Hundehaftpflicht: Welche Vorschriften gelten in den einzelnen Bundesländern?

MITTWOCH, 29.05.2019 Simone Jung

Als Hundehalter haftest Du in Deutschland persönlich für alle Schäden, die Dein Hund einem Dritten zufügt. Ganz gleich, ob er sich bei der Jagd nach einem Radfahrer in dessen Hose verbeißt, die sündhaft teure Ming-Vase Deiner Schwiegermutter herunter wirft oder durch das Ausbüchsen auf die Straße einen Verkehrsunfall verursacht. Eine Hundehaftpflichtversicherung schützt Dich vor möglicherweise hohen Regressforderungen. Eine bundesweite Versicherungspflicht gibt es allerdings nicht, denn jedes Bundesland hat seine eigenen Regeln. Und diese solltest Du als Hundehalter unbedingt kennen!

Hundehaftpflicht nur in wenigen Bundesländern Pflicht

Auch wenn Du Dir der Verantwortung als Hundehalter noch so bewusst bist, kann immer etwas passieren. Für einen geringen Monatsbeitrag von durchschnittlich vier bis sieben Euro pro Monat schützt Dich eine Hundehaftpflicht vor potenziell hohen Kosten. In einigen Ländern ist die Haftpflichtversicherung sogar vorgeschrieben.

Nur so ist sichergestellt, dass ein potenziell Geschädigter seinen Schaden auch wirklich ersetzt bekommt, wenn Du diesen aus eigener Tasche nicht zahlen kannst. Im Jahr 2019 gilt die generelle Versicherungspflicht in Hamburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen. In diesen Bundesländern muss Dein Hund ab einem Alter von drei bzw. sechs Monaten haftpflichtversichert sein.

Freiwillige Versicherung und Versicherungszwang für Listenhunde

Abgesehen von diesen sechs Bundesländern, sehen die Regelungen im Rest der Republik sehr individuell aus. Das jeweilige Hundegesetz der Bundesländer sieht unterschiedliche Regelungen vor, die durch kommunale Regelungen ergänzt werden. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das in seinem Hundegesetz keinerlei Versicherungspflicht vorsieht.

Diese gilt nicht einmal für potenziell gefährliche Listenhunde. In Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und dem Saarland dagegen gilt die Versicherungspflicht nur für bestimmte Rassehunde. Abgesehen davon ist der Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung freiwillig.

Das Problem an der Sache ist allerdings, dass jedes Bundesland in seinem Hundegesetz andere Maßstäbe anlegt. Eine Rasse, die in einem Bundesland auf der „Liste“ steht, taucht dort in einem anderen Land nicht zwangsweise auf. Dementsprechend musst Du Dich über die Rasseregelungen in den einzelnen Bundesländern informieren. Die folgende Tabelle zeigt Dir, welche Hunde wo auf der berüchtigten Liste stehen.

Hunderasse

Listenhunde in Bundesland

Alano

BY, BB, NW

American Bulldog

American Pitbull Terrier

BE, BR, BY, BW, BB, HB, HE, HH, MV, NW, RP, SL, SN, ST

American Staffordshire Terrier

Bandog

BY

Bullmastiff

BE, BW, BY, BB, HH, NW

Bullterrier

BE, BB, BW, BY, HB, HH, HE, NW, MV, SN, ST

Cane Corso Italiano

BY, BB

Dobermann

BB

Dogo Argentino

BE, BW, BY, BB, HE, HH, NW

Dogo Canario

BY, BB

Doque de Bordeaux

BW, BY, BB, HH

Fila Brasileiro

BE, BW, BY, BB, HE, HH, NW

Kangal

HE, HH

Kaukasischer Owtscharka

HE, HH

Mastiff

BE, BW, BY, BB, HH, NW

Mastin Espanol

BE, BW, BY, BB, HH, NW

Mastino Napoletano

BE, BW, BY, BB, HH, NW

Perro de Presa Mallorquin

BY, BB

Rottweiler

BY, BB, HE, HH, NW

Staffordshire Bullterrier

HB, BY, BW, BB, HE, MV, HH, RP, NW, SL, ST

Tosa Inu

BE, BY, BW, BB, HH, NW

Anmerkung: Die Versicherungspflicht beschränkt sich nicht grundsätzlich auf diese Hunde. Bei manchen Rassen sind Wesenstests erforderlich, um die Versicherungspflicht festzulegen. Nach der Abschaffung der „Liste“ in Thüringen im Jahr 2018 existiert dort keine pauschale Kategorisierung. Hunde unterliegen hier nur dann einer Versicherungspflicht, wenn sie sich zuvor auffällig gezeigt haben. Nichtsdestotrotz empfehlen wir gerade für potenziell gefährliche Rassen ebenso eine Hundehaftpflichtversicherung wie für Hunde, die sich nicht auf der „Liste“ wiederfinden. Ein Großteil der Bundesländer hat diese schließlich nicht umsonst eingeführt.

Weitere Regelungen der Bundesländer

Parallel zur allgemeinen oder spezifischen Versicherungspflicht schreiben die Bundesländer Hundehaltern weitere Regeln vor. Das betrifft beispielsweise die minimale Deckungssumme einer Hundehaftpflichtversicherung. Hinzu kommt eine Leinenpflicht, die an bestimmten Orten auch für Nicht-Listen-Hunde gilt. Spezifiziert werden diese Regeln oftmals sogar auf Gemeindeebene Deines Wohnorts. Gleiches gilt für die Maulkorbpflicht, die in einigen Bundesländern auch für Nicht-Listen-Hunde etwa auf Volksfesten gilt.

Gesetzliche Regelungen zu Versicherungspflicht in den Bundesländern

Bei all den verschiedenen Regelungen einen Überblick zu behalten, ist nicht leicht. Die folgende Tabelle zeigt Dir die wichtigsten gesetzlichen Regelungen bzgl. der Versicherungspflicht sowie der damit in Verbindung stehenden Regelungen.

Bundesland

Besondere Regelungen

Baden-Württemberg

Für die Haltung eines "gefährlichen Hundes" ist ab dem 6. Lebensmonat eine HV notwendig. Hierzu sieht das Land eine "Besondere Haftpflichtversicherung vor. 

Bayer

Keine speziellen Vorgaben für eine Hundehaftpflichtversicherung.

Berlin

Die Deckungssumme für die Hundehaftpflicht muss mindestens 1 Mio. Euro betragen. 

Brandenburg

Die Mindestdeckungssumme für Personenschäden muss bei 500.000 Euro liegen. Jene für sonstige Schäden bei mindestens 250.000 Euro.

Bremen

Nachweispflicht bei der Ortspolizeibehörde.

Hamburg

Die Mindestdeckungssumme für Sach-,Personen- und Vermögensschäden muss bei 1 Mio Euro liegen. Zudem darf die Selbstbeteiligung höchstens bei 500 Euro liegen.

Hessen

Die Deckungssumme für Sach-,Personen- und Vermögensschäden muss mindestens bei 500.000 Euro liegen.

Mecklenburg-Vorpommern

Keine Versicherungspflicht. 

Niedersachsen

Eine HV ist ab dem 6. Lebensmonat Pflicht und muss über eine Mindestdeckungssumme von 500.000 Euro für Personenschäden verfügen. Bei Sachschäden gilt ein Minimum von 250.000 Euro.

Nordrhein-Westfalen

Die Mindestversicherungssumme für Sachschäden beträgt 250.000 Euro. Bei Personenschäden gelten 500.000 Euro als Minimum.

Rheinland-Pfalz

Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro für Personen- und 250.000 Euro für sonstige Schäden.

Saarland

Hier ist eine Deckungssumme von mindestens 1 Mio. Euro für Personen- und 500.000 Euro für sonstige Schäden vorgesehen. Den Nachweis des Versicherungsschutzes müssen Hundehalter jährlich erbringen.

Sachsen

Keine festgeschriebene Mindestdeckungssumme.

Sachsen-Anhalt

Minimale Deckungssumme von 1 Mio. Euro für Personen- und Sachschäden. Für sonstige Vermögensschäden wird eine Deckungssumme von mindestens 50.000 Euro vorausgesetzt.

Schleswig-Holstein

Die Mindestversicherungssumme beträgt 500.000 Euro für Personen- und 250.000 Euro für Sachschäden.

Thüringen

Auch hier gilt eine Mindestdeckungssumme von 500.000 Euro für Personen- und 250.000 Euro für sonstige Schäden. 

Fazit – Eine Hundehaftpflichtversicherung gehört dazu

Auch wenn sich die Regelungen der Bundesländer unterscheiden, gehört eine HV dazu wie für Deine Fellnase der Kauknochen. Achte beim Abschluss einer Versicherung in jedem Fall auf eine ausreichende Deckungssumme. Die Vorschriften der Länder sind hier tatsächlich meist nur als absolutes Minimum zu verstehen. Insbesondere für Personenschäden sollte die Mindestdeckungssumme eine Million Euro auf keinen Fall unterschreiten.

Bei einem schweren Autounfall, der von Deinem Schlappohr verursacht wurde, können allein die Renten-, Verdienstausfall- und Schmerzensgeldansprüche leicht in den siebenstelligen Bereich klettern. Mehr zum Thema Hundehaftpflichtversicherung erfährst Du auch in unserem Artikel „Bestens abgesichert: Welche Versicherungen braucht mein Hund?“.

Beagle auf Schreibtischstuhl vor PC pin

Simone Jung