Katzen und Kinder: Das solltest Du beachten

DIENSTAG, 19.03.2019 Julia Weinzierler

Es gibt gute Gründe, warum Katzen sogar gut für Kinder sind. Aber dennoch solltest Du das Zweiergespann vor allem anfangs gut im Blick haben – denn sowohl das Tier muss sich an Dein Kind gewöhnen als auch andersherum. Dann steht einer Freundschaft fürs (Katzen-)Leben nichts mehr im Wege.

Eine neue Katze zieht ein: Wie bereite ich mein Kind vor?

Ein Haustier willkommen zu heißen, ist für alle Familienmitglieder eine Umstellung. Doch natürlich kannst Du darauf achten, dass der Übergang angenehm verläuft und sich alle so schnell wie möglich wohlfühlen.

Bevor Dein Baby drei Jahre alt ist, solltest Du auf eine neue Samtpfote lieber verzichten. Denn gerade wenn Dein Kind nicht von Geburt an mit dem Tier aufgewachsen ist, ist der Umgang für dein Kleines anfangs besonders gewöhnungsbedürftig.

Denn Dein Kind könnte das Tier wie ein Spielzeug behandeln und bevor es das nicht verstehen kann, solltest Du von einem neuen Haustier absehen. Wenn Dein Kind älter ist, spricht nichts gegen eine Katze – außer vielleicht ein Allergietest, den Du unbedingt vor Anschaffung des Tieres durchführen lassen solltest!

Du solltest Dein Kind, bevor die Katze einzieht, vorbereiten. Erkläre, welche Bedürfnisse eine Katze hat und versuche zu vermitteln, dass die Samtpfote ein Familienmitglied mit eigenem Kopf und Rechten ist.

Eine Katze im Freundeskreis kann da für einen Nachmittag zum Vorzeigen dienen: Wie streichelt man eine Katze? Wann lässt man sie besser in Ruhe? Wie nimmt man sie vorsichtig hoch? Das Kind darf hier erstmal zusehen und dadurch langsam an den Umgang herangeführt werden.

Ich bekomme ein Baby: Kann ich meine Katze vorbereiten?

Werdende Eltern haben viel im Kopf, es stehen große Veränderungen an. Ein Zustand, den Katzen nicht gerne mögen. Doch über die Vorfreude auf das Kind, solltest Du Deine Katze natürlich nicht vergessen – sonst hängt bald der Haussegen schief.

Die Katze sollte etwa bei der Vorbereitung aufs Baby nicht komplett ausgeschlossen werden und überall mit dabei sein. Kurz am neuen Kinderwagen schnüffeln, ein kleiner Streifzug am Bettchen vorbei: so zeigst Du Deinem Tier, dass es weiterhin ein gleichwertiges Familienmitglied bleibt.

Auch nach der Geburt des Kindes solltest Du deiner Katze genug Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht kann Dein Lebensgefährte das Baby kurz hüten, während Du ein wenig Zeit mit Deinem schnurrenden Gefährten verbringst.

Noch während der Schwangerschaft sollte das Schlafzimmer zur katzenfreien Zone werden. Manche Samtpfoten werden darauf mit Kratzen an der Tür und einem Heulkonzert reagieren, aber da hilft nur Durchhalten und am besten Ignorieren. Irgendwann gewöhnen sich alle an die neue Konstellation. Generell aber solltest Du darauf achten, dass sich für Dein Tier so wenig wie möglich ändert.

Bei allem anderen ist gesunder Menschenverstand gefragt. Lass das Baby nie allein mit dem Tier, auch Streicheln ist nur erlaubt, wenn Du sofort eingreifen kannst. Vor allem wenn Dein Kind ins Krabbelalter kommt, solltest Du außerdem auf einen möglichst Katzenhaar-freien Boden achten.

Immer sinnvoll ist auch, der Katze einen babyfreien Rückzugsort zu geben. Wenn die Katze aber beim Baby ist, sollten diese Situationen mit etwas positivem verknüpft werden. Egal ob Leckerli oder besondere Aufmerksamkeit, die Katze darf sich merken, dass es ihr auch mit dem neuen Familienmitglied gut gehen wird. Dabei solltest Du das Tier aber niemals zwingen, sich dem Baby zu nähern. Das Tempo gibt der Vierbeiner vor.

Regeln für das gemeinsame Zusammenleben

Klare Regeln machen das Leben leichter. Wenn Du Deinem Kind vermitteln konntest, dass die Fellnase ein Lebewesen mit eigenen Rechten ist, darf es ruhig etwas konkreter werden. Welche Regeln Dir wichtig sind, hängt von vielen Faktoren ab. Über einige dürfte aber Konsens herrschen:

  • Wenn die Katze schläft, darf sie nicht aufgeweckt werden.
  • Beim Essen soll die Katze in Ruhe gelassen werden.
  • Das Tier wird nicht am Schwanz oder anderen Extremitäten gezogen und am besten nur am Kopf und Rücken gestreichelt.
  • Wie der Mensch auch, geht die Katze alleine aufs Klo.
  • Auch der Kratzbaum gehört nur der Katze und ist ihre Ruhe-Oase.
  • Die Katze darf nur ins Kinderzimmer, wenn es aufgeräumt ist, da es sonst die Gefahr gibt, dass Dinge verschluckt werden können.
  • Die Katze darf nicht in einen Raum ohne Toilette und Wasser eingesperrt werden.
  • Bei Wohnungskatzen müssen die Türen, die nach draußen führen, immer geschlossen bleiben.
  • Nach dem Berühren der Katze werden die Hände gewaschen.
  • Menschen- und Tieressen gehören nicht vermischt – für das Kind ist Katzenfutter tabu, für die Katze allerdings auch Dein Essen.
  • Die Katze soll nicht verfolgt werden, denn das beunruhigt das Tier.

Bei all diesen Regeln ist Konsequenz gefragt. Darf etwa die Katze nicht ins Kinderzimmer, sollte sie das niemals dürfen. Vermeide es, dem Tier oder Deinem Kind ambivalente Signale zu geben – denn dann kann es zu Eifersucht und Problemen kommen.

Sich gemeinsam um das Tier kümmern

Die Verantwortung für die Katze bleibt natürlich in der Hand der Erwachsenen. Doch es macht durchaus Sinn, Dein Kind so früh wie möglich in die Pflege einzubinden und damit wertvolle Erfahrungen zu ermöglichen.

Bereits im Grundschulalter kann ein Kind Füttern, Spielen, Bürsten und zum Beispiel das Katzenklo säubern. Wichtig ist aber, dass Du ein Auge darauf wirfst und alles genau erklärst. Schnell wirst Du merken, wenn es dem Kind zu viel ist – dann kannst Du die Aufgabe wieder übernehmen und vielleicht etwas Einfacheres delegieren.

Wie reagiere ich in kritischen Situationen?

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es natürlich immer sein, dass das Kind aus einer Laune heraus zu fest zupackt, plötzlich auf Deine Katze zurennt oder das Tier auf eine andere Art und Weise ärgert. Hier solltest Du immer so schnell wie möglich einschreiten, um Schlimmeres zu vermeiden.

Fühlt sich eine Katze bedrängt und weiß sich nicht mehr zu helfen, kann sie kratzen oder beißen – mit unschönen Folgen für Dein Kind. Eine junge Katze und ein kleines Kind solltest Du daher auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen. Manchmal kann es eine Weile dauern, bis beide Parteien lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Wenn es aber doch zu einem Kratzen oder Beißen gekommen ist, solltest Du Dein Kind in einen anderen Raum bringen, um der Katze Ruhe zu geben. Natürlich steht dann an erster Stelle die Versorgung der Wunde auf dem Plan, vor allem bei Bissen ist ein Besuch beim Arzt sinnvoll.

Danach solltest Du erneut erklären, auf welche Körpersignale Dein Kind achten sollte, um die Eskalation zu verhindern. Am besten bringst Du Deinem Nachwuchs auch erneut das richtige Verhalten gegenüber der Katze bei. Der Kratzer ist natürlich nicht schön für das Kind – hilft aber vielleicht dabei, in Zukunft die überschrittenen Grenzen besser zu akzeptieren.

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Intuition und etwas Vorsicht

Das wichtigste in Sachen Katzen und Kinder ist es, dass Du die Situation im Griff hast. Sobald Du die beiden Spielgefährten alleine lässt, kann das schnell schiefgehen. Das gilt vor allem für die Kennenlernphase und ist unabhängig vom Alter. Führe Tier und Mensch langsam aneinander heran und erkläre Deinem Kind, wenn es alt genug ist, was es heißt eine Katze zu haben. Wenn es doch zu Problemen kommen sollte, wird sich die Katze wehren. Das ist sicherlich nicht schön, aber immerhin meist ungefährlich. 

Julia Weinzierler