerziehung – Das solltest Du beachten!

Katzen sind keine Hunde. Dennoch kannst Du ihnen mit viel Liebe und Geduld die eine oder andere Unart abgewöhnen. Deine Mieze kann kurze Befehle lernen. Um ihr das Lernen zu erleichtern, solltest Du klare Regeln festlegen und diese konsequent einhalten. Geht mal was schief, lass Dich nicht entmutigen! Begegne Deinem Stubentiger weiter mit Geduld. Überlege stets, ob das Verhalten des Tiers in seiner Natur liegt, und ob es Sinn macht, dieses ändern zu wollen. Belohne positives Verhalten, anstatt missachtete Verbote zu bestrafen. Deine Katze versteht den Zusammenhang zwischen Fehlverhalten und Strafe nicht. Und vor allem: Bestrafe Deine Katze nie mit Schlägen!​

Simone Jung