Erste Hilfe beim Hund

SONNTAG, 16.09.2018 Julia Weinzierler

Auch Dein Hund kann in eine Situation kommen, die Erste-Hilfe-Maßnahmen erfordert. Gerade in diesen brenzligen Momenten ist schnelles Handeln angesagt. Daher ist es wichtig, dass Du alle nötigen Werkzeuge sowie das Know-How hast, Dich um Deinen leidenden Vierbeiner zu kümmern. Alle wichtigen Eckpunkte haben wir in diesem Text zusammengestellt.

Erste-Hilfe-Apotheke für Zuhause

Wer seinem Hund in einer Notfallsituation helfen will, sollte die nötigen Werkzeuge dazu haben. Auch für die Reise empfiehlt sich eine Reiseapotheke. Was Du aber auf jeden Fall daheim haben solltest, haben wir Dir hier zusammengestellt:

  • Instrumente: Taschenlampe, Schere, Pinzette, Zeckenzange, Fieberthermometer, Einmalhandschuhe, Staubinde, Wärmeflasche, Kühlkissen, Rettungsdecke, Maulkorb
  • Verbandsmaterial: Sterile Wundkompressen, Watte, Verbandwatte, Mullbinden, Klebeband, elastische Binden
  • Medikamente, Salben: Wundsalbe, Kohletabletten, antiseptisches Desinfektionsmittel, Mittel zur Augen- und Ohrreinigung

Tipp: In den meisten Fällen bleibt aber trotz erster Hilfe ein Arztbesuch unumgänglich. Daher solltest Du Dir die Nummer von Deinem Tierarzt, die Tiernotrufnummer sowie die Nummer der nächstgelegenen Tierklinik oder Tierambulanz im Handy abspeichern.

Der Ernstfall

Es gibt leider viele Notfallsituationen, in die Dein Hund kommen kann. Wie beim Menschen auch entscheidet dann oft das richtige Handeln der Beteiligten darüber, wie das Unglück ausgeht. Doch egal um welchen Notfall es sich handelt, Du solltest Dich dem Tier immer langsam und vorsichtig nähern. Selbst wenn es Dein eigener Vierbeiner ist, kann er aufgrund der Schmerzen mit Beißen reagieren und damit nicht nur seinen eigenen Zustand verschlechtern, sondern auch Dich verletzen.

Erste Hilfe beim Hund erstreckt sich dabei über ein sehr breites Spektrum. Notfälle lassen sich wie folgt unterteilen:

  • Lebensbedrohliche Notfälle: wie zum Beispiel Herz- oder Atemstillstand, Blutungen, Schockzustand, Schussverletzungen, Erstickungsanfall, Ertrinken
  • Akute Notfälle: wie zum Beispiel Bissverletzungen, Vergiftungen, Darmverschluss, Fremdkörper, Hitzschlag, Magendrehung, offener Knochenbruch, Schlangenbiss, Sonnenstich
  • Weitere, nicht akute, Notfälle: etwa Augenverletzung, Ballenverletzung, Humpeln, Insektenstich, Krallenverletzung, Knochenbruch, Nasenbluten, Verletzung an der Pfote, Stromschlag, Unterkühlung, Verbrennung

Wenn der Hund bewusstlos ist, kann dies verschiedene Ursachen haben. Falls Du aber keinen Atem spürst und keinen Herzschlag erkennst, solltest Du mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung starten. Lege den Hund dazu auf die rechte Seite, strecke seinen Kopf und ziehe die Zunge heraus. Danach startest Du mit der Herzmassage. 60 - 90 Mal pro Minute drücken (eine Massage pro Sekunde) folgen zwei Beatmungen. Beachte: nach 30 Mal drücken, folgen zwei Beatmungen. Das Video zeigt Dir noch einmal im Detail, wie Du genau vorgehen musst:

Wenn der Hund stark blutet, solltest Du schnell einen Druckverband anlegen. Bei Pfotenverletzungen empfiehlt sich ein Verband an der Pfote Deines Vierbeiners. Wie Du Verbände richtig anlegst, hat die Tierrettung in verschiedenen Videos zusammengestellt. Ein guter Verband erfüllt drei Kriterien: Er stoppt das Blut, schützt die Wunde und stellt die Gliedmaßen ruhig. Das Anlegen eines Verbandes kannst Du mit Deinem Hund ganz einfach üben, sodass er im Notfall mit der Situation vertraut ist.

Wie geht es nach der Ersten Hilfe weiter?

Deinen Vierbeiner zu versorgen ist sehr wichtig, aber auch Dein Handeln danach sollte überlegt sein. Wenn es sich etwa nur um einen kleinen, nicht weiter schlimmen Insektenstich handelt, musst Du keinen Arzt aufsuchen. Sofort zum Arzt oder in die nächstgelegene Klinik dahingegen musst Du bei Blutungen, offenen Knochenbrüchen und Augenverletzungen, einem Schock oder Sturz, sowie Schnitt- oder Risswunden und Bissverletzungen. Einen Tag warten kannst Du im Falle von Schürfwunden, Schnittwunden am Ballen oder etwa leichten Krallenverletzungen. Aber wie immer gilt: Fühlst Du Dich unsicher, solltest Du immer einen Tierarzt aufsuchen. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!

Transport des Hundes

Ansonsten heißt es in akuten Notfällen, dass Du den Hund für den Transport fertigmachen musst. Wenn Dein Hund nicht mehr selbst laufen kann, musst du ihn tragen. Achte dabei darauf, dass die verletzte Körperseite von dir abgewandt ist. Bei Verletzungen von Gliedmaßen kannst Du diese hängen lassen, das gilt aber nicht für Brüche. Dann sollte das gebrochene Gliedmaß lagernd transportiert werden und möglichst ohne Bewegung.

Vor allem bei kleineren Hunden ist der Transport weniger problematisch – sie können einfach in einen Korb gelegt werden. Große Hunde sollte man zu zweit in einem großen Tuch tragen, bei Knochenbrüchen wenn möglich auf einer Trage (etwa einer großen Platte).

Erste Hilfe für Hunde pin

Erste Hilfe für den Hund

Man wünscht es keinem, aber leider kann es immer dazu kommen: Wenn Dein Hund sich verletzt, solltest Du dir daher immer im Klaren darüber sein, wie man richtig handelt. Du solltest also nicht nur Erkennen können, was Deinem Hund fehlt, sondern auch die nötigen Schritte einleiten. Oftmals heißt das auch, Dein Tier nach den Erste-Hilfe-Maßnahmen für den Transport fertigzumachen. Im Zweifelsfall kannst Du immer den Tierarzt Deines Vertrauens konsultieren - dessen Nummer Du in Deinem Handy gespeichert haben solltest. Denn wie immer gilt: Lieber fährst Du den Weg in eine Tierklinik oder zum Arzt ein Mal zu oft, als ein Mal zu wenig!

Julia Weinzierler