DONNERSTAG, 21.03.2019 Julia Weinzierler

Im Tierreich gilt eigentlich eine Tendenz: Große Tiere leben länger als kleine. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – bei Schildkröten etwa geht der Zusammenhang nicht auf. Auch Hunde widersprechen der Faustregel. Ein Chihuahua kann seinen Besitzer 20 Jahre lang begleiten. Ein Berner Sennenhund, der eigentlich robuster wirkt als eine solch kleine Fellnase, wird aber nur sechs bis acht Jahre alt. Warum leben kleine Hunde länger?

Inwieweit ist Lebenserwartung beeinflussbar?

Natürlich hängt die Lebenserwartung eines Tieres nicht nur von der Rasse ab. Wichtig ist auch, wie viel sich ein Tier bewegt, wie gesund das Futter ist und wie schnell mögliche Krankheiten erkannt und behandelt werden. Kurzum: Je gesünder ein Hund lebt, desto länger darf er auch auf der Erde verweilen.

Dennoch gibt es ein „Aber“: Es existiert ein Alter, das bestimmte Rassen nicht überschreiten, während andere Hunde dieses locker überleben. Ein Golden Retriever im Alter von 15 Jahren ist eher eine Sensation – für einen Dackel gilt das nicht. Und das unabhängig davon, was für ein gesundes und glückliches Leben der Hund geführt hat.

Warum leben kleine Hunde länger?

Was ist nun der Grund dafür, dass kleine Hunde eine höhere Lebenserwartung haben als große? Der Trend ist kein Einzelfall, er setzt sich über alle Rassen hinweg fort und ist auch unabhängig von der Lebensführung kaum zu durchbrechen. Eine wichtige Frage, die Hundehalter dabei umtreibt, ist, ob große Hunde einfach jung sterben müssen oder schneller altern als kleine Hunde.

Die Forschung zu diesem Thema steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen, ein finaler Konsens hat sich bisher noch nicht abgezeichnet. Doch es gibt immerhin eine Theorie, die sich mittlerweile etabliert hat – und sie deutet darauf hin, dass große Hunde einfach schneller altern und dementsprechend ebenso in hohem Alter sterben. Sie erreichen dieses nur – nach unserer Zeitrechnung – früher als ihre kleinen Artgenossen.

Schuld sollen die freien Radikale sein

Indizien dafür haben Forscher der Colgate Universität in New York gefunden. Für ihre Studie haben sie Hunden Gewebeproben entnommen und im Hinblick auf sogenannte freie Radikale untersucht. Diese suchen, einfach gesagt, im Körper nach einem Elektron und nehmen es, sobald sie eins finden, einem anderen Molekül weg, welches sich dann wiederum ebenfalls auf die Suche nach einem Elektron machen muss.

Bei diesem Prozess werden Zellen geschädigt, nur Antioxidantien können diesen Zellverfall aufhalten, indem sie die freien Radikale einsammeln und ein Elektron abgeben. Je mehr freie Radikale und weniger Antioxidantien in einem Körper sind, desto schlechter geht es dem eigenen Körper und es wird vermutet, dass in diesem Zustand der Alterungsprozess schneller voranschreitet.

Große Hunde müssen schneller wachsen

Das Ergebnis der Forscher aus den USA: Bei erwachsenen Hunden gibt es keinen Unterschied zwischen den Hunderassen, doch im jungen Welpenalter trugen in ihrer Studie große Hunde viel mehr von den freien Radikalen in sich. Und obwohl sich dieser Wert normalisiert, ergibt das ein großes Problem:

Die Studie der Forscher legt nahe, dass die Welpen von großen Rassen viel schneller an Gewicht zulegen als die von kleinen Rassen. Das verlangt dem Körper der kleinen Tiere einiges ab – und bei diesem Prozess werden viele freie Radikale gebildet und der Körper hat gleichzeitig weniger Kapazitäten, Zellen zu reparieren und dem Schaden entgegenzuwirken. Aus diesem Grund sind die Zellen von großen Hunden unter Umständen schon in sehr jungem Alter geschädigt, sodass die Tiere schneller altern.

Dennoch bleibt ein gesundes Leben wichtig

Ob diese Theorie nun zu einhundert Prozent den Kern trifft, oder es noch andere Faktoren gibt, müsste in weiteren Studien noch bewiesen werden. Als Hundebesitzer kannst Du Dich dennoch darauf einstellen und solltest nicht der Hoffnung verfallen, dass ein Schäferhund ein Alter von 20 Jahren erreichen wird.

Trotz allem ist ein gesundes Leben ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden des Tieres. Ausgewogene Ernährung, passende Bewegung und glückliche gemeinsame Stunden sollen das Leben der Vierbeiner auf Erden füllen. Ganz egal, wie lange sie schlussendlich bei uns verweilen.