Sind Menschen verrückt, wenn sie mit Haustieren reden?

MITTWOCH, 21.02.2018

Wenn Kinder ihren Spielzeugen Namen geben, finden wir das süß. Für Erwachsene gilt eher das Gegenteil. Sie gelten als seltsam oder sogar verrückt, wenn sie unbelebten Objekten Namen geben und mit ihnen reden, als wären es menschliche Wesen. Doch laut einem Experten sind unsere Anthropomorphismen (Vermenschlichungen) keineswegs Zeichen von Dummheit, sondern von Intelligenz. Das gilt auch für unseren Bezug zu Haustieren.

“Im Lauf der Geschichte wurde das Anthropomorphisieren (Vermenschlichen) als kindisch oder dumm angesehen, doch es ist tatsächlich ein natürliches Nebenprodukt der Veranlagung, die uns Menschen auf diesem Planeten einzigartig schlau macht”, erklärte Dr. Nicholas Epley der Onlinezeitung “Quartz”. Der Professor für Verhaltenswissenschaft an der Universität von Chicago weist darauf hin, dass wir - ob uns das bewusst ist oder nicht - ständig Objekte und Ereignisse vermenschlichen.

Lebensmittel und Hunde

Dinge, zu denen wir eine enge Verbindung im Alltag aufbauen, wie Autos, Instrumente, Kameras, usw., werden von uns schnell mit einem Namen getauft. Häufig reden wir sogar mit ihnen - etwa, weil das “eigensinnige” Auto nicht das macht, was wir von ihm wollen. Selbst wenn es um ein trockenes Thema wie die Wirtschaft geht, reden wir davon, dass sich der Markt “erholen” müsse.

Kein Wunder also, dass wir auch die uns nahestehenden Haustieren vermenschlichen. Als soziale Wesen sind wir darum bemüht, andere Wesen zu verstehen. Wir versuchen, die inneren Zustände, die Absichten und Wünsche unserer Haustiere kennenzulernen. Dass wir dabei vermenschlichend vorgehen ist menschlich - und alles andere als dumm. Epley stellt fest: “Das Bewusstsein eines anderen Menschen zu erkennen schließt dieselben psychologischen Prozesse mit ein, wie das Erkennen von Bewusstsein in anderen Tieren (...). Das ist ein Abbild von einer der größten Leistungen unseres Gehirns und kein Zeichen von Dummheit.”

Doch Vorsicht! Wenn Epley von Vermenschlichung spricht, meint er damit in erster Linie, dass wir von unserem menschlichen Bewusstsein ausgehend auch anderen Wesen Bewusstsein zuschreiben. Er behauptet nicht, dass Tiere wie Menschen denken. Hunde etwa nehmen die Welt primär über Gerüche wahr - eine Wahrnehmungsform, die uns Menschen in dieser Ausprägung fremd ist. Deshalb ist es wichtig, sich so gut wie möglich in die individuellen “Denkweisen” der Tiere einzufühlen. Es mag ein Zeichen von Intelligenz sein, in anderen Tieren Bewusstsein zu erkennen - ebenso intelligent ist es aber, menschliche Vorstellungen und Geschmäcker nicht dem Tier aufzuzwingen.