Welche Versicherungen braucht mein Hund?

SONNTAG, 12.05.2019 Lisa Hummel

Kein Wunder, dass die Versicherungswirtschaft für einen entsprechenden Obolus von Hundehaftpflicht bis OP-Versicherung die passenden Lösungen bereithält. Die Frage ist nur: Welche Versicherungen brauchst Du und welche sind überflüssig?

Der Markt für Hundeversicherungen ist groß

Die Versicherungswirtschaft bietet eine ganze Reihe an Versicherungen für Dein Schlappohr. Angefangen von der Hundehaftpflicht über die Hunderechtschutz- und die OP-Versicherung bis hin zur Krankenvollversicherung bleiben keine Wünsche offen. Und das ist auch nicht ohne Grund so. Wie schnell ist es passiert, dass dein Hund operiert werden muss oder den ungeliebten Postboten ins Bein beißt?

Wer hier ohne Versicherungsschutz ist, bleibt selbst auf den Kosten sitzen. Auch wenn Du grundsätzlich immer einen finanziellen Puffer für Deinen Vierbeiner einplanen solltest, sind einige Versicherungen sinnvoll oder sogar Pflicht. Auf andere Versicherungen dagegen kannst Du getrost verzichten. Wir sagen Dir, welche es sind.

Hundehaftpflicht: Sinnvolle Versicherung für jeden Hundehalter

Schnell ist es passiert, dass Dein Hund beim Herumtollen eine sündhaft teure Vase der Schwiegermutter herunterstößt, einen Radfahrer zu Fall bringt oder auf die Straße stürmt und dort einen Unfall verursacht. Für die entstehenden Sach-, Vermögens- und Personenschäden haftest Du als Tierhalter laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) persönlich und unbeschränkt.

Deine Privathaftpflichtversicherung übernimmt diese Schäden meist nicht, sondern nur von Kleintieren wie Katzen hervorgerufene Schäden. Die Lösung ist eine spezielle Hundehaftpflichtversicherung. Diese zahlt immer dann, wenn Dein Hund einem Dritten einen Schaden zufügt. Das betrifft beispielsweise Sachschäden an einem zerkauten Antikholztisch oder Tierarztkosten, die aus einer Beißerei mit einem anderen Hund entstehen.

Noch wesentlich wichtiger ist eine solche Hundehaftpflicht für größere Schäden. Stell Dir einmal vor, Dein Hund beißt einen Radfahrer, der daraufhin mehrere Wochen nicht arbeiten kann. Oder noch schlimmer: Dein Schlappohr reißt sich los, läuft auf die Straße und verursacht einen Autounfall mit Verletzten.

In einem solchen Fall übernimmt die Versicherung neben den Sachschäden auch Behandlungskosten, Schmerzensgeld, Verdienstausfall und im schlimmsten Fall sogar notwendige Rentenzahlungen. Ohne Versicherung können dich solche Schäden in den finanziellen Ruin treiben. Die Hundehaftpflichtversicherung ist also ebenso wichtig wie Deine Privathaftpflichtversicherung.

Hundehaftpflicht-Versicherung ist mancherorts Pflicht

Die Bedeutung dieser Versicherung hat man in einigen Bundesländern bereits erkannt. Dort ist die Hundehaftpflichtversicherung für jeden Hundehalter verpflichtend. In anderen Bundesländern dagegen ist sie freiwillig oder gilt nur für Kampf- und spezielle Rassehunde.

Welche Hunde genau unter die rasseabhängige Versicherungspflicht fallen, regelt das Landeshundegesetz. Üblicherweise handelt es sich beispielsweise um Rassen wie American Staffordshire Terrier, Bullterrier oder Bullmastiffs.

Achtung: Für Listenhunde werden meist deutlich höhere Beiträge fällig. Manche Versicherer versichern bestimmte Rassen dagegen gar nicht!

Wenn Du die in Deinem Bundesland bestehende Versicherungspflicht ignorierst, musst Du nicht nur alle Schäden selbst zahlen. Zudem droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 10.000 Euro.

Was Du bei einer Hundehaftpflicht-Versicherung im Blick behalten solltest

Das Angebot an Haftpflichtpolicen ist groß. Dementsprechend schwer fällt die Auswahl: Immerhin unterscheiden sich die Policen sowohl im Preis (durchschnittlich 40 bis 70 Euro pro Jahr) als auch im Leistungsumfang. Auf die folgenden Punkte solltest Du daher beim Versicherungsvergleich achten, um Dich und Deine Fellnase bestmöglich abzusichern:

  • Deckungssumme: Von der Deckungssumme hängt ab, bis zu welcher Schadenshöhe die Versicherung einspringt. Sowohl für Sach- und Vermögensschäden aber vor allem für Personenschäden gelten 3 Millionen Euro als absolutes Minimum.
  • Mietsachschäden: Wenn Du in einer Mietwohnung wohnst, ist eine solche Zusatzklausel sinnvoll. Mit einer solchen Klausel kommt die Versicherung für Schäden auf, die Dein Hund in einer Mietwohnung verursacht.
  •  Selbstbeteiligung: Wie bei jeder anderen Versicherung senkt die Selbstbeteiligung den Versicherungsbeitrag. Üblich sind bei der Hundehaft-Pflicht 100 bis 200 Euro.
  • Mitversicherung von Welpen: In vielen Tarifen sind die Welpen Deiner Hündin bis zum 12. Lebensmonat mitversichert. Das ist besonders für Züchter interessant.
  • Achtung Leinenzwang: Einige wenige Versicherer zahlen bestimmte Schäden nur, wenn Dein Hund angeleint ist. Achte darauf, dass Deine Police keinen Leinenzwang vorsieht.
  • Ungewollter Deckakt: Wenn Du einen nicht kastrierten Rüden besitzt, macht eine Police Sinn, die einen ungewollten Deckakt mit absichert. Kosten, die einem anderen Hundehalter so durch Kastration und Welpenaufzucht entstehen, übernimmt die Versicherung.

Von der Vorsorge bis zur OP: Bester Schutz dank Tierkrankenversicherung

Wie schnell ist es passiert: Dein Hund verletzt sich beim Gassi gehen oder frisst gar einen Giftköder. Mit Untersuchungen, Behandlungen und gegebenenfalls einer umfangreichen Nachsorge (z.B. nach Unfällen), kann die Tierarztrechnung förmlich explodieren. Wer hier im Vorfeld  keine leistungsstarke Tierkrankenversicherung abgeschlossen hat, bleibt auf den Kosten sitzen. Gerade bei aufwändigen Operationen können dies schnell mehrere Tausend Euro sein! Mit einer Versicherung bist Du hingegen auf der sicheren Seite und kannst Deinem Vierbeiner die bestmögliche medizinische Versorgung zukommen lassen, ohne ständig die Kosten im Blick haben zu müssen.

Wie auch bei der Krankenversicherung für uns Menschen gibt es bei einer Tierkrankenversicherung unterschiedliche Modelle. Neben Tarifen, die nur den Basisschutz (wie beispielsweise vorgeschriebene Impfungen) abdecken, kommen sogenannte OP-Versicherungen für die Kosten von notwendigen operativen Eingriffen auf. Das Rundum-sorglos-Paket für Tierbesitzer ist abschließend die sogenannte Vollversicherung. Diese übernimmt alle anfallenden Leistungen wie:

  • Vorsorgemaßnahmen (Impfungen, Wurmkuren)
  • Diagnosemaßnahmen
  • Operationskosten
  • Nachbehandlungen
  • Verbandsmaterialien und Medikamente
  • Stationärer Aufenthalt in der Tierklinik
  • Therapie körperlicher Einschränkungen
  • Homöopathische Therapiemaßnahmen (vom Tarif abhängig)

Wer sich und sein Haustier also vollumfänglich absichern möchte, für den ist eine Vollversicherung die erste Wahl. Geht es hingegen in erster Linie darum, sich in Unglücks- oder Krankheitsfällen vor hohen OP-Kosten zu schützen, ist eine OP-Versicherung ausreichend. Eine gute OP-Versicherung für Hunde gibt es schon zwischen 20 und 30 Euro monatlich, eine Vollversicherung ist etwas teurer. Bei Hunden berechnet sich der Versicherungsbeitrag beispielsweise nach der Rasse, eventuell bestehenden Vorerkrankungen sowie dem Zeitpunkt der Beitragszahlung.

Was Du bei einer Hundekrankenversicherung im Blick behalten solltest

  • Wenn Du Deinen Beitrag jährlich und nicht monatlich oder quartalsweise zahlst, sparst Du Beiträge.
  • Behalte Einschränkungen im Kleingedruckten im Blick. Sowohl für Listenhunde als auch für ältere Hunde gelten oft Einschränkungen.
  • Oft sind nach Vertragsabschluss gewisse Wartezeiten abzusitzen, bis Du den vollen Versicherungsschutz in Anspruch nehmen kannst. Auf diese Weise schützen sich Versicherungen vor Missbrauch.
  • Achte auf vertragliche Höchstgrenzen der Kostenübernahme. Gerade Operationskosten werden häufig nur zu 75 bis 80 Prozent übernommen.
  • Stichwort Auslandsversicherung: Glücklicherweise besteht der Versicherungsschutz bei den meisten Tarifen auch im Ausland. Jedenfalls dann, wenn Du mit Deinem Hund jeweils nur für eine beschränkte Zeit von einigen Wochen oder manchmal Monaten dort bist. Wenn Du oft und lange verreist, ist diese Klausel sinnvoll.

Was Du für Deinen Hund nicht wirklich brauchst

Eine Hundehaftpflicht-Versicherung ist elementar und eine Kranken- bzw. OP-Versicherung sehr sinnvoll. Anders sieht das hingegen bei einer sogenannten Hundehalter-Rechtschutzversicherung aus. Eine solche Police schützt Dich vor den Kosten etwaiger juristischer Auseinandersetzungen – vor allem in Schadensersatzfällen. Unnötig ist die Police in der Regel, wenn Du bereits über eine gute private Rechtschutzversicherung verfügst. Diese deckt derlei Fälle meist mit ab. Im Zweifelsfall kannst Du näheres bei Deinem Versicherer erfahren.

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Lisa Hummel