Im Gegensatz zur klassischen Wohnungskatze präsentieren sich die wenigsten Hunde als ausgewachsene Stubenhocker. Die meisten Schlappohren tun nichts lieber, als mit Dir durch die Natur zu flitzen, durch Pfützen zu springen und die neugierige Nase selbst beim Morgenspaziergang in allerlei spannende Dinge zu stecken. Umso verblüffter wirst Du sein, wenn Dein vierbeiniger Begleiter auf einmal keine Lust mehr zum Gassigehen hat.

Mancher ehemals extrem bewegungsfreudige Hund verweigert manchmal sogar das Anziehen des Halsbands und bockt an der Leine regelrecht. In den wenigsten Fällen hat das etwas mit Unlust zu tun. Häufig steckt ein triftiger Grund hinter dem Verhalten Deiner Fellnase. Dementsprechend möchten wir heute einen Blick auf die Anzeichen und Ursachen für den Motivationsverlust zum Gassigehen werfen. Zudem wollen wir Dir einige Lösungsvorschläge für diese verzwickte Situation an die Hand geben. Also, los geht’s!

An diesen Zeichen erkennst Du, dass dein Hund keinen Spaß am Gassigehen hat

Ein Hund, der massiv bockt, sich in die Leine wirft oder sich trotz kräftigem Zug an der Leine nicht weiter bewegt, hat offensichtlich keine Lust auf eine Gassi-Runde. Bei vielen Hunden ist die Unlust aber nicht ganz so offensichtlich. Die Ursachen liegen meist in einer guten Erziehung oder schlicht im Charakter. Umso wichtiger ist es, dass Du auf die folgenden subtilen Signale Deines Hundes achtest, um festzustellen, dass sich das Tier wohlfühlt:

  • Angespannte Leine: Eine stark gespannte Leine beim Gassigehen kann ein deutliches Signal dafür sein, dass sich Dein Schlappohr aktuell nicht wohlfühlt. Wir reden hier nicht von Hunden, die kräftig an der Leine zerren und sich mit ihrem ganzen Gewicht in ihr Geschirr werfen. Ein stetiger Zug an der Leine beim Spaziergang kann darauf hindeuten, dass Dein Hund den Spaziergang so schnell wie möglich hinter sich bringen möchte. Besonders hellhörig solltest Du werden, wenn Dein Vierbeiner ansonsten eine hervorragende Leinenführigkeit aufweist.
  • Unkonzentriertheit: Ein hohes Maß an Unkonzentriertheit kann ebenfalls ein Signal für Unwohlsein oder große Nervosität beim Spaziergang sein. Ein typisches Beispiel ist, dass Dein Hund nur langsam, sporadisch oder sogar gar nicht auf Deine Kommandos und Signale reagiert.
  • Körperliche Signale: Da Hunde bekanntermaßen nicht sprechen können, müssen sie ihr Befinden auf anderem Weg ausdrücken. Häufig äußern Fellnasen ihr Unwohlsein auch beim Gassigehen daher durch körperliche Signale. Verhaltensweisen wie übertriebenes Grasfressen, häufiges Gähnen, ständiges Ablecken der Lefzen, übermäßiges Hecheln oder ständiges und hektisches Umsehen sind hier eindeutige Zeichen für Unwohlsein. Insbesondere dann, wenn diese Symptome in Kombination und wiederholt auftreten.
  • Futterverweigerung: Manche Hunde sind wahre Chamäleons und zeigen gar keine offensichtlich wahrnehmbaren Signale für Nervosität oder Unwohlsein beim Spazierengehen. Solchen Hunden kannst Du mit einem einfachen Futtertest beikommen. Biete Deinem Hund während des Spaziergangs einfach einmal etwas von seinem Lieblingsfutter an. Lehnt Dein Schlappohr das Futter ab, könnte es daran liegen, dass Dein Hund Angst hat oder unter Stress steht.

Kein Bock auf Gassigehen: Daran kann es liegen

Die Bandbreite der möglichen Ursachen für die Verweigerung der Gassi-Runde sind vielseitig. Wie bei uns Menschen ist die Unlust, einen Fuß vor die Tür zu setzen, häufig spontan und ohne ernsteren Hintergrund. Gedanken machen solltest Du Dir aber vor allem dann, wenn das Verhalten gehäuft oder bei bestimmten Rahmenbedingungen auftritt. Lass uns gemeinsam auf Ursachenforschung gehen:

Ursache Nr. 1 – Sauwetter

Ganz ehrlich: Hast Du Lust an einem verregneten Sonntagmittag im November bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und peitschenden Böen spazieren zu gehen? Nein? Dein Hund auch nicht. Viele Hunde haben bei kalten Temperaturen, Regen, Schnee und Sturm ebenfalls kein Interesse daran, auch nur eine Pfote vor die Tür zu setzen.

Gerade ältere oder kranke Hunde spüren instinktiv, dass es für sie sehr unangenehm ist, das Haus unter solchen Umständen zu verlassen. Das Gleiche gilt für Hunde mit kurzem Fell, ohne Unterwolle sowie mit kurzen Beinen. Hier besteht unter widrigen Umständen sogar eine akute Unterkühlungsgefahr. Bei kranken und älteren Tieren sowie bei kleinen Frostbeulen mit kurzem Fell kann passende Hundebekleidung die Lust am Gassigehen deutlich erhöhen.

Ursache Nr. 2 – Große Hitze

Kälte und Regen sind eine Sache. Schweißtreibende Temperaturen und trockene Luft sind dagegen das andere Extrem. Denke daran, dass Hunde nicht schwitzen können, sondern ihre Körpertemperatur durch Hecheln regulieren müssen. Dementsprechend setzt große Hitze vielen Hunden zu, was die Lust auf die Gassi-Runde drastisch limitiert. Typisch ist die gebremste „Wanderslust“ vor allem bei Hunden mit langer Haarpracht bzw. dichter Unterwolle.

Ursache Nr. 3 – Langeweile beim Spazierengehen

Hunde sind lernfähige Tiere, die sich relativ schnell mit Situationen arrangieren. Auf dieser Eigenschaft basiert auch eine weitere mögliche Ursache für die chronische „Gassi-Unlust“. Kaum jemand käme auf die Idee, dass einem Hund die Gassi-Runde zu langweilig ist und er deshalb lieber im Körbchen bleiben würde. Das ist aber tatsächlich der Fall.

Hat Dein Hund die Erfahrung gemacht, dass auf ihn nichts Spannendes wartet, findet er schlicht keine Motivation, um sich aufzuraffen. Eintönige Spaziergänge auf den immer gleichen Routen, reizarme Umgebungen und fehlende Begegnungen mit anderen Hunden sind hier die Hauptgründe für die aufkommende Langeweile.

Ursache Nr. 4 – Dunkelheit

Ja, auch wenn so manche Fellnase in der Regel eine ganz schön große Klappe hat, entpuppt sie sich unter Umständen als Hasenfuß. Viele Hundehalterinnen und Hundehalter stellen fest, dass Hunde gerade bei Dunkelheit weniger Lust zum Gassigehen haben. Tatsächlich fühlt sich so manches Schlappohr frühmorgens oder nachts sehr unwohl. Hunden geht es in diesem Zusammenhang also gar nicht so anders als Menschen. Hintergrund ist häufig, dass Dein Hund eine mehr oder weniger starke Sehschwäche bei Dunkelheit hat. Verständlich, dass sich Deine Fellnase bei der Gassi-Runde im Dunkeln unwohl fühlt.

Ursache Nr. 5 – Schmerzen und Erkrankungen

Preisfrage: Warum gehen ältere Menschen mit steigendem Alter immer seltener vor die Tür? In der Regel steckt die Gesundheit dahinter. Ob dahinter nun Schmerzen, orthopädische Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit oder akute Erkrankungen stecken, ist zweitrangig. Auch bei Hunden ist dieses Verhalten nur allzu natürlich.

Ein Hund, dem die Hüfte durch eine Hüftdysplasie schmerzt, der mit Arthrose im Kniegelenk kämpft oder dem aufgrund einer Erkrankung unwohl ist, wird sein warmes Körbchen nur ungern gegen die Gassi-Runde eintauschen. Achte daher unbedingt auf körperliche Signale wie hinken, humpeln, Schmerzreize oder typische Krankheitssymptome.

Ursache Nr. 6 – Sonderfall: Welpen

Welpen sind in Sachen Gassigehen einen Sonderfall. Häufig kommt es bei Welpen vor, dass diese das Haus gar nicht verlassen möchten oder nach einer bestimmten Strecke eine Abwehrreaktion zeigen. Das ist ein absolut natürliches Verhalten, denn kleine Hunde haben von Natur aus einen instinktiv begrenzten Bewegungsradius rund um das sichere Zuhause. Aber keine Angst, dieser Bewegungsradius wird mit zunehmendem Alter größer.

Ursachenbezogene Lösungsansätze: Das kannst Du tun

Es gibt nicht die Patentlösung, mit der Du Deinem Hund den Spaß am Gassigehen zurückgibst. Jeder Fall ist einzigartig und benötigt eine individuelle Lösung. Wenn auch Du das Problem kennst, dass Dein Hund zeitweise oder ständig keine Pfote vor die Tür setzen möchte, können Dir die folgenden Tipps helfen:

  • Vermeide es, bei großer Hitze, am Mittag oder Nachmittag mit Deinem Hund Gassi zu gehen. Verlege den Spaziergang am besten auf den frühen Morgen oder den Abend. Wenn Du dennoch zu diesen Zeiten unterwegs bist, suche eine Route aus, die größtenteils im Schatten liegt.
  • Bei großer Wärme solltest Du außerdem immer etwas Wasser für Deinen Vierbeiner mitführen. Ideal ist auch ein faltbarer Trinknapf, sodass Dein Hund immer trinken kann. Sobald Dein Hund merkt, dass er auch bei Sommerhitze ausreichend Abkühlung und Wasser bekommt, wird sich das Problem von allein lösen.
  • Warte bei schlechtem Wetter die schlimmsten Phasen ab. Zwinge Deine Fellnase nicht dazu, im größten Schneesturm oder Platzregen vor die Tür zu gehen. Dadurch verbindet er mit Schnee und Regen generell negative Assoziationen, sodass er auch bei relativ harmlosen Niederschlägen nicht vor die Tür möchte. Alternativ tut es ein großer Regenschirm, der auch deinen Vierbeiner weitgehend vor Regen schützt.
  • Nimm Deinem Junghund gleich zu Beginn die Angst vor ungewohnten Situationen wie Blitz, Donner, Dunkelheit und lauten Geräuschen.
  • Bei extremer Kälte und gefrorenem Boden kannst Du Deine Fellnase mit wärmenden Hundeschuhen ausstatten. Damit nimmst Du Deinem Tier das unangenehme Gefühl beim Laufen und verhinderst schmerzhafte Erfrierungen.
  • Auch bei starkem Wind oder Sturm wehren sich Hunde häufig gegen das Gassigehen. Nicht selten tut den Tieren der Wind in den Ohren weh. In manchen Fällen hat ein Hund auch bereits im Vorfeld schlechte Erfahrungen mit starkem Wind gemacht und überträgt die Erfahrung nun auf jedes laue Lüftchen. Eine Hundemütze schafft hier Abhilfe.
  • Welpen, die Angst vor dem Verlassen ihres Bewegungsradius haben, kannst Du einfach zu einem anderen Ort tragen. So überwinden sie leichter die Angst vor unbekannten Umgebungen und trauen sich auch bei der Gassi-Runde weiter weg von zu Hause, ohne Angst zu zeigen.
  • Bei älteren Hunden solltest Du generell etwas aufmerksamer sein, was die Körpersprache angeht. So kannst Du womöglich erkennen, ob Dein Hund krank ist oder schwächelt.
  • Toleriert Dein Hund nur einen geringen Bewegungsradius, solltest Du ihn nicht überfordern. Idealerweise steigerst Du den Bewegungsumfang Stück für Stück vom kurzen Spaziergang bis hin zu einem längeren Ausflug.
  • Hunde, die womöglich Angst im Dunkeln haben, kannst Du durch eigene Maßnahmen unterstützen. Nimm etwa eine Taschenlampe mit, sodass Dein Hund besser sieht. Auch ein beleuchtetes Halsband kann ebenso Abhilfe schaffen, wie das dauerhafte Halten an der Leine. So kann sich der Hund optimal orientieren und hat die Sicherheit, dass Du immer bei ihm bist.

Tipp: Ideale Lösung für ängstliche Hunde

Hast Du einen besonders ängstlichen Hund, der sich aus Furcht vor unbekannten Dingen weigert, weiterzugehen oder an der Leine zieht, gibt es eine einfache Lösung. Verwende ein Geschirr. Dieses verteilt den Druck besser auf den Hundekörper. Das macht den Spaziergang nicht zusätzlich unangenehm. Gleichzeitig ist ein solches Geschirr deutlich ausbruchsicherer als ein klassisches Halsband.