Nichts macht Deiner Fellnase mehr Spaß, als durch Wiesen und durch Wälder zu streifen. Worauf Du bei einem Waldspaziergang zu achten hast, damit haben wir uns bereits im Artikel „Mit dem Hund in den Wald – Worauf muss ich achten?“ befasst. Zecken haben wir dabei als oftmals unterschätzte Gefahr für Dich und Deine Fellnase identifiziert. Umso wichtiger ist es, dass Du nicht nur Dich, sondern auch Deinen pelzigen Mitbewohner optimal vor den Blutsaugern schützt. Wir verraten Dir, wie Du das am effektivsten anstellst und warum das so wichtig ist.

Darum solltest Du Deinen Hund vor Zecken schützen

Sobald die ersten wärmenden Sonnenstrahlen die Landschaft zum Erblühen bringen, werden auch Zecken zunehmend aktiv. In den vergangenen Jahren sind dies aber nicht mehr nur die heimischen Arten wie der „gemeine Holzbock“. Auch die Braune Hundezecke verbreitet sich hierzulande zunehmend und wird damit zu einem immer gefährlicheren Krankheitsüberträger. Der Grund: Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Art wird durch Hundeimporte verbreitet und fühlt sich dank des wärmer werdenden Klimas zunehmend wohl.

Ein ausreichender Zeckenschutz ist daher unabdingbar. Immerhin können alle Zeckenarten gefährliche Krankheiten wie Borreliose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Babesiose und Frühsommer-Meningoenziphalitis (FSME) übertragen. Brechen die entsprechenden Krankheiten aus, sind diese für Deine Fellnase potenziell lebensgefährlich und mit einer kostspieligen Therapie verbunden. Zeckenschutz sollte also oberste Priorität haben!

Zecken durch richtiges Verhalten abwehren

Dass Zecken sich von Bäumen herunter auf ihre Opfer stürzen, um diese auszusaugen, ist nichts als ein Mythos. In Wahrheit sind die meisten Arten passive „Jäger“ und gehen nicht aktiv auf die Suche nach einem Wirt. Das gilt vor allem für den gemeinen Holzbock, der einfach abwartet und sich an einem vorbeistreifenden Wirt festhakt. Besonders wohl fühlen sich Zecken damit an Orten, an denen die Wahrscheinlichkeit für eine solche Begegnung besonders hoch ist. Dazu zählen neben hohem Gras, Sträuchern, Büschen und dichtem Unterholz auch Wegesränder und Bachläufe.

Wenn Du also auf Nummer sicher gehen willst, dass Deine Fellnase ja niemals eine Zecke bekommt, darfst Du nicht in die Natur gehen. Das ist natürlich keine Option. Am einfachsten reduzierst Du das Risiko, indem Du Dich bei Deinen Streifzügen nach Möglichkeit auf Wegen bewegst. Das gilt vor allem in der Zeckenhochsaison im Frühling und Spätsommer. Im Herbst und Winter ist das Risiko beim Verlassen der Wege deutlich geringer.

Suche Deinen Vierbeiner nach Zecken ab

Du bist ein echter Naturfreund und möchtest Dich nicht auf die Wege beschränken? Das können wir völlig nachvollziehen, denn echte Natur gibt es eben nur abseits befestigter Wege. Umso wichtiger ist die gewissenhafte Zeckensuche nach jedem Spaziergang. So kannst Du die Blutsauger so schnell wie möglich entfernen und das Infektionsrisiko minimieren. Anders als bei uns Menschen müssen Zecken nicht erst nach einem geeigneten Platz zum Zustechen suchen. Sie stechen bzw. beißen meist an der Stelle zu, an der sie sich festkrallen. Statistisch betrachtet ist der Kopf mit 44 Prozent der häufigste „Zeckenfundort“.

Hier solltest Du vor allem im Bereich der Ohren suchen, wo die Blutsauger schneller an die Gefäße herankommen. Auf Platz zwei folgen mit rund 40 Prozent der Hals und die oberen Vorderläufe. Besonders häufig sitzen die Tiere in der feuchten und wenig behaarten Achselregion. Eher selten finden sich Zecken am Bauch (ca. neun Prozent), an den Beinen (ca. fünf Prozent) und am Rücken (ca. zwei Prozent). Durch das gewissenhafte Absuchen verhinderst du außerdem, dass Deine Fellnase bei der Fellpflege eine Zecke verschluckt.

Zecke gefunden: Jetzt heißt es schnell handeln

Rund um das Thema „Zecken entfernen“ hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine wahre Wissenschaft entwickelt. Mittlerweile sind sich Experten jedoch einig, dass das „Wie“ deutlich weniger wichtig ist als das „Wie schnell“. Das gilt vor allem für die möglichen bakteriellen Infektionen wie die gefährliche Borreliose. Der Grund ist einfach: Die Erreger gelangen nicht direkt mit dem Stich in die Wunde.

Es dauert eine ganze Zeit, bis diese aus dem Körper zu den Mundwerkzeugen gelangen und sich schließlich in ausreichender Konzentration im Zeckenspeichel anreichern. Das Infektionsrisiko für bakterielle Erreger steigt damit mit der Zeit, die die Zecke Blut saugen durfte, exponentiell an. Bis Borreliose-Erreger in nennenswerter Anzahl im Blutkreislauf landen, dauert es beispielsweise rund 12 bis 24 Stunden. Wenn Du Deine Fellnase nach jedem Spaziergang absuchst, ist das Risiko also sehr gering. Hinzu kommt, dass auch bei Weitem nicht jede Zecke Borrelien in sich trägt.

Achtung FSME:

Bei der besonders gefährlichen FSME gelangen die Viren direkt mit dem Zeckenstich in den Blutkreislauf. Allerdings sind auch wieder längst nicht alle Zecken Träger des Virus. Besonders hoch ist die Gefahr allerdings in FSME-Risikogebieten, die insbesondere in Süddeutschland liegen.

Wenn Du in einem Risikogebiet wohnst oder mit Deiner Fellnase dorthin in den Urlaub fährst, ist eine entsprechende Impfung besonders wichtig. Das gilt sowohl für Deine Fellnase als auch für Dich, denn FSME ist schwer zu behandeln und kann tödlich enden. Hier geht es zur Übersicht der FSME-Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts.

So entfernst Du eine Zecke richtig

Für das Entfernen einer Zecke gibt es zahlreiche Werkzeuge. Abhängig von der Körperstelle eignen sich sowohl Zeckenzangen als auch Zeckenkarten oder Pinzetten. Solltest Du eine Zecke gleich beim Spazierengehen entdecken, tun es auch spitze Fingernägel. Zeckenschlingen, die häufig bei uns Menschen zum Einsatz kommen, sind wegen des dichten Hundefells dagegen ungeeignet. So gehst Du vor:

  1. Führe das Werkzeug so dicht wie möglich an die Haut heran.
  2. Greife das Beißwerkzeug bzw. klemme es ein.
  3. Ziehe die Zecke in einem konstanten und nicht nachlassenden Zug gerade nach oben heraus.
  4. Mach die Zecke unschädlich, indem Du sie z.B. in einem Taschentuch zerquetschst.

Wichtig: Das Entfernen der Zecke muss schnell gehen. Drangsalierst Du sie zu lange mit Werkzeugen, schaltet die Zecke in den Überlebensmodus. Dabei erbricht sie sich, sodass gleich eine enorme Konzentration an Erregern in den Blutkreislauf gelangt.

Bloß nicht den Kopf verlieren?

Entgegen der Volksweisheit ist es nicht allzu tragisch, wenn der Kopf abreißt oder das Beißwerkzeug zunächst in der Wunde zurückbleibt. Die Erreger (abgesehen von FSME) sitzen im Hinterleib der Zecke. Sobald zumindest dieser entfernt ist, kannst Du Dich in aller Ruhe um Kopf und Beißwerkzeug kümmern. Wichtig ist dieser Fakt beispielsweise, wenn Du kein geeignetes Zeckenwerkzeug dabei hast und nicht weißt, wie lange die Zecke schon saugt.

In einem solchen Fall kannst Du die Zecke auch sauber (möglichst) unterhalb des Kopfes mit einer Schere oder einem Outdoor-Messer abschneiden. Auch wenn Wissenschaftler aktuell davon ausgehen, dass das Drücken auf den Hinterleib keinen signifikanten Einfluss auf das Infektionsrisiko hat, solltest Du dies nach Möglichkeit vermeiden.

Was du auf keinen Fall tun solltest:

  • Die Zecke weiter saugen lassen und zum Tierarzt fahren. Je länger das Tier in der Wunde steckt, desto größer ist das Infektionsrisiko. Das gilt natürlich auch, wenn Du bei Dir eine Zecke findest. Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die zum Hausarzt oder gar in die Notaufnahme fahren, um eine Zecke entfernen zu lassen.
  • Verwende niemals sogenannte „Hausmittel“ wie Klebstoffe, Öle, Nagellackentferner, Benzin, Alkohol oder Feuer. Das sind Ammenmärchen! Erstens schadest Du damit auch Deinem Hund. Und zweitens führen diese Mittel bei der Zecke zu extremem Stress. Im Todeskampf erbricht sich die Zecke in die Wunde. Und was das bedeutet, haben wir ja schon erklärt.

Prophylaktische Mittel gegen Zecken

Glücklicherweise kannst Du aber bereits im Vorfeld einiges tun, um Zecken schon vor dem Stich abzuwehren.

  1. Spot-Ons

Bei Spot-Ons handelt es sich um Wirkstoffe, die Zecken fernhalten, sie am Stechen hindern (Repellents) oder gleich abtöten (Kontaktparasitikum). Diese Mittel trägst Du beispielsweise im Nacken Deiner Fellnase auf, wo Sie sich über die Talgschicht verteilen. Die Wirksamkeit der Mittel wurde beispielsweise bereits durch eine Untersuchung der Stiftung Warentest bestätigt. Diese Mittel haben eine Halbwertszeit von ca. vier Wochen. Damit hast Du eine ganze Weile Ruhe, bevor Du den Zeckenschutz erneuern musst. Bei den im Handel verfügbaren Zecken-Sprays solltest Du zudem beachten, dass Deine Fellnase nach der Anwendung etwa zwei Tage nicht Schwimmen oder Baden darf.

  • Kautabletten

Grundsätzlich haben Anti-Zecken-Kautabletten eine ähnliche Wirkung und Halbwertszeit wie Spot-Ons. Der große Vorteil ist jedoch die orale Aufnahme, sodass sich der für Zecken tödliche Wirkstoff von innen heraus verteilt. Damit bleiben keine Spuren im Fell zurück, sodass Du auch direkt nach der Behandlung nach Herzenslust mit Deiner Fellnase knuddeln kannst. Auch Baden und Schwimmen sind problemlos möglich. Die Kautabletten sind meist als Kauwürfel erhältlich und als nützliches Leckerli konzipiert.

  • Zeckenhalsbänder

Zeckenhalsbänder sind ebenfalls eine praktische Art der Zeckenabwehr. Vorteilhaft ist hier insbesondere die zeitverzögerte Abgabe der Wirkstoffe über mehrere Monate hinweg. Du musst Dich also nicht so oft um die Auffrischung kümmern. Allerdings können Zeckenhalsbänder beim Herumtoben verloren gehen. Zudem stellen sie ein gewisses Verletzungsrisiko dar, da Deine Fellnase damit im Unterholz hängenbleiben kann.

Achtung: Unnütze Anti-Zecken-Maßnahmen

Es gibt viele Gründe, warum so mancher Hundehalter auf „alternative“ Zeckenabwehrmittel zurückgreift. Sei es aus Prinzip, aus Unwissen oder aus Angst vor der bösen Pharmaindustrie. Fakt ist jedoch, dass viele dieser Mittel gegen Zecken rein gar nichts ausrichten. So ist beispielsweise die immer wieder gerne genannte Bernsteinkette nichts weiter als ein kostspieliges Schmuckstück.

Ätherische Öle wie Knoblauchöl, Neemöl, Lavendelöl oder Zitronenöl sind für Deinen Vierbeiner oft sogar schädlich. Angefangen von Hautreizungen und allergischen Reaktionen bis hin zur lebensbedrohlichen Blutarmut beim exzessiven Einsatz von Knoblauchöl sind viele Nebenwirkungen möglich. Also: Finger weg von solchen Mitteln!

Impfungen schützen vor den gefährlichsten Erkrankungen

Mit einem umfassenden Impfschutz kannst Du Deinen Vierbeiner am besten vor gefährlichen Erkrankungen bewahren. Besonders wichtig ist die Impfung gegen FSME, da hier für die Infektion bereits ein kleiner Zeckenstich ausreicht. Das gilt vor allem in FSME-Risikogebieten sowohl für Deinen Hund als auch für Dich.

In Sachen Borreliose hat Deine Fellnase Dir gegenüber sogar einen Vorteil. Während für Menschen noch keine Impfung gegen die Krankheit existiert, können sich Hunde bereits impfen lassen. Die „Ständige Impfkommission“ empfiehlt die Immunisierung für alle Hunde, die einem regelmäßigen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Bist Du also regelmäßig mit Deinem Hund abseits der Wege unterwegs, ist die Borreliose-Impfung eine wichtige Schutzoption. Möglich ist die erstmalige Impfung bereits ab der 12. Lebenswoche. Mehr zum Thema Impfen erfährst Du in unserem Artikel „Welche Impfungen benötigt ein Hund?