Kastration oder Sterilisation beim Hund – ist das überhaupt notwendig? Was ist der Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten und was passiert mit dem Vierbeiner danach? Das Thema wird immer noch heiß debattiert und oft kommt es auch auf das Tier an, ob der Eingriff sinnvoll ist.

UNTERSCHIED VON KASTRATION UND STERILISATION BEIM HUND

Willst Du verhindern, dass Deine Hündin schwanger wird oder Dein Rüde für Nachwuchs in der Nachbarschaft sorgt, gibt es zwei Optionen: Kastration und Sterilisation. Bei der Sterilisation bleiben die Keimdrüsen intakt, es werden lediglich die Keimwege abgeklemmt – bei der Hündin sind das die Eileiter, beim Rüden die Samenleiter. Geschlechtshormone werden also weiter produziert und Dein Hund wird weiterhin sexuelles Interesse zeigen.

Bei der Kastration hingegen werden die Keimdrüsen entfernt, also bei Rüden die Hoden und bei Hündinnen die Eierstöcke. So kommt auch das Sexualverhalten zum Erliegen, denn es werden keine Geschlechtshormone mehr produziert.

Ab wann ist eine Kastration oder Sterilisation beim Hund möglich?

Bei der Sterilisation gibt es keinen idealen Zeitpunkt, hier solltest Du Deinen Tierarzt fragen, wann der Eingriff für Deinen Hund infrage kommt. Von dem solltest Du Dich natürlich auch vor einer Kastration ausführlich beraten lassen, denn jedes Tier ist unterschiedlich – sowohl von seinem Charakter als auch seinem Entwicklungsprozess.

Denn der richtige Zeitpunkt ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Es kommt vor allem darauf an, wann das Tier zum ersten Mal läufig wird. Als grober Richtwert gilt, dass Dein Vierbeiner auf keinen Fall vor Abschluss der Pubertät kastriert werden sollte. Denn die von Eierstöcken und Hoden produzierten Hormone sind wichtig für die körperliche und psychische Entwicklung Deines Hundes.

Bei der Hündin gilt der Richtwert, sie etwa zehn Wochen nach der ersten Läufigkeit kastrieren zu lassen. Wird Deine Hundedame erst spät läufig, ist das auch sechs Monate vor der ersten Läufigkeit möglich.

Was ändert sich danach?

Bei der Sterilisation ändert sich im Prinzip nichts, außer dass Deine Hündin nicht schwanger wird und Dein Rüde nicht decken kann. Der Eingriff ist außerdem reversibel, er kann wieder rückgängig gemacht werden.

Mögliche positive Veränderungen nach der Kastration

Mit dem Wegfall der Keimdrüsen werden keine Sexualhormone mehr produziert. Einerseits bedeutet das, dass hormonbedingter Stress durch Artgenossen des anderen Geschlechts vermieden wird. Die Psyche stabilisiert sich, da Hormonschwankungen wegfallen, die für plötzliche Stimmungswechsel eine Ursache sein können. Die Tiere werden meist ruhiger.

Das für Dich vielleicht störende Verhalten, dass Dein Vierbeiner während der Läufigkeit aktiv Kontakt zu anderen Hunden sucht, fällt weg. Auch, wenn Du Hund und Hündin in Deinem Haus adoptiert hast, können hier etwaige Probleme vermieden werden.

Bei der Hündin fällt nach der Kastration das Risiko einer sogenannten „Scheinträchtigkeit“ weg. Dabei verändert sich nach der Läufigkeit die Hormonlage einer Hündin so, als sei sie schwanger, obwohl sie es nicht ist. Das Verhalten des Tieres kann sich ändern, sie kann aggressiv aber auch depressiv werden und ein ausgeprägtes „Nestbauverhalten“ an den Tag legen. Auch körperliche Veränderungen bis hin zur Muttermilchproduktion sind möglich.

Nach der kompletten Entfernung der Hoden oder der Eierstöcke fällt das Risiko weg, an Tumoren oder Entzündungen an den entsprechenden Organen zu leiden. Auch Mammatumore – die jedoch zum Großteil gutartig sind – bilden sich weniger oft.

Mögliche negative Veränderungen nach der Kastration

Andererseits ändert sich auch das gesamte Sozialverhalten. So kann es zu Kommunikationsfehlern der Hunde untereinander kommen, da sie sich nicht mehr richtig „riechen“ können.

Wird der Hund zu früh kastriert, beispielsweise während der Pubertät, wird er in diesem Stadium „stecken bleiben“ – sein kindliches Verhalten wird er nicht mehr ablegen. Auch eine gewisse Lethargie, also Desinteresse, kann sich einstellen. Besonders bei Hündinnen kann es zu gesteigerter Aggressivität insbesondere gegenüber anderen Hündinnen kommen.

Hat sich Dein Vierbeiner an ein Sexualverhalten gewöhnt, also reitet er zum Beispiel anderen Hunden auf, wird das durch eine Kastration höchstwahrscheinlich nicht unterbunden. Das ist eine Frage der Erziehung. Ebenso werden genereller Ungehorsam, fehlende Leinenführigkeit oder andere Verhaltensprobleme nicht korrigiert, sofern diese nicht unmittelbar mit dem Sexualverhalten in Verbindung stehen, also ausschließlich zur Zeit der Läufigkeit auftreten.

Nach der Kastration kann es passieren, dass Dein Hund an Gewicht zunimmt, denn mit dem Wegfall der Hormone wird auch sein Appetit verändert und er verbrauchen weniger Kalorien. Auch Inkontinenz kann eine negative Folge sein und bei manchen Rassen können sich die Risiken erhöhen, an bestimmten Krankheiten zu erkranken.

Auch Fellveränderungen können eine Folge der Kastration beim Hund sein, das sogenannte „Welpenfell“. Dabei wächst das Unterfell über das Oberfell, das Haar wirkt weich und stumpf. Ohrenentzündungen, eine Schilddrüsenunterfunktion treten ebenfalls bei manchen Hunden nach dem Eingriff häufiger auf, auch das Risiko, an weitere Krebsarten zu erkranken, kann sich erhöhen.

Außerdem besteht ein Risiko bei der Narkose und Operation. Narkosezwischenfälle, Komplikationen bei der OP oder der Wundheilung können auftreten, kommen aber eher selten vor. Manchmal muss Dein Hund nach der Kastration eine Halskrause tragen.

Kastration beim Hund: Wie läuft die OP ab?

Du solltest Dir darüber im Klaren sein, dass eine Kastration nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Es ist eine Amputation, die stark in den Hormonhaushalt des Tieres eingreift – deshalb ist es laut Paragraf 6 des Tierschutzes auch notwendig, einen medizinischen Grund für die Kastration anzuführen. Dein alleiniger Wunsch reicht nicht aus, die Gründe müssen im Einzelfall besprochen werden. Dein Tierarzt berät Dich hierbei.

Vor der Operation sollte Dein Hund zwölf Stunden lang nichts mehr gegessen haben, er muss nüchtern zum Termin erscheinen. Am Tag selbst sollte er auch nichts trinken.

Beim Rüden werden nach der Vollnarkose die Haare im Intimbereich rasiert, dann wird der Bereich desinfiziert und steril abgedeckt. Es gibt verschiedene Methoden, wie der Hoden des Hundes freigelegt wird, in jedem Fall wird der Samenstrang abgebunden und der Hoden entfernt. Danach wird der Samenstrang wieder freigegeben und die Wunde vernäht. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten.

Bei Hündinnen ist der Eingriff tiefgehender, auch hier wird die Bauchregion entsprechend vorbereitet, dann erfolgt ein Schnitt unterhalb des Bauchnabels über die gesamte Unterbauchlänge. Der Arzt bindet die Eierstöcke ab und entfernt sie, die Schnitte werden vernäht. Meist wird die Gebärmutter direkt mit entfernt.

Nach ein bis zwei Stunden wacht Dein Vierbeiner aus der Narkose auf, er ist benommen und hat Schmerzen. Du solltest ihn auf keinen Fall alleine lassen und ihm pflichtbewusst die Schmerzmittel verabreichen, die Du vom Tierarzt erhältst und mit nach Hause nimmst.

Nach dem Eingriff solltest Du bis zur Heilung der inneren und äußeren Wunden auf lange Spaziergänge verzichten und ihn an der kurzen Leine halten. Auch sollte er nicht springen. Kontrolliere täglich die Wunde auf Entzündungen. Damit Dein Vierbeiner nicht an der Wunde leckt, gibt es für Rüden eine Halskrause und für Hündinnen ein spezielles Shirt. Etwa zehn Tage Schonung ist bis zum Ziehen der Fäden angesagt.

PRO UND CONTRA

+ keine Fortpflanzung

+ keine Läufigkeit

+ kein hormonbedingter Stress, Psyche stabilisiert sich

+ Vermeidung von Verklebungen, Entzündungen, Tumoren an Eierstöcken und Hoden und anschließenden Organen

– Risiko von Übergewicht

– Wesensveränderung (lethargisch oder aggressiv)

– eventuell Inkontinenz

– Fellveränderung möglich

– Risiko von Ohrenentzündungen und Schilddrüsenunterfunktion steigt

– Risiko an anderen Krebsarten zu erleiden kann sich erhöhen