Wenn es um Agility geht, sind Hundefreunde an vorderster Front dabei. Kein Wunder, immerhin handelt es sich um eine boomende Hundesportart. Aber auch immer mehr Katzenhalter entdecken Agility für sich und ihren Stubentiger. Und wie sieht es nun mit Kleintieren aus? Müssen Kaninchen, Hamster, Maus und Co. auf sportliche Betätigung verzichten?

Ganz im Gegenteil. Auch Kleintiere haben einen Heidenspaß an Agility, denn das Training bringt Spaß und Abwechslung ins Nagerleben. Wir erklären Dir, für welche Kleintiere sich Agility am besten eignet, wie Du anfängst und worauf Du achten musst.

Was ist Agility überhaupt?

Bei Agility handelt es sich um eine Tiersportart, die im Jahr 1977 erstmals für Hunde konzipiert wurde. Kern von Agility ist das Überwinden verschiedenster Hindernisse, die in einer bestimmten Reihenfolge zu absolvieren sind. Dass Agility seine Wurzeln im klassischen Pferdesport hat, verwundert also wenig.

Gegenüber dem klassischen Hunde-Agility bestehen beim Agility-Training für Kleintiere jedoch einige gravierende Unterschiede. Allem voran steht das Gespann aus Dir und Deiner Fellnase. Während es beim Hunde-Agility um eine perfekte Harmonie zwischen Deiner Führtechnik und den Bewegungen Deines Hundes geht, ist dieser Faktor bei Kleintieren nur schwach ausgeprägt.

Immerhin sind Kleintiere und Nager in der Regel Fluchttiere, die sich nicht wirklich führen lassen bzw. ihren eigenen Kopf haben. Folglich fehlt beim Agility für Kleintiere meist auch der Wettkampfcharakter, wo es neben Schnelligkeit und Geschicklichkeit auch auf das fehlerfreie Absolvieren eines Parcours ankommt.

Was brauche ich für Agility?

Kleintiere lieben es, zu springen, zu klettern und sich durch interessante Hindernisse zu bewegen. Ein kleiner Agility-Parcours ist daher die ideale Möglichkeit, um den Bewegungsdrang der Nager zu befriedigen. Alles, was Du dazu benötigst, sind ein paar Hindernisse, die Du zu einer spannenden Strecke anordnest. Je nachdem, wie groß das Gehege von Meerschweinchen, Hamster und Co. ist, kannst Du die Hindernisse auch dauerhaft darin platzieren.

So können die Tiere jederzeit nach Herzenslust herumtoben. Ideal sind beispielsweise kleine Wippen, Rampen, Tunnel und Sprunghindernisse in verschiedenen Höhen. Im gut sortierten Zoohandel findest Du eine große Auswahl an Agility-Zubehör, mit dem Du den Alltag Deiner Lieblinge aufpeppen kannst.

Agility-Hindernisse ganz einfach selber bauen

Wenn Du nicht gerade zwei linke Hände hast, kannst Du mit wenig Aufwand auch selbst spannende Agility-Hindernisse basteln. An Baumaterial mangelt es in kaum einem Haushalt. Ganz gleich, ob Du aus einem ausgedienten Geschirrtuch eine Hängematte baust, aus Toilettenpapierrollen ein Tunnelsystem konstruierst oder aus Holzresten Rampen, Treppen und Hürden bastelst. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Achte beim Basteln aber darauf, dass Deine Hindernisse auch wirklich „nagersicher“ sind. Verwende daher ausschließlich Materialien, die Deinen Lieblingen nicht schaden, selbst wenn sie die Hindernisse anknabbern. Plastik, Lacke und giftige Klebstoffe sind damit absolut tabu!

Ebenso wichtig ist die Stabilität der Agility-Hindernisse. Schließlich sollen sich die kleinen Sportler daran nicht verletzen können. Verwende also lieber eine Schraube mehr, beseitige Splitter und schleife scharfe Kanten ab.

Für welche Nager eignet sich das Agility-Training?

Prinzipiell eignet sich Agility für alle Nager bzw. Kleintiere. Sowohl Hamster, Meerschweinchen und Degus als auch Kaninchen und Mäuse haben einen großen Bewegungsdrang. Allerdings ergeben sich hinsichtlich der praktischen Umsetzung einige Unterschiede. Erfahrungsgemäß sind Hamster echte Eigenbrötler. Geregeltes Training, wie man es mit einem Hund durchführen würde, kannst Du daher gleich vergessen.

Hier ist es besser, wenn Du Deinem Nager ein paar Hindernisse in den Käfig stellst und ihn den Abenteuerspielplatz selbst erkunden lässt. Meerschweinchen und Mäuse zeigen sich gegenüber regelmäßigem Training schon deutlich aufgeschlossener. Für ungetrübten Trainingsspaß kannst Du einen kleinen Auslauf innerhalb Deiner Wohnung als Trainingsfläche aufbauen und Deine Tiere langsam an den „Sport“ heranführen.

Kaninhop – Professionelle Agility-Wettkämpfe für Kaninchen

Wenn Du dir Deine Wohnung mit Kaninchen teilst, dann hast Du zumindest in sportlicher Hinsicht den Jackpot gewonnen. Kaninchen eignen sich besonders gut für Agility, sofern zwischen Dir und den Pelznasen ein enges Vertrauensverhältnis herrscht.

Gerade Jungtieren und besonders handzahmen Exemplaren kannst Du schnell die ersten Kunststücke und Kommandos beibringen. Damit hat das Agility-Training mit Kaninchen bereits große Ähnlichkeit mit dem klassischen Agility-Training für Hunde.

Fun-Fact: Zwergkaninchen können aus dem Stand heraus 40 bis 50 Zentimeter hohe Hindernisse überspringen!

Eine besondere Variante von Agility für Kaninchen ist Kaninhop. Ähnlich wie beim Springreiten müssen Kaninchen dabei einen Parcours aus unterschiedlich hohen Sprunghindernissen überwinden.

Das Ziel ist das gleiche wie beim Pferdesport: Eine gute Zeit und ein möglichst fehlerfreier Durchgang. Für besonders talentierte Kaninchen werden sogar richtige Kaninhop-Meisterschaften organisiert.   

Agility für Kleintiere – Das musst Du beachten

  • Nager sind zwar prinzipiell neugierig – die Gewöhnung an Hindernisse ist aber etwas aufwendiger als bei Hund und Katz. Am besten verwendest Du gesunde Leckerlies als Belohnung, um die Tiere an die Hindernisse zu gewöhnen.
  • Gerade Wippen, wackelige Brücken oder hohe Sprünge mögen aufregend für die Tiere sein, können aber auch Angst auslösen. Umso wichtiger ist die behutsame Gewöhnung. Denke immer daran: Nager und vor allem Kaninchen sind Fluchttiere.
  • Übe niemals Zwang aus, wenn ein Tier vor einem Hindernis zurückschreckt. Möchte Dein kleiner Racker ein Hindernis trotz Leckerli partout nicht überwinden, entferne es und versuche es später noch einmal.
  • Nager haben ihren eigenen Kopf. Training nach Trainingsplan wie mit einem Hund kannst Du daher vergessen. Biete den Tieren die Möglichkeit, sich zu bewegen. Wenn sie Lust haben, fangen sie von ganz allein an, über die Hindernisse zu flitzen. Beste Trainingsbedingungen also. Haben die Nager dagegen keine Lust: Lass sie einfach in Ruhe und zwinge sie zu nichts.
  • Nutze einen Stab oder Clicker als zusätzliche Hilfe. Mit Hilfe beider Geräte kannst Du Deinen Nager in eine bestimmte Richtung treiben. Gleichzeitig dient das Klickgeräusch nach ausgiebigem Training als Ankündigung für eine Belohnung. Das muss nicht zwangsweise ein Leckerli sein. Eine ausgiebige Streicheleinheit nehmen die kleinen Sportler auch gerne an.
  • Lass Deinen Nager niemals unbeaufsichtigt auf einem komplizierten Parcours herumtollen. Auch wenn Du an einen sicheren Aufbau gedacht hast, kann immer etwas passieren.
  • Verwende beim Agility-Training mit Kaninchen niemals ein Kaninchengeschirr mit Leine. Bei den komplexen Bewegungen ist die Gefahr zu groß, dass sich das Tier verheddert und in Panik gerät.