DONNERSTAG, 28.03.2019 Julia Weinzierler

Mit unseren tierischen Begleitern teilen wir uns die Wohnung, manchmal sogar Couch oder Bett, hier und da landet eine nasse Hundezunge in unserem Gesicht. Manche Hunde haben aber eine Angewohnheit, vor der wir uns zutiefst ekeln: Sie essen Fäkalien von sich selbst, anderen Tieren oder sogar von Menschen. Aber warum fressen Hunde Kot?

Ist es normal, dass Hunde Kot fressen?

Das Fressen von Fäkalien kommt so häufig vor, dass es sogar einen wissenschaftlichen Namen hat: Koprophagie. Tatsächlich gibt es aber nur eine Konstellation, in der dieses Verhalten natürlich auftritt: Eine Hündin, die geworfen hat, frisst die Ausscheidungen ihrer Welpen. Auch bei Welpen ist dieses Verhalten zunächst nicht anormal, sondern hilft sogar dabei, ihre Darmflora zu stärken.

An dieser Stelle hört das natürliche Verhalten allerdings bereits auf. Nun wäre es vielleicht zu verkraften, über den eigenen Ekel hinwegzukommen – allerdings solltest Du den Hunden das Kotfressen streng verbieten.

Viele Krankheitserreger können sich in den Ausscheidungen tummeln, eine schnellere Übertragung dieser gibt es kaum. Teilweise kann das Kotessen sogar richtig gefährlich werden: Etwa die Ausscheidungen von Pferden, die entwurmt werden, enthalten hochgiftige Stoffe. Daher gilt: Kot essen ist strengstens tabu. Doch warum tun Hunde es dennoch?

8 Gründe, warum Hunde Kot fressen

In der Wissenschaft sind nur wenige Gründe für das Kotfressen eindeutig belegt, allerdings haben sich aus Beobachtungen einige Muster ergeben:

1. Es riecht für sie nicht eklig

Zuallererst dürfen wir unsere eigenen Empfindungen nicht auf den Hund übertragen. Bei Menschen löst Kot in den meisten Fällen Ekelgefühle aus, vor allem der Geruch ist alles andere als angenehm. Für Hunde aber riechen die Häufchen sogar gut – denn sie enthalten flüchtige Fettsäuren.

Folglich kann ein Kothaufen für den Hund genauso attraktiv wirken wie ein Leckerli. Außerdem werden Lockstoffe aus dem Futter teilweise wieder ausgeschieden und suggerieren Deinem Vierbeiner, dass es da etwas wirklich Gutes gibt.

2. Krankheiten als Ursache

Schwer vorstellbar, aber es gibt auch Erkrankungen, die zum Kotessen führen können. Hunde, die zum Beispiel unter einer Bauchspeicheldrüsen-Unterfunktion leiden, haben durchgehend Hunger und legen dennoch kaum an Gewicht zu. Die Häufchen am Wegrand versprechen da eine schnelle Linderung des Heißhungers.

3. Eine Frage der sozialen Stellung

Hunde sind Rudeltiere, die sich gerne an festen sozialen Ordnungen orientieren. Wenn sie sich ihrer Stellung aber nicht bewusst sind, kann Kotfressen vor allem zu einer Sache führen: der ungeteilten Aufmerksamkeit vom eigenen Besitzer.

Dadurch entsteht ein Belohnungssystem. Denn wenn Du mit dem Hund schimpfst, wird er dies kaum mit dem Kotessen verbinden. Die sofortige Aufmerksamkeit allerdings schon.

4. Körperliche Belastungen können schuld sein

Für die meisten Tierbesitzer trifft das nicht zu, doch wenn Dein Hund einen Hochleistungssport macht, kann das im Ausnahmezustand der Erschöpfung durchaus zum Kotfressen führen. Dieses Verhalten wird etwa bei Schlitten- oder Rennhunden beobachtet, die durch Bewegung viel Energie verloren haben.

5. Schlechte Hygiene

Auch in Zwingern mit schlechten Bedingungen wird das Kotfressen beobachtet. Durch ungenügende Sauberkeit fressen die Hunde ihren eigenen Kot, um Frustration abzubauen. Ein Verhalten, das auf Dauer auch angelernt werden kann.

6. Ernährungsfehler und Hunger

Für ein langes und glückliches Leben ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung unabdingbar. Manche Speisen sind für Hunde allerdings nicht geeignet und können zu Koprophagie führen. Auch Mangelernährung und Hunger führt womöglich dazu, dass der Kot zu verführerisch erscheint. Beides kann auftreten, wenn der Hund eine Diät machen muss oder etwa unter einem starken Parasitenbefall leidet.

7. Wenn die Neugier siegt

Junge Welpen erkunden die Welt und können kaum einschätzen, was richtig oder falsch ist. Die Neugierde treibt sie dementsprechend auch in Richtung Kot – ein Verhalten, dass Du konsequent ahnden musst. Ein Hygienetraining mit einem strikten „Pfui“ steht dann an.

8. Revierverhalten

Manch ein Vierbeiner möchte sein Revier um jeden Preis verteidigen. Der Kot von anderen Hunden – und damit deren Markierung – ist für solche Fellnasen dann schnell der designierte Feind, den es zu vernichten gilt.

Was kannst Du tun, wenn Dein Hund Kot frisst?

Egal aus welchem Grund Dein Hund dazu neigt, Kot zu fressen – es ist äußerst wichtig, konsequent dagegen anzugehen und Deinen Hund gut im Auge zu behalten. Wenn es schon passiert ist, solltest Du darauf achten, nicht selbst etwas von dem Kot aufzunehmen, da Krankheitserreger für den Menschen ebenso gefährlich sein können.

Behalte nach einem Vorfall Deinen Hund gut im Blick. Wenn er ungewöhnliches Verhalten an den Tag legt, solltest Du dringend einen Tierarzt aufsuchen und von dem Vorfall berichten. Auch wenn Dein vierbeiniger Begleiter der Versuchung oft nicht widerstehen kann, ist ein Besuch beim Doktor sinnvoll. Dieser kann medizinische Ursachen für die Koprophagie ausschließen und Dir erklären, wie Du am besten mit den Vorfällen umgehst.

Leider gewöhnt sich ein Hund sehr schnell an das Kotfressen, weswegen es umso wichtiger ist, es von Anfang an zu vermeiden. Schenke Deinem Tier genug Aufmerksamkeit, beschäftige Dich mit ihm und sorge für hygienische Bedingungen. Zudem solltest Du dem Tier durch gezielte Maßnahmen klarmachen, welche Rangordnung es in der Familie hat.

Wenn Dein Hund durch diese Maßnahmen trotzdem nicht aufhört, kannst Du Kot mit scharfen Gewürzen präparieren. Dadurch wird das Tier Stück für Stück negative Erfahrungen mit dem Kotfressen verbinden. Es gilt erneut: Nur mit Geduld kann diese Gewohnheit wieder abtrainiert werden. Dein Hund muss verstehen, dass Du in der Ranghöhung über ihm stehst und er beim Kommando „Aus“ gar nicht erst daran denken sollte, sich in Richtung Kot aufzumachen.