Hundesprache richtig deuten – Was will mir mein Hund sagen?

SONNTAG, 05.08.2018 Markus Wegertseder

Eine Frage, die sich jeder Hundebesitzer stellen kann: Wie gut kenne ich meinen Hund und verstehe ich immer, was er mir sagen möchte? Die Hundesprache ist gar nicht so schwer zu lernen denn Hunde kommunizieren meisten sehr eindeutig.

Jeder Vierbeiner hat so seine Eigenheiten und besonderen Charakterzüge, die sein Besitzer wohl am besten zu deuten weiß. Trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen zwischen Mensch und Tier. Den meisten Hundebesitzern fehlt es keinesfalls an Liebe und Hingabe für ihren Liebling – eher an Feingefühl, um manche Situationen sensibel einschätzen und die Verhaltenssprache des Hundes richtig interpretieren zu können. Dieser Artikel soll einen Überblick verschaffen, um solchen Missverständnissen vorzubeugen. Auch ein Hundeprofi lernt schließlich nie aus.

Körperhaltung richtig deuten – was bedeutet was?

Die Hundesprache ist sehr facettenreich, allerdings lernst Du schnell die besonderen Charakterzüge Deines Hundes kennen, wenn Du Dich gezielt mit ihm auseinandersetzt. Hunde nutzen dabei ihren ganzen Körper, um mit Herrchen oder Frauchen zu kommunizieren und ihr Befinden oder ihre Absichten mitzuteilen.

Haltung der Rute

Das Wedeln mit dem Hundeschwanz hat verschiedene Beweggründe, drückt aber immer die Intensität des aktuellen Erregungszustandes auf. Dieser kann positiver, aber auch negativer Art sein.

Das Wedeln mit erhobenem Schwanz ist ein Zeichen von intensiver Freude. Du wirst, wenn Du nach Hause kommst, natürlich erst einmal herzlich von Deinem Hund begrüßt – die heftig wedelnde Rute ist dabei nicht wegzudenken. Hier ist kein Missverständnis möglich!

Schwanzwedeln mit angelegter Rute lässt dagegen auf einen angespannten, unsicheren oder sogar ängstlichen Hund schließen. Hunde, die sich fürchten, können auch ohne böse Absichten durchaus zubeißen, also sei jetzt lieber vorsichtig und achte immer auf die gesamte Körperhaltung Deines Vierbeiners.

Der zwischen den Hinterläufen eingeklemmte Schwanz in Verbindung mit leicht eingeknickten Hinterläufen und einer geduckten Haltung signalisiert höchste Anspannung und Angst. Jetzt solltest Du zuerst versuchen, den Grund für die Angst herausfinden und den Hund auf keinen Fall in eine Ecke drängen, da er sonst aus lauter Panik zubeißen könnte.

Knurren und Zähnefletschen

Sträubt sich das Fell, zeigt ein Hund die Zähne oder knurrt laut, sind das alles eindeutige Zeichen dafür, dass Deinem Hund etwas ganz und gar nicht in den Kram passt. Für dieses Verhalten gibt es die vielfältigsten Auslöser und es sollte nicht zwangsläufig als Angst oder Aggression gedeutet werden. Weitere Gründe dafür könnten Unwohlsein, Schmerzen, Frust sein. Auch die Verteidigung des Futters, bzw. der „Beute“ kann ein Auslöser fürs Zähne zeigen und Knurren sein. Wichtig ist, die Situation ernst zu nehmen, nicht gleich loszuschimpfen und der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen!

Wenn der Hund auf einen anderen Artgenossen mit heftigem Schwanzwedeln, Sprüngen und lautem Kläffen reagiert, ist das oft eine Aufforderung, miteinander zu spielen. Genauso gut kann es sich aber auch um eine Warnung an einen Rivalen handeln. Hier liegt es an Dir, die Situation richtig einzuschätzen und die Körper- und Rutenhaltung Deines Hundes zu lesen, um entsprechend reagieren zu können.

Aufgestellte Ohren

Wie jeder weiß, besitzen Hunde ein ausgezeichnetes Gehör und können hohe Geräuschfrequenzen wahrnehmen, die der Mensch nur durch technische Geräte messbar machen kann. Spitzt ein Hund also seine Ohren, hat er seine volle Aufmerksamkeit auf etwas gerichtet. Oft wissen die treuen Vierbeiner schon Minuten vorher, wann ihr Herrchen oder Frauchen nach Hause kommt, da sie die Schritte des Besitzers im Treppenhaus erkannt, oder die zugeschlagene Autotür im Hof gehört haben.

Ausgiebiges Gähnen

Genau wie der Mensch gähnen Hunde, wenn sie Müdigkeit überkommt. Allerdings sind Hunde manchmal recht gute Schauspieler, die mit Streck- und Dehnübungen und ausgiebigem Gähnen ihre Langeweile überspielen wollen. Das Gleiche setzt in Momenten der Verlegenheit und Beschwichtigung ein: Schämt sich Dein Vierbeiner, weil Du ihn bei etwas Verbotenen erwischt hast, so wird die folgende Zurechtweisung oft mit einem scheinbar gelangweilten Gähnen überspielt. Es ist Deinem Hund einfach peinlich.

Ablecken

Oft reagieren Menschen mit Unverständnis, wenn sie ihr Hund an den Armen oder sogar im Gesicht abschleckt. Was viele auch nicht wissen: Einem Hund ist es wichtig, dass sein Rudel den gleichen Geruch annimmt. Durch das gelegentliche Ablecken tarnt der Hund also seine zweibeinigen Rudelmitglieder und sorgt dafür, dass sie den Geruch der Gruppe annehmen.

Natürlich gibt es für den ein oder anderen etwas Angenehmeres als ein nasses Schlabbermaul, das ihm über das Gesicht leckt – aber bedenke, dass dieses angeborene Verhalten nichts anderes ist, als ein Zeichen der Fürsorge und der Zuneigung. Dabei schenkt Dir der Vierbeiner sein vollstes Vertrauen und ordnet sich gleichzeitig unter. Ein Hund wird auch nicht verstehen, wenn Du die Intimitäten mit strengen Verboten und Rügen beantwortest. Besser ist es, ihn liebevoll beiseite zu ziehen und ihn zu streicheln und zu loben, um seine Zuneigung zu erwidern.

Auf den Rücken drehen

Ein eindeutiges Zeichen von höchstem Vertrauen und Unterwürfigkeit ist, wenn sich der Vierbeiner auf den Rücken legt und Dir seine empfindliche Bauchseite zeigt. In der Hundesprache bedeutet dies, dass er sich in Deiner Anwesenheit sehr wohl fühlt. Streicheleinheiten sind in diesen Situationen sehr willkommen.

Auch dieses Verhalten ist angeboren und in der natürlichen Umgebung eines Hunderudels zu beobachten. Bei spielerischen, vor allem aber bei ernsthaften Kämpfen unter Artgenossen hat sich der schwächere Hund zu unterwerfen und dreht sich als Zeichen der Aufgabe auf den Rücken.

Die Hundesprache verstehen

Die wesentlichen Signale sendet ein Hund meistens über seine Körperhaltung, die Ohrenstellung, das Wedeln und diverse Laute aus. Leider tun wir Menschen uns oft schwer damit, diese Sprache zu verstehen: Hat Dein Hund zum Beispiel Schlappohren, wird es schon etwas anspruchsvoller mit der Deutung der Ohrenstellung. Nimm Dir also ausreichend Zeit, Deinen Hund genau kennen zu lernen, kommuniziere mit ihm und versuche, ihn in seiner natürlichen Verhaltensweise zu verstehen. Durch einen stetigen Dialog zwischen Mensch und Hund knüpfst Du ein Band des Vertrauens, das kein Missverständnis der Welt mehr durchtrennen kann.