Kommunikation zwischen Mensch und Hund: Achte auf Deine Körpersprache

DONNERSTAG, 15.11.2018 Julia Weinzierler

Mit Deinem Hund zu kommunizieren ist essentiell für Eure Beziehung. Im Gegensatz zu Menschen verständigen sich Hunde primär über ihre Körpersprache – Worte und Sätze dahingegen muss der Hund erlernen. Doch wie genau solltest Du mit Deinem Hund kommunizieren, sodass er Dich auch versteht?

Dein Hund ist oft an Deiner Seite. Ob Du während des Gassi-Gehens mit einem Nachbarn ins Gespräch kommst, abends beim Essen mit Deinem Tischnachbarn redest oder vormittags in einer Telefonkonferenz sitzt. Die vielen Worte, die täglich gesprochen werden, haben daher meist keinerlei Bedeutung für Deinen vierbeinigen Begleiter. Deswegen achtet Dein Hund nicht primär auf Sprache, sondern vor allem auf Zeichen wie Gestik und Mimik. Deine Signale müssen daher durchdacht sein, um die Fellnase beim Training oder im alltäglichen Leben nicht zu verwirren.

Wie kommunizieren Hunde untereinander?

Die Kommunikation zwischen Hunden basiert auf deren Körpersprache. Bereits im frühen Welpenalter erlernt der Nachwuchs diese Art von Kommunikation mit seinen Geschwistern und gewöhnt sich an die Umgangsformen. Dabei kann es wurf- oder rassespezifische Unterschiede geben – ein Grund, weswegen Du darauf achten solltest, dass Dein Hund mit vielen anderen Artgenossen in Kontakt kommt. Damit reduzierst Du die Wahrscheinlichkeit, dass Missverständnisse entstehen.

Auf was solltest Du bei der Kommunikation mit Deinem Hund achten?

Menschen sind an eine andere Art der Kommunikation gewöhnt. Mimik und Gestik unterstreichen das Gesagte, doch geschieht das im Alltag eher unbewusst. Der Fokus der menschlichen Kommunikation liegt auf dem verbalen Kontakt. Während ein Mensch leicht herausfiltern kann, wann mit ihm geredet wird und welche Informationen für ihn wichtig sind, trifft das auf Deinen vierbeinigen Begleiter nicht zu. Daher gibt es einige Dinge zu beachten, wenn Du mit Deinem Hund sprichst.

Sei Dir bewusst, dass Dein Hund vor allem Deine Körpersprache liest. Er merkt, wenn wir Angst haben oder unsicher sind. Wende Dich ihm zu, wenn Du mit ihm sprichst. Beuge Dich nicht über ihn, denn das ist eine Drohgebärde.

Willst Du Deinem Vierbeiner keinen klaren Befehl geben, halte Deine Hände ruhig. Setze Deine Gesten möglichst aktiv ein und mache Deinem Hund deutlich, dass Deine Bewegungen einen Sinn ergeben. Wenn Du mit Deinen Armen wilde Gesten vollführst, verunsicherst Du ihn.

Augenkontakt stärkt die gegenseitige Bindung. Nimmst Du den Blick Deines Hundes auf, setzt das ein Bindungshormon bei ihm frei – er freut sich, dass sein Frauchen oder Herrchen ihm Beachtung schenkt. Kommunizierst Du mit Deinem Hund und schaut er Dir dabei in die Augen, hast Du seine volle Aufmerksamkeit. Achte dabei auf Deine Mimik, denn Dein Vierbeiner interpretiert auch Deine Gesichtszüge. Hast Du das Gefühl, er schaut Dir nicht direkt in die Augen, sondern eher auf Nase oder Mund, ist das ein Zeichen der Unterordnung.

Das Gesagte und das Signal müssen übereinstimmen. Wenn Du etwas anderes sagst als Deine Körpersprache vermuten lässt, wird der Hund sich nach Deiner Gestik richten – und aus seinem Blickwinkel richtig agieren, auch wenn Du etwas anderes gemeint hast. Beobachte Deinen Hund, wie er auf Dich reagiert, achte dabei auf Deine Körpersprache und passe Dich dementsprechend an.

Behalte immer im Hinterkopf: Du solltest Deinen Hund nicht versuchen verbal zu erziehen und etwa lauter zu werden, wenn er einen Befehl nicht befolgt. Viel sinnvoller ist die Erziehung durch unmissverständliche Signale.

Braucht es Worte zur Erziehung?

Generell blickt Dein Hund zuallererst auf Deine Körpersprache, bevor er Worte überhaupt registriert oder sich angesprochen fühlt. Wer aber komplett mit Gestik arbeiten will, muss dies auch als Arbeit an sich selbst verstehen. Deine Signale müssen klar und unmissverständlich sein.

Menschen nutzen ihre Körpersprache meist unterbewusst, in der Kommunikation mit Deinem Vierbeiner solltest Du umso mehr darauf achten, Deinen eigenen Körper aktiv wahrzunehmen und zu kontrollieren. Es reicht nicht nur zu erlernen welche Signale Dein Hund versteht, sondern Du musst diese auch bewusst einsetzen. Das heißt, du solltest auch darauf achten wie Du Dich bewegst, wenn Du nicht direkt mit Deinem Hund kommunizierst.

Hast Du eine lange Zeit Befehle vor allem verbal an Deinen Hund weitergegeben und dabei nicht auf Deine Gestik geachtet, kann Dein Hund beim Umstieg auf nonverbale Kommunikation verwirrt reagieren. Denn er hat gelernt, dass er auf Deine Körpersprache nicht vertrauen kann. Beispielsweise könntest Du verschiedene Gesten beim gleichen Befehl verwendet haben. Oder Deine Bewegungen ergeben in Zusammenhang mit Deinem Befehl keinen Sinn für Deinen Hund. Dann gilt es umso mehr sehr geduldig zu agieren und durch Wiederholungen stetig an den Signalen zu arbeiten.

Feedback ist wichtig

Auch wenn Du dazu neigst zu erwarten, dass Dein Hund ohne Belohnung folgt, ist es doch wichtig, Feedback zu geben. Es ist wie das "Dankeschön" eines Menschen und lässt den Hund lernen, dass sein Verhalten geschätzt und belohnt wird. Das Feedback kann viele Formen haben, die auch ganz von den Vorlieben des Hundes abhängen. Ob es ein Leckerli, ein Lächeln oder eine kleine Streicheleinheit ist – wer dem Hund zeigt, dass er sein Verhalten schätzt, erhöht seine Lernkurve immens. Wenn ein Hund nur getadelt wird, mag er zwar verstehen, welches Verhalten falsch ist. Doch dadurch weiß er nicht automatisch, welches Verhalten in einer bestimmten Situation das Richtige ist.

Achte also auch auf vermeintlich selbstverständliche Situationen, in denen sich Dein Hund positiv benimmt und belohne ihn dafür. So wird es für ihn leichter zu verstehen, wie er sich richtig zu verhalten hat.

Kommunikation geht in beide Richtungen

Mit einem Hund zu kommunizieren heißt einerseits, die Signale des Hundes zu verstehen und gegebenenfalls darauf einzugehen. Der Hund ist an eine nonverbale Kommunikation gewöhnt und reagiert automatisch mit einer bestimmten Gestik. Beobachte ihn und versuche sein Verhalten zu verstehen. Wie reagiert er, wenn er sich unwohl fühlt? Wie bewegt er sich, wenn er einen Befehl nicht versteht oder nicht befolgen möchte? Wie verhält er sich im Zusammentreffen mit anderen Hunden oder Menschen? Wer gelernt hat, seinen Hund zu verstehen, kann durch zielgerichtetes Verhalten Situationen entschärfen – zum Beispiel wenn Dein Begleiter aggressiv wird oder Angst bekommt.

In einer Studie von Hannah K. Worsley und Sean J. O’Hara wurde festgestellt, dass Hunde ihre Verhaltensmuster an den Menschen anpassen. Dein Vierbeiner bekommt es mit, wenn Du ein Signal nicht verstehst und passt seine eigene Körpersprache daraufhin an. Damit geht er auf Nummer sicher, dass seine Botschaft ankommt. Mit der Zeit lernst Du Deinen Hund gut kennen – und weißt genau, ob er gerade Verlangen nach Essen hat oder spielen möchte. Mit genug Übung verstehst Du ihn dann ohne Probleme, das gilt auch in die umgekehrte Richtung.

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Wie kommuniziere ich richtig mit meinem Hund?

Kommunikation ist für wichtig für jede Beziehung. Doch gerade bei Hunden kann es schwierig werden, seine Wünsche weiterzugeben. Doch da Hunde gänzlich andere Formen des gegenseitigen Austausches verwenden als Menschen, kann es zu Missverständnissen kommen. Während bei Menschen vorrangig das Gesagte zählt, ist es bei Hunden die Körpersprache, die in der Kommunikation in den Mittelpunkt rückt. Dabei ist für den Halter vor allem eines wichtig: Gestik und Sprache müssen klar und deutlich sein, sich direkt an den Hund richten und unmissverständlich empfangen werden können. Mit einem Hund zu kommunizieren heißt aber nicht nur, an den eigenen Signalen zu arbeiten. Besonders wichtig ist es auch, die Reaktionen des Vierbeiners im Alltag zu beobachten – und so auch ihn kommunizieren zu lassen.

Julia Weinzierler