Gesunde Ernährung ist gerade im Trend und das nicht nur bei den Menschen. Viele Tierbesitzer achten darauf, welche Inhaltsstoffe das Tierfutter enthält. Wer sich intensiv mit den Bestandteilen von Hunde-, Katzen- und Nagetierfutter auseinandersetzt, der wird schnell feststellen: einige Produkte sind gar nicht so gesund, wie Verpackung oder Name versprechen. Die Alternative könnte „Barfen“ sein. Aber was ist Barfen eigentlich? Ist das wirklich gesund? Und: Worauf muss man achten? Diesen und weiteren Fragen sind wir auf den Grund gegangen.

BARFen kommt aus den USA und steht ursprünglich für „Born-Again Raw Feeders“ (wiedergeborene Rohfütterer). Mit der Zeit hat sich die Abkürzung verändert und steht heute für „Bones And Raw Foods“ (Knochen und Rohfutter). In Deutschland wurde BARF frei übersetzt mit „Biologisch artgerechtes rohes Futter“. Beim Barfen bekommen Haustiere (meistens Hunde oder Katzen) nur rohes Futter, das nicht verarbeitet ist. Das bedeutet aber nicht, dass das Hunde- oder Katzenfutter nicht industriell verarbeitet wurde. Wer fertiges BARF-Futter kauft, der kauft auch Industriefutter.

Seit wann gibt es die BARF-Methode?

Tatsächlich ist Barfen keine „neue Erfindung“, denn bis zu den 1960er Jahren gab es für Haustiere (Hunde und Katzen) kein industriell gefertigtes Futter. Hunde und Katzen bekamen die Fleischreste zu fressen, die beim Kochen übrigblieben. Die Industrie entdeckte dann eine Marktlücke und produzierte Fertigfutter. Dieses fertige Futter war zudem auch günstiger als Fleisch und Knochen vom Metzger oder Schlachter. Über die Jahre hat sich das Fertigfutter verändert und ist sicher auch „gesünder“ geworden. Dennoch sind Tierbesitzer gut beraten, wenn sie vor dem Kauf die Inhaltsstoffe genau überprüfen.

Was ist drin im BARF-Futter?

Egal ob gekauft oder „selbst“ hergestellt, beim Barfen gibt es nur rohes Fleisch, Knochen, Innereien und kleine Mengen an Obst, Gemüse und Nüssen. Die letzten drei Komponenten sollen den Mageninhalt vom gerissenen Tier in freier Wildbahn nachstellen. Dosen- und Trockenfutter ist bei der BARF-Methode tabu. Auch Snacks und Leckerlies dürfen nicht gefüttert werden, denn auch sie sind industriell hergestellt.

Warum soll man Barfen?

Durch das strikte Füttern von rein natürlichen Futtermitteln möchten Tierhalter die ursprüngliche Ernährung von Hunden und auch Katzen imitieren. Glaubt man überzeugten BARF-Anhängern, ist diese Fütterungsmethode nicht nur gesünder für das Tier, sondern soll auch für Fell und Krallen gut sein. Klar ist: künstliche Zusatzstoffe, Konservierungsstoffe, Aromen und Zucker sind weder für Mensch noch Tier gesund. Befürworter der BARF-Methode weisen auch auf die zunehmende Zahl von Tieren hin, die an sogenannten Industriekranken leiden. In der Tat gibt es immer mehr Tiere, die an Diabetes oder Futtermittelallergien leiden.

Wie funktioniert Barfen im Alltag?

Ganz egal ob ein Haustier nun an einer Futtelmittelallergie leidet oder nicht, wer sich für das Barfen entscheidet, muss – in den meisten Fällen – die Fütterungsmethode erst einmal umstellen. Wer sein Haustier gut kennt, weiß, ob es empfindlich auf (Futter)Änderungen reagiert oder nicht. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine langsame und schrittweise Umstellung auf die BARF-Methode.

Wer sein Haustier langsam auf das neue Futter einstellen möchte, der gibt dem herkömmlichen Futter nach und nach immer mehr Rohfutter zu. So lässt sich auch gut feststellen, welche Bestandteile das Haustier mag und welche nicht. Gerade bei Obst, Gemüse und Nüssen sind die Vorlieben unterschiedlich. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn nicht jedes Lebensmittel ist für Hunde und Katzen geeignet, manche sind sogar giftig.

Gibt es Risiken beim Barfen?

Grundsätzlich ist es nicht falsch Hunde und Katzen mit rohem Fleisch, Gemüse, (ausgewähltem) Obst und Knochen zu füttern. Allerdings gibt es einige Punkte, die Tierhalter beachten müssen. Wer sich für das Barfen entscheidet, der muss gut über das Thema „Rohfütterung“ Bescheid wissen und braucht daher gute Kenntnisse in der Futtermittelkunde. Hat man diese nicht, sollte unbedingt der Tierarzt befragt werden. Er kann helfen, einen korrekten Futterplan zu erstellen und weiß genau, welche Rohfütterung für das eigene Haustier geeignet ist.

Noch gibt es keine Langzeitstudien zum Thema Barfen, aber Experten warnen: die Rohfütterung von Tieren kann zu Blähungen und Durchfall führen. Beim Barfen ist der Fleischanteil im Futter selbstverständlich enorm hoch und daher nehmen die Tiere sehr viel Proteine auf. Gerade im fertigen BARF-Futter werden gerne Schlachtabfälle wie Lunge oder Euter verwendet. Diese bestehen aus Bindegewebe und sind schwer verdaulich. Das – und der hohe Proteinanteil – kann zu Bauchschmerzen und Blähungen führen.

Tierärzte warnen zudem, dass eine langfristige Überfütterung mit Eiweiß sogar zu Leber- und Nierenschädigungen führen kann. Wer ein Tier hat, das bereits Probleme mit Nieren und/oder Leber hat, der sollte auf das Barfen ganz verzichten.

Ein weiterer Punkt, der möglicherweise zu Problemen führen kann, ist das Füttern von Knochen. Tiere, die nach der BARF-Methode gefüttert werden, brauchen unbedingt 10 Gramm Knochen pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag im Futter. Diese Menge ist nötig, um das Tier ausreichend mit Kalzium zu versorgen. Aber auch hier sprechen Tierärzte und Experten eine deutliche Warnung aus: diese Menge sollte nicht überschritten werden, denn das kann zum sogenannten „Knochenkot“ führen der wiederum mit Verstopfung einhergeht.

Zu wenig Mineralstoffe beim Barfen?

Die Ludwig-Maximilians-Universität in München hat 95 Futterpläne von gebarften Tieren analysiert und dabei festgestellt, dass bei 60 Prozent Spurenelemente und Vitamine nicht bedarfsgerecht gefüttert werden. Bei zehn Prozent der Futterpläne war die Kalziumversorgung sogar sehr kritisch. Der Vitamin A/β-Carotin Bedarf wurde bei 25 Prozent nicht ausreichend gedeckt, weil auf diesen Futterplänen weder Leber noch entsprechendes Gemüse stand.

Besonders Welpen und ältere Hunde reagieren sehr empfindlich auf einen Mangel an Nährstoffen. Gerade bei Welpen und Hunden, die noch im Wachstum sind, kann eine Unterversorgung sogar sehr gefährlich werden. Das Knochenwachstum kann gestört werden, sodass sich der Hund nicht richtig entwickeln kann.

Muss ich beim Barfen noch was beachten?

Neben einem bedarfsgerechten Futterplan ist auch die Hygiene beim Barfen sehr wichtig. Tierhalter sollten niemals vergessen, dass sie mit rohem Fleisch umgehen und dabei gibt es einige Dinge zu beachten.

Punkt 1: Gekauftes BARF-Futter ist meistens tiergekühlt. Die Kühlkette darf niemals unterbrochen werden. Angetautes Futter darf nicht wieder eingefroren werden. Eine entsprechende Kühlbox oder Kühltüte sollte also zur BARF-Ausstattung gehören.

Punkt 2: Hygiene ist besonders wichtig. Rohes Fleisch darf niemals auf Holzbrettern geschnitten oder in sonst irgendeiner Art gelagert werden. Tierhalter sollten nur Plastikbretter verwenden. Vor und nach dem Verarbeiten des BARF-Futters sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Zum Abtrocken von Fleisch und Händen immer nur Einweg-Küchentücher aus Papier verwenden.

Punkt 3: Besondere Vorsicht ist bei Babys und Kleinkindern geboten. In den Niederlanden wurden einige BARF-Futtermittelhersteller geprüft und man fand Krankheitserreger in den Tiefkühlprodukten. Die gefundenen Mengen waren zwar für die Tiere und Erwachsene ungefährlich, aber Babys und Kleinkinder reagieren wesentlich empfindlicher. Tierhalten sollten also darauf achten, dass Babys und Kleinkinder nicht in Kontakt mit dem Speichel der Tiere kommen, die nach der BARF-Methode gefüttert werden.

Punkt 4: Futterreste sollten sofort entsorgt werden und dürfen nicht weiter verfüttert oder gar gelagert werden. Zudem empfehlen Experten, das BARF-Futter separat zu lagern, sodass es nicht mit den Lebensmitteln der Tierhalter in Kontakt kommt. Eine luftdichte Plastikdose sorgt für eine hygienische Aufbewahrung.

BARFEN

Das Barfen ist bei Tierhaltern wie Experten ein heikles Thema. Tierbesitzer, die ihre Tiere nach der BARF-Methode ernähren wollen, sollten unbedingt vorher den Tierarzt um Rat fragen. Er wird über alle Risiken aufklären und hilft auch bei der Erstellung des richtigen Futterplans.