Welche Impfung benötigt ein Hund?

MITTWOCH, 12.06.2019 Lisa Hummel

Erinnerst Du Dich noch an Deine Impfungen beim Kinderarzt? Die Piekser waren zwar nicht angenehm, aber das leckere Eis für Deine „Tapferkeit“ war die Aufregung definitiv wert. Auch für Deine Fellnase sind Impfungen ein notwendiges Übel, das Du mit der einen oder anderen Streicheleinheit wiedergutmachen kannst. Wir verraten Dir, welche Impfungen Dein Hund braucht und wann diese notwendig sind.

Darum solltest Du Deinen Hund impfen lassen

Ebenso wie bei uns Menschen dient das Impfen zum Schutz vor bestimmten Krankheiten. Impfstoffe unterstützen das Immunsystem und bauen durch die aktive Gabe von Antikörpern oder abgeschwächten Erregern einen effektiven Schutz auf. Das gilt vor allem für den Schutz vor Krankheiten, die potenziell tödlich sind oder die Gesundheit nachträglich schädigen. Somit bewahren sie nicht nur die Gesundheit Deines Hundes, sondern ersparen Dir auch hohe Kosten für Tierarztbesuche.

Beim Impfen geht es jedoch auch um den Schutz anderer Hunde. Eine Impfung verhindert schließlich auch, dass Dein Vierbeiner Erreger ausscheidet, die sich auf Artgenossen und andere Menschen übertragen können. Durch konsequente Prophylaxe lassen sich diverse Hundekrankheiten langfristig ebenso effektiv bekämpfen wie Kinderkrankheiten.

Welche Impfungen sind sinnvoll?

Die Tiermedizin unterscheidet sich in puncto Impfung nicht sonderlich von der Humanmedizin. Auch hier gibt es Impfungen, die sinnvoller sind als andere. Die „Ständige Impfkommission Veterinärmedizin“ hat zu diesem Zweck eine spezielle Impfrichtlinie für Hunde und andere Kleintiere herausgegeben. Die Devise lautet hier: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Hintergrund ist die Vereinbarkeit eines bestmöglichen Schutzes der gesamten Hundepopulation und der Menschen sowie der geringstmöglichen Belastung des einzelnen Hundeorganismus. Da jeder Hund andere Voraussetzungen und Risikofaktoren mitbringt, unterscheidet man zwischen Pflichtimpfungen und Wahlimpfungen. Während bei Pflichtimpfungen der Name Programm ist, hängt die Notwendigkeit der Wahlimpfungen von spezifischen Umständen ab.

Pflichtimpfungen für Deinen Hund

  • HCC (Hepatitis contagiosa canis) ist eine ansteckende Leberentzündung, die insbesondere bei Welpen bis zum Tod führen kann. Nach anfänglichen Symptomen wie Verdauungsstörungen und Fieber kann sich eine chronische Hepatitis entwickeln.
  • Leptospirose ist eine von Bakterien (Leptospiren) verursachte Erkrankung, die innere Organe wie die Leber, den Magen-Darm-Trakt und die Nieren schädigt. Wichtig ist eine Impfung hier, da Du Dich auch mit den Bakterien infizieren kannst.
  • Parvovirose ist eine schwere Viruserkrankung des Magen-Darm-Trakts, die durch einen sehr widerstandsfähigen Virus ausgelöst wird. Typische Anzeichen sind Erbrechen und blutige Durchfälle, die insbesondere bei Welpen für eine hohe Sterblichkeitsrate verantwortlich sind.
  • Staupe ist eine potenziell tödliche Viruserkrankung, die in vielen Fällen einen schweren Verlauf nimmt. Übertragen werden die Erreger durch Sekrete aus Nase, Mund und Augen infizierter Tiere.
  • Tollwut ist sowohl für Deinen Hund als auch für Dich und andere Menschen die größte Gefahr. Die Virusinfektion verursacht massive Störungen des Nervensystems und endet in den meisten Fällen tödlich. Das gilt sowohl bei Hunden als auch beim Mensch, da die Krankheit bisher nicht behandelbar ist.

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Achtung: Impfungen halten nicht ewig

Häufig werden Impfstoffe verwendet, die keinen lebenslangen Schutz bieten können. Bei der Tollwutimpfung etwa kommt in vielen Fällen der Impfstoff Nobivac T zum Einsatz. Dieser hat eine Wirkdauer von rund drei Jahren. Wirf daher regelmäßig einen Blick in den Impfpass Deiner Fellnase, um gegen Erkrankungen wie Tollwut im Bedarfsfall nachzuimpfen.

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Auch Wahlimpfungen können sinnvoll sein

Neben den Pflichtimpfungen, die Dein Hund haben muss, gibt es auch noch eine Reihe von Wahlimpfungen. Darunter fallen vor allem Erkrankungen, die entweder nicht infektiös und bei gesunden Hunden meist harmlos verlaufen.

  • Borreliose: Wenn Du mit Deiner Fellnase gerne durch Wälder und Wiesen streifst, kann sich auch Dein Hund schnell eine Zecke einfangen. Auch wenn die Borreliose nur in wenigen Fällen die Organe und das Nervensystem angreift, ist eine Impfung sinnvoll, wenn Du in einem Zecken-Risikogebiet wohnst.
  • Babesiose ist auch als „Hunde-Malaria“ bekannt und verläuft ähnlich wie die Malaria beim Menschen mit Atemnot, Fieber und Kreislaufproblemen. Achtung: Der Impfstoff bietet keinen vollumfänglichen Impfschutz. Sinnvoll ist die Impfung nur dann, wenn Du mit Deinem Hund südlich der Sahara Urlaub machst. Dort übertragen spezielle Zeckenarten die aggressivsten Erreger.
  • Der Canines Herpes-Virus ist eine häufige Ursache für Atemwegserkrankungen. Gefährlich ist er insbesondere für Welpen, die daran in den ersten Tagen sterben können. Bei trächtigen Hündinnen dagegen kann der Canines Herpes-Virus zum Tod der Föten im Mutterleib führen. Um das Risiko für Mutter und Welpen so gering wie möglich zu halten, ist die Impfung vor der Trächtigkeit empfehlenswert.
  • Der Coronavirus ist sowohl für Deinen Hund als auch für Dich eine große Gefahr. Nicht selten führt die mit blutigen Durchfällen und Erbrechen daherkommende Darmerkrankung zum Tod. Die Infektion erfolgt unabhängig vom Alter oder dem Gesundheitszustand des Hundes.
  • Leishmaniose: Hierbei handelt es sich um eine durch Parasiten verursachte Infektionskrankheit. Tierärzte klassifizieren die Leishmaniose als klassische Reisekrankheit, die sich Dein Vierbeiner auf einer Reise in die Mittelmeerregion einfangen kann. Überträger ist unter anderem die Sandmücke. Auch wenn die Impfung nicht zu den Pflichtimpfungen gehört, ist die Immunisierung vor einer Reise in den Süden zu empfehlen.
  • Ebenso wie Du kann sich auch Dein Hund Tetanus (auch: Wundstarrkrampf) einfangen, wenn er sich verletzt. Die häufigste Ursache ist das Eindringen von Bakterien in eine Wunde. Tetanus ist vor allem bei Hunden zwar selten, nimmt unbehandelt jedoch oft einen tödlichen Verlauf.
  • Der letzte Punkt auf unserer (nicht abschließenden) Liste der optionalen Impfungen ist der Zwingerhusten. Zwingerhusten ist ein hochansteckender Infekt der oberen Atemwege, der zu trockenem Husten, Würgen, Fieber und Erbrechen führt. Ähnlich wie der Keuchhusten, gegen den Du bereits als Kind geimpft wurdest, tritt der Zwingerhusten anfallsartig auf. Insbesondere für alte oder geschwächte Tiere sowie für Welpen kann der Zwingerhusten tödlich enden.

 

Weniger ist mehr – auch beim Impfen

Das Impfen schützt Deinen Hund und auch Dich selbst vor zahlreichen gefährlichen Erkrankungen. Allerdings stellt es auch eine starke Belastung für den Organismus Deines Hundes dar. Deshalb gilt auch hier die Regel: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Während eine ausreichende Immunisierung im Rahmen der Pflichtimpfungen immer ratsam ist, richtet sich die Notwendigkeit der optionalen Impfungen nach Deinen Lebensumständen.

Wenn Du Deine Fellnase also nicht mit ans Mittelmeer nimmst, brauchst Du höchstwahrscheinlich auch keinen Impfschutz gegen die Leishmaniose. Bist Du mit Deinem Hund hingegen oft sportlich abseits fester Wege unterwegs, macht beispielsweise eine Tetanus-Impfung mehr Sinn als bei einem Stuben-Chihuahua.

Grundsätzlich empfiehlt die Global Veterinary Community (WASAVA), alle zwei bis drei Jahre einen Titer-Test durchzuführen. Hierbei prüft der Tierarzt die Anzahl der Antikörper im Körper und kann ganz gezielt nachimpfen. Das schont den Organismus Deines Lieblings und ganz nebenbei Deinen Geldbeutel.

Labradorwelpe von Tierarzt geimpft pin

Lisa Hummel