Canicross ist in Deutschland bisher keine besonders bekannte Hundesportart, auch wenn es sie schon seit über 30 Jahren gibt und die Beliebtheit zunimmt. Im Gegensatz zum Gassi gehen ist hier für den Vierbeiner das Ziehen an der Leine nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich erwünscht: Beim gemeinsamen Lauf führt der Vierbeiner den Zweibeiner und verhilft diesem manchmal zu einer höheren Geschwindigkeit als alleine.

Was ist Canicross?

Canicross nahm seine Anfänge in den 80er Jahren in Frankreich und hat seine Ursprünge im Skijöring, bei dem Hunde einen Schlittenfahrer ziehen. Eine weitere Variante ist das Bikejöring, bei dem die Vierbeiner ihren Menschen auf dem Fahrrad im Schlepptau haben. Anders als bei diesen Varianten und vielen anderen Hundesportarten wird beim Canicross auch der Mensch körperlich richtig gefordert und muss selbst sportliche Höchstleistungen bringen.

Beim schnellen Joggen durch die Natur ist er mit seinem pelzigen Sportsfreund über einen Bauchgurt und ein spezielles Geschirr mit einer flexiblen, zwei Meter langen Leine verbunden. Der Hund soll seinen Begleiter anführen und ziehen – und das Ganze in einer hohen Geschwindigkeit.

Angst haben, wo Du am Ende ankommst, musst Du aber trotzdem nicht: Der Vierbeiner sucht natürlich nicht die komplette Route alleine aus, sondern wird mit Hilfe von Deinen Kommandos wie „links“ oder „rechts“ auf den richtigen Pfad gebracht.

Canicross: Kein gewöhnlicher Geländelauf mit Hund

Im Gegensatz zum Canicross kann beim Geländelauf neben dem Bauchgurtsystem die Leine auch einfach in der Hand gehalten werden. Außerdem stehen im Turnierhundesport drei unterschiedliche Streckenlängen zur Auswahl: Ein, zwei und fünf Kilometer.

Im Canicross dagegen sind die Strecken oft abwechslungsreicher und haben keine von vorneherein festgelegte Länge. Der Läufer weiß also beim Start noch nicht, wie lange er und sein Hund unterwegs sein werden und wie sie sich ihre Kraft genau einteilen müssen.

Während der Geländelauf in der Regel in einem Tag abgeschlossen ist, erstrecken sich Canicross-Veranstaltungen mit zwei Rennen über zwei Tage. Im klassischen Geländelauf erfolgt der Start außerdem grundsätzlich im Einzelstart nacheinander, während es im Canicross etliche Varianten wie Massenstarts, Staffeln oder Nachtläufe gibt. Dies erhöht die Abwechslung, aber natürlich auch die Herausforderung.  

Für welche Hunde ist Canicross geeignet?

Bei einigen professionellen Canicross-Wettkämpfen ist vorgeschrieben, dass der Vierbeiner mindestens 20 Kilogramm auf die Waage bringen und ein Stockmaß von 45 Zentimetern haben sollte. Für diesen Hundesport  sind besonders Huskys optimal geeignet.

Im Hobby- und Freizeitbereich kannst Du aber mit jedem Hund teilnehmen. Hauptsache er ist lauffreudig und gesund. Natürlich ist die Zugkraft eines Rhodesian Ridgebacks wesentlich größer als die eines Jack Russel Terriers, was den menschlichen Läufer vor unterschiedliche Herausforderungen stellt.

Mit schweren Hunden kommt es leichter zu Stürzen, Du profitierst aber umgekehrt auch von der Zugkraft und einer höheren Geschwindigkeit. Bei kleinen Hunderassen sollte darauf geachtet werden, ob eine Pause nötig oder die Strecke möglicherweise zu anstrengend oder zu lang für den Begleiter wird.

Lauffreudige Hunderassen sind beispielsweise Pudel, Australian Shepherd, Border Collie und Weimaraner. Eher ungeeignet sind dagegen Rassen wie der kurznasige Mops, der kurzbeinige Basset oder auch Winzlinge wie Chihuahuas, die sich bei einem unbedachten Tritt des Läufers schwer verletzen könnten und allein aufgrund der Größe oder Geschwindigkeit als Zughund nicht eingesetzt werden können.

Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, Canicross auch mit einem kleineren sportlichen Hund zu versuchen, auch wenn dieser Dich nicht so ziehen kann wie ein großer. Wenn Du Dir unsicher bist, ob sich Dein Vierbeiner für Canicross eignet, solltest Du einen Tierarzt um Rat fragen. Da es sich um eine anstrengende Sportart handelt, ist es außerdem wichtig, den Hund dort vor Trainingsbeginn durchchecken zu lassen, ob er gesund ist und der Belastung standhält.

Das Herz-Kreislauf-System muss absolut gesund sein, auch unter Gelenk- oder Hüfterkrankungen sollte Dein Vierbeiner nicht leiden. Für Hunde-Senioren ist Canicross ebenso ungeeignet wie für Welpen und Junghunde, da diese noch im Wachstum sind und Knochen, Bänder und Gelenke nicht stabil genug sind. Zu viel Bewegung könnte in diesem Alter zu Wachstumsstörungen und Gelenkerkrankungen führen.

Je nach Rasse sollte ein Hund daher nicht früher als mit einem oder eineinhalb Jahren an Canicross teilnehmen, sofern er dann ausgewachsen ist. Den geeigneten Zeitpunkt solltest Du am besten ebenfalls von einem Tierarzt bestimmen lassen. Das gleiche gilt für die Frage, ab wann ein Hund zu alt für Canicross ist oder nur noch kleinere Runden mitlaufen sollte.

Für dich gilt das übrigens auch: Auch Du solltest Dich zu Beginn am besten einmal ärztlich durchchecken lassen, ob Du gesundheitlich in der richtigen Verfassung für diese anstrengende Sportart bist.

Wo kannst Du Canicross machen?

Für das gemeinsame Training eignet sich ein Gelände mit Gras- und Waldböden, das die Hundepfoten nicht aufscheuert und natürliche Hindernisse in Form von Baumstämmen, Pfützen und Wurzeln bietet. Idealerweise sollten dort nicht allzu viele andere Menschen unterwegs sein, um wirklich entspannt Vollgas geben zu können und Kollisionen zu vermeiden.

Längere Asphalt-Strecken solltest Du dagegen ebenso vermeiden wie Training bei Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit. Je nach Hunderasse können bereits Temperaturen über 15 Grad zu warm für die hohe körperliche Belastung sein. Canicross ist also keine Sportart, die Du im Sommerurlaub am Strand ausführen solltest – maximal sehr früh am Morgen nach einem erfrischenden Bad mit nassem Fell.

Wer zu Beginn unsicher ist, wo er ein Gebiet findet, das für Canicross geeignet ist, kann sich auch einer Canicross-Gruppe anschließen. Hier profitierst Du beim Erlernen der Sportart auch von den Erfahrungen anderer und Dein Vierbeiner kann bei seinen Artgenossen etwas „spicken“, was von ihm erwartet wird.

Für Fortgeschrittene gibt es dann die Möglichkeit, an Wettbewerben teilzunehmen. Diese werden häufig im Rahmen von Veranstaltungen für Schlittenhunde abgehalten.

Welche Ausrüstung brauchst Du für Canicross?

Das Equipment, das Du für diese Hundesportart benötigst, ist überschaubar. Der Hund sollte ein gut passendes Canicross-Zuggeschirr tragen, das ihm Luft zum Atmen lässt und beim Ziehen an den Druckpunkten nicht scheuert. Keinesfalls sollte einfach ein gewöhnliches Geschirr oder gar das Halsband für das Ziehen an der Leine genutzt werden, da es auf diese Weise zu Verletzungen und Schmerzen kommen kann.

Du brauchst einen Bauchgurt, der über eine zwei Meter lange Leine mit Ruckdämpfer und Panikhaken mit dem Tier verbunden wird. Der Ruckdämpfer gleicht plötzliche Bewegungen aus, damit die Wirbelsäulen nicht geschädigt werden. Der Panikhaken kann die Leine im Notfall wie beispielsweise bei einem Sturz oder bei zu viel Zug sofort lösen.

Wie beim Joggen sind außerdem gute Laufschuhe mit ordentlichem Profil sinnvoll sowie wasser- und schmutzabweisende Kleidung. In steinigem Gelände kann eine Schutzbrille Deine Augen vor Kieseln schützen, die der Hund beim Rennen mit seinen Hinterläufen hochschleudert.

Wie kannst Du mit Canicross anfangen?

Canicross kann anfangs eine ziemliche Herausforderung für das Mensch-Hund-Team sein. Zum einen brauchen beide Partner eine sehr gute Kondition, zum anderen auch ein schnelles Reaktionsvermögen und eine gute Koordination. Sie müssen ein eingespieltes Gespann sein und gut aufeinander abgestimmt sein.

Eine der größten Schwierigkeiten ist zu Beginn, dass der Hund beim Canicross vieles vergessen muss, was er bisher gelernt hat. Statt brav neben Herrchen oder Frauchen an durchhängender Leine zu laufen, soll er ziehend vorausrennen – das wurde ihm als junger Hund eigentlich mühsam abtrainiert.

Dabei soll er dann auch noch auf Kommandos von hinten wie „links“, „rechts“ oder „schneller“ achten, die er möglicherweise auch erst noch lernen muss. Dass der Vierbeiner nach dem Erlernen von Canicross dann auch beim Spazierengehen wieder an der Leine zieht, musst Du dennoch nicht befürchten. Er kann die beiden Situationen unterscheiden.

Muss Canicross neu gelernt werden, ist es anfangs von Vorteil, mit geringer Geschwindigkeit zu starten und bei den ersten Versuchen eher zu walken als zu joggen. Dies hilft auch, wenn die Kondition bei einem oder beiden Team-Partnern noch nicht so gut ist. Anschließend kannst Du dann in Intervallen trainieren und abwechselnd ein paar Minuten walken und ein paar Minuten joggen. Den Lauf-Anteil kannst Du schrittweise erhöhen, bis Du die komplette Tour mit Deinem Begleiter joggst.

Da Du aber als Neueinsteiger beim Erlernen und Beibringen von Canicross einiges falsch machen kannst, empfiehlt es sich, eine professionelle Ausbildung im Zughundesport zu machen. Auf diese Weise verhinderst Du, Deinen Hund zu überfordern oder dass er das Training als etwas Unangenehmes wahrnimmt, wie es anfangs beispielsweise durch unpassendes Rucken an der Leine geschehen kann.

Neben der richtigen Technik ist es außerdem wichtig, den Charakter Deines Hundes zu beachten, um zu entscheiden, wie er Canicross am besten lernt. Einigen Tieren liegt das Voranlaufen weniger als anderen, wenn sie beispielsweise eher unsicher veranlagt sind. Auch hier kann der Profi Tipps geben, wie der Vierbeiner an der neuen Aufgabe Freude entwickelt.

Einige Tiere müssen behutsam an das Vorweglaufen herangeführt werden, indem der Trainer anfangs ganz vorne läuft und lockt – andere Tiere mit überschäumendem Temperament müssen dagegen gebremst werden, um Stürze zu vermeiden. Ein gut ausgebildeter Trainer kann individuell auf die Situation eingehen und Tipps geben, wie der Sport gemeinsam Spaß macht und für Mensch und Tier gut funktioniert.  

Vor jedem Training sollten Du und Dein Hund euch gut aufwärmen, um Verletzungen zu vermeiden. Wie vor dem Joggen sind dafür langsames Anlaufen und behutsame Dehnübungen gut geeignet.

In dieser Zeit sollte Dein Vierbeiner auch die Gelegenheit haben, sich ausreichend zu lösen, damit er sich bei eurer Trainingseinheit ohne Einschränkungen auf das Canicross konzentrieren kann. Auch nach der Canicross-Runde solltest Du nicht sofort von Hundert auf Null abstoppen, sondern noch eine Weile ruhig weitergehen, bis sich der Puls langsam beruhigt.

Bei so einer fordernden sportlichen Beschäftigung ist es außerdem wichtig, ausreichend zu trinken beziehungsweise Deinem Hund genügend Wasser zur Verfügung zu stellen und nachher eine ausgiebige Ruhepause einzulegen.

CANICROSS – WAS IST DAS?

  • Canicross: Hundesportart, bei der der Hund voranläuft und den joggenden Menschen zieht
  • Geeignet für: Ausgewachsene, gesunde und sportliche Hunde, die gerne viel laufen
  • Ungeeignet für: Kurzbeinige Hunde, Tiere mit Atemschwierigkeiten, sehr kleine Hunde
  • Benötigte Ausrüstung: Bauchgurt, 2m-Leine mit Ruckdämpfer und Panikhaken, Zuggeschirr, Joggingschuhe, wetterfeste Kleidung, eventuell Schutzbrille
  • Einstieg: Ärztlicher Gesundheitscheck bei Mensch und Tier, Ausbildung im Zughundesport unter professioneller Anleitung